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Der Trend zum Mikrohotel: Nicht billiger, dafür aber kleiner
Lifestyle 4 Min. 21.04.2016

Der Trend zum Mikrohotel: Nicht billiger, dafür aber kleiner

Ein Designzimmer breit wie das Bett. So sieht zum Beispiel die Hotel-Zukunft im Mikrohotel CitizenM Hotel in Amsterdam aus.

Der Trend zum Mikrohotel: Nicht billiger, dafür aber kleiner

Ein Designzimmer breit wie das Bett. So sieht zum Beispiel die Hotel-Zukunft im Mikrohotel CitizenM Hotel in Amsterdam aus.
Foto: SRT
Lifestyle 4 Min. 21.04.2016

Der Trend zum Mikrohotel: Nicht billiger, dafür aber kleiner

Es klingt wie ein Widerspruch – Minizimmer zu stolzen Preisen. Aber Mikrohotels mit vielen Extras schießen überall da aus dem Boden, wo Platz Mangelware ist. Die Kunden sind begeistert und meistens auch zufrieden.

(SRT) - Wenn es um die Miniaturisierung von Gegenständen geht, dann hat uns Japan viel beigebracht. Danke, Nippon, für den Walkman! Und auch vielen Dank für die Idee des Kapselhotels. Diese Gattung Unterkunft fasziniert uns seit ihrer Erfindung Anfang der 80er-Jahre – bezahlbar schlafen im Kunststoffbehälter mit TV.

Auch in Europas Metropolen werden seit zwei Jahrzehnten die Hotelzimmer immer kleiner. Furore machten in den Nullerjahren die Billighotels, die sich viel aus Japan abgeguckt hatten.

Frische Handtücher – gegen Geld

Doch dankenswerterweise lassen uns die Hoteliers in Europa im Zimmer wenigstens noch aufrecht stehen. Für rigorose Systemgastronomie und Normierung ihrer Zellen, die nicht mehr als 7,5 Quadratmeter messen, sind die Easyhotels des britischen Easyjet-Unternehmers Stelios Haji-Ioannus bekannt. Wie bei der Airline kostet alles extra. Frische Handtücher – nur gegen Geld.

Inzwischen hat sich das Konzept Minizimmer weiter entwickelt. Es wird nun in der coolen Designversion überall da angeboten, wo die Immobilienpreise in den Himmel schießen. Die Rechnung ist ganz einfach: Viele kleine Zimmer in einem Gebäude in Amsterdams oder New Yorks Innenstadt zu saisongerechten Preisen bringen mehr als größere Gemächer zu sehr hohen Raten.

Großartiges Design für alle

Herausgekommen ist dabei die Idee des Mikrohotels, das wie alles zurzeit nur auf eine Zielgruppe schielt: die Millennials, auch Generation Y genannt, deren älteste Vertreter inzwischen auch schon die 35 überschritten haben. „Diese Generation wird sehr bald das Ruder übernehmen“, so Tina Edmundson, verantwortlich für Marriotts Lifestyle-Hotelmarken, in einem Interview mit der „ New York Times “. „Die Zeiten, als nur privilegierte Hotelgäste Zugang zu großartigem Design hatten, sind vorbei.“

Millennials wollen also offensichtlich nicht in plüschigen Hotels mit Pagen absteigen. Sie sind vernetzt und gesellig. Viel Zeit im Gästezimmer verbringen sie eh nicht. Stattdessen suchen sie nach dem authentischen Flair der Umgebung, wollen eintauchen in das Leben ihres Reiseziels. Viele von ihnen haben kein Problem, über die Plattformen Uber Fahrdienste und bei Airbnb Apartments von privat zu mieten.

Gegen den Charme privater Wohnungen von ortskundigen Vermietern stemmt sich das Hotelgewerbe mit durchdesignten Mikrohotels. Zwar sind die Zimmer aus Renditegründen geschrumpft. Bei Marriott ist ein Standardzimmer um die 28 Quadratmeter groß, die Microhotel-Marke Moxy kommt jedoch mit 17 Quadratmetern aus. Es geht auch noch kleiner: Die New Yorker Pod-Hotels packen bei einem Einzelzimmer alles auf sechs Quadratmeter, andere Ketten bringen auf sieben Quadratmeter zwei Personen unter.

Doch diese Minizimmer dürfen auf keinen Fall billig aussehen und müssen Extras bieten. Wer mehr als 100 Euro pro Person für ein Kabuff ausgibt, erwartet nicht den Charme einer Jugendherberge. Stattdessen bekommt er eine Hightech-Kabine.

Gratis-WLan gehört bei allen zum Standard, kostenlose Minibar oder Snacks sowie Filme bieten vor allem die teureren Mikrohotels an. Integrierte Flachbildschirme, IPod-Docks sowie alle gängigen Anschlüsse für Computer sind selbstverständlich. Einen Safe für Laptops gibt es bei Yotels.

Das New Yorker Haus dieser britischen Kette dreht außerdem die Tatsache, dass in den Zimmern kaum ein Koffer Platz hat, zu ihrem Vorteil und fasziniert die Gäste mit einem Roboterarm, der ihnen das Gepäck in den bis zur Decke reichenden Schließfächern verstaut.

Wer dagegen in einem Moxy-Zimmer eincheckt, muss nachts nicht nach dem Licht zum Bad suchen – dank Bewegungsmelder geht es automatisch an, wenn er aus dem Bett steigt. Und in den Zimmern der niederländischen CitizenM-Gruppe wird die gesamte Technik von einem Tablet aus kontrolliert – Licht, TV, Musik sowie Vorhänge und Klimaanlage.

Komfort in der kleinsten Hütte

Je kleiner ein Raum ist, desto durchdachter muss die Einrichtung sein. Doppelbetten in Mikrohotels lassen sich deswegen oft elektrisch zu Sofas umbauen, die Tische sind ausklappbar und die Duschkabinen sehen aus wie schicke Plexiglasschränke im Raum.

Komfort spielt eine große Rolle. Die populären Regenduschen und Betten mit komfortablen Matratzen und edler Bettwäsche fehlen in keinem Mikrohotel. Die niederländischen CitizenM-Hotels machen aus ihren winzigen Zimmern sogar eine Tugend, indem sie mit zwei Meter breiten Betten werben, die von Wand zu Wand reichen. Von der Tür direkt ins Bett fallen – wer hätte je gedacht, dass sich das cool verkaufen ließe?

Während die Gästezimmer der Mikrohotels also immer mehr zu stylischen Hitech-Kabinen mutieren, fließen die öffentlichen Räume, also Lobby, Rezeption und Café, Bar beziehungsweise Restaurant, ineinander. Grenzen gibt es nicht mehr, genauso wenig wie das gute alte Check-in mit richtigem (teurem) Personal.

Insider sprechen nicht mehr von Lobby oder Restaurant, sondern Neudeutsch vom „Living Room“, wo die Gäste – die so begehrten Millennials – an großen Tischen snacken, in Sofa-Zonen kommunizieren und Mails checken und in anderen Bereichen automatisch einchecken oder spielen.

Wie sehr nicht nur junge Ketten wie Yotel, CitizenM oder Pod mit dem Trend Mikrohotel den Ton angeben, ist an den Hotelriesen abzulesen. Marriott sprang auf den Zug auf, als es bereits Ende 2014 sein erstes Moxy Hotel in Mailand einweihte.

Geplant ist, innerhalb der nächsten zehn Jahre die Welt mit 150 Häusern zu überziehen. 2016 zieht Hilton mit der neuen Mikrohotel-Marke Tru nach. Auch hier werden ehrgeizige Ziele verfolgt, die Rede ist von 189 Tru-Häusern, die in naher Zukunft eröffnen sollen. Mikrohotels werden also bald kein Trend mehr sein, sondern Mainstream.


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