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Der Game Boy feiert Geburtstag
Der Game Boy wurde weltweit über 118 
Millionen Mal verkauft. Der Nachfolger, der Game Boy Advance, brachte es immerhin auf 81 Millionen Einheiten.

Der Game Boy feiert Geburtstag

Foto: dpa
Der Game Boy wurde weltweit über 118 
Millionen Mal verkauft. Der Nachfolger, der Game Boy Advance, brachte es immerhin auf 81 Millionen Einheiten.
Lifestyle 3 Min. 21.04.2019

Der Game Boy feiert Geburtstag

Vor 30 Jahren brachte der japanische Konzern Nintendo die Handheld-Konsole auf den Markt. Der Start einer Erfolgsgeschichte.

von Torsten Könekamp

Wer zu Beginn der 1990er-Jahre auf Klassenfahrt fuhr, konnte eine kuriose Feststellung treffen. Es tat sich eine Kluft in Reisebussen oder Zügen auf, die die junge Generation in analoge Habenichtse und digitale Vorreiter trennte. Während die einen in kleinen Gruppen Stippi, Skat oder Belote spielten, starrten die anderen auf ein Display, das gerade mal so groß war wie eine halbe Zigarettenschachtel. Das Display gehörte zum Game Boy, einer tragbaren Spielkonsole des japanischen Herstellers Nintendo.

Aufgrund der strengen technischen Begrenzungen des 8-Bit-Prozessors und des geringen Datenspeichers waren sowohl Grafik als auch Tonwiedergabe der Mini-Konsole sehr eingeschränkt. Oft lief darauf das Spiel „Tetris“, bei dem der Spieler verschiedenförmige Bausteine so stapeln muss, dass sie geschlossene Reihen ergeben. War eine Reihe voll, löste sie sich auf und erhöhte den Punktestand.


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Verkaufsstart in Japan

Vor 30 Jahren, am 21. April 1989 brachte Nintendo die handliche Spielkonsole in Japan auf den Markt. Von August 1989 an lag die kleine graue Kiste mit dem grau-grünlichen LCD-Bildschirm auch in US-amerikanischen Läden. Europäer konnten die Spielkonsole dann von September 1990 an kaufen. Und das taten viele Menschen, denn Nintendo hatte beim Design der Konsole einfach alles richtig gemacht und dann mit einer Menge von guten Spielen nachgelegt.

Im Lauf der Zeit konnte das japanische Unternehmen rund um den Globus über 118 Millionen Exemplare absetzen. Dazu verkaufte der Konzern mehr als 500 Millionen Spiele. Damit hat sich der Game Boy bisher besser verkauft als die aktuellen Nintendo-Spielkonsolen Wii und Wii U zusammen.

Was damals zunächst undenkbar schien: Der Game Boy hat mit Spielen wie „Tetris“, „Super Mario Land“ oder „Donkey Kong“ die ganze Spieleindustrie verändert und konnte erstmals ganz neue Schichten von Spielern ansprechen. Mit einer Länge von rund 15 Zentimetern und einem Gewicht von ungerechnet drei Tafeln Schokolade passte das Gerät selbst in eine Handtasche. Das hat auch für Frauen die Hemmschwelle zu Videospielen deutlich gesenkt.

„Tetris“ im Startpaket

Eine besondere Rolle in der Verbreitung der Handheld-Konsole spielte die Tatsache, dass Nintendo die Konsole mit wenigen Ausnahmen nur im Paket mit „Tetris“ auslieferte. Das Klötzchensortierspiel war zwar selbst für die technischen Möglichkeiten des Game Boys und für den Stand der Spieleindustrie in den 1990er-Jahren nicht gerade überkomplex gestaltet, doch genau das schien der Trick gewesen zu sein. Jeder versteht das Game sofort und will gleich einsteigen – mit hoher Suchtgefahr.

Stets begehrt: Bei Flohmärkten oder Sammlerbörsen werden die Spiele – und auch die Konsolen – heute noch gehandelt.
Stets begehrt: Bei Flohmärkten oder Sammlerbörsen werden die Spiele – und auch die Konsolen – heute noch gehandelt.
Foto: dpa

Dabei fand der Siegeszug des Geräts vor einem sich verschärfenden Konkurrenzkampf statt. Fast gleichzeitig machten sich zwei Wettbewerber daran, Nintendo einzuholen. Der US-amerikanische Computerhersteller Atari wollte schon von Herbst 1989 an die Spieler mit seiner tragbaren Spielkonsole Lynx gewinnen. Und das japanische Unternehmen Sega brachte seinen Game Gear schließlich 1990 auf den Markt.

Beide Geräte hatten Farbbildschirme und waren auch noch anderweitig dem Game Boy überlegen: Der Game Gear diente etwa als portables TV-Gerät. Doch waren sie dadurch auch teurer. Während Nintendo seine Konsole für umgerechnet etwa 75 Euro verkaufte, kostete der Game Gear das Doppelte. Außerdem sorgten die Batterien beim Game Boy für längeren Spielspaß – und das ist für ein mobiles Spiel ein viel wichtigeres Argument als zum Beispiel die Qualität der Grafik oder die Komplexität eines Spieles.

Smartphone statt Konsole

Die Einfachheit gibt auch bei heutigen mobilen Spielen oft noch den Ausschlag für Erfolg oder Misserfolg. Beliebte Smartphonespiele wie „Flappy Bird“ oder „Angry Birds“ sind meistens genauso schnell zu verstehen wie „Tetris“ vor 25 Jahren. Allerdings braucht es gerade für solche Spiele keine eigene Konsole mehr. Ein Verkaufsschlager wie der Game Boy wäre daher heute wohl nicht mehr zu wiederholen. Denn Smartphones haben inzwischen den Markt für mobile Spiele erobert.


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