Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Delphine Quirin im Interview: „Bitte keine Formexperimente“
Lifestyle 3 Min. 22.11.2016

Delphine Quirin im Interview: „Bitte keine Formexperimente“

Delphine Quirin ist privat eher fotoscheu - für uns machte sie eine Ausnahme.

Delphine Quirin im Interview: „Bitte keine Formexperimente“

Delphine Quirin ist privat eher fotoscheu - für uns machte sie eine Ausnahme.
Foto: Pierre Matgé
Lifestyle 3 Min. 22.11.2016

Delphine Quirin im Interview: „Bitte keine Formexperimente“

Delphine Quirin ist äußerst häuslich und verlässt nur selten ihre Heimatstadt Liège. In dieser vergangenen Woche machte die Belgierin eine Ausnahme: Sie präsentierte ihre neue Frühjahr/Sommer-Kollektion im Großherzogtum. Die perfekte Gelegenheit, ihr einige Fragen zu stellen.

von Michael Juchmes

Delphine Quirin, nennen Sie uns bitte drei Gründe, einen Hut zu tragen!

Zunächst einmal erfüllt der Hut einen ästhetischen Zweck: Er ist elegant. Zudem ist er praktisch und er verleiht der Trägerin eine gewisse Persönlichkeit. Früher, als man noch häufiger zum Hut griff, gab dieser den Menschen die Möglichkeit, sich von anderen abzugrenzen.

Sie besitzen einen Universitätsabschluss in Kunstgeschichte. Warum haben Sie danach einen vollkommen anderen Weg eingeschlagen?

Ich war schon immer fasziniert von schönen Kleidern und Modedesign, habe, als ich jünger war, sogar Hüte gesammelt. Nach dem Studium bin ich dann nach einigen Kreativkursen in diesem Bereich gelandet, ohne wirklich viel darüber nachzudenken.

War es anfangs schwer, in dieser Domäne Fuß zu fassen?

Ja, natürlich, so einfach ist das halt nicht. (lacht) Anfangs habe ich nebenbei noch als Stadtführerin gearbeitet. Als Selbstständige konnte ich aber immerhin einige Projekte angehen.

Ihre aktuelle Herbst/Winter-Kollektion wirkt komfortabel, um nicht zu sagen gemütlich. Da kommt einem sofort der Begriff „Cocooning“ in den Sinn. Ist das ein Trend, der Ihnen als Inspiration diente?

So sah meine Welt eigentlich schon immer aus. Ich verwende seit Langem Wolle, Angora und Mohair – obwohl vor Jahren Wolle noch als kratzig und altmodisch verschrien war. Zudem bin ich eher ein Winter-Typ. Ich liebe warme und weiche Materialien und es ist mir wichtig, die Stoffe anzufassen, zu erleben. Ausgehend von den haptischen Eindrücken und den gegebenen Farben entstehen dann die Modelle. Ich entwerfe keine Kollektion am Zeichentisch. Es ist nämlich sehr schwierig, von einer Skizze ausgehend die notwendigen Materialien zu finden.

Modelle der Frühjahr/Sommer-Kollektion 2017
Modelle der Frühjahr/Sommer-Kollektion 2017
Foto: Pierre Matgé

Haben Sie für die aktuelle Kollektion auch einige Stücke für Herren entworfen?

Ja, natürlich, aber leider ist man dabei kreativ etwas eingeschränkt. Eine Mütze im Marine-Look und bitte keine Formexperimente – mehr ist leider kaum drin. Männer mögen es lieber klassisch.

Sie verwenden tierische Stoffe, darunter Wolle und Leder. Ist das in einer Zeit, in der immer mehr Designer auf vegane Materialien setzen, noch vertretbar?

Zunächst einmal: Ich bin Vegetarierin und esse kein Fleisch. Zudem arbeite ich nur mit Lieferanten aus europäischen Ländern zusammen. Aber es stimmt: Früher wurde etwa Angorawolle auf sehr fragwürdige Weise gewonnen. Ich achte bei meinen Stoffen daher auf tiergerechte Haltung. Aber die Frage nach neuartigen Materialien kommt natürlich immer häufiger auf.

Haben Sie einmal über eine vegane Kollektion nachgedacht?

Bisher noch nicht, aber man weiß ja nie. Neben der Umwelt und dem Tierschutz sind mir im Übrigen auch faire Arbeitsbedingungen wichtig. Ich lasse alle Artikel in Liège anfertigen. Wenn ich dann in irgendeinem Laden eine Mütze für zwei Euro sehe, frage ich mich, wie sich das rechnen soll. Ich weiß schließlich, was das Material kostet und welches Gehalt ein Arbeiter bekommt.

Ihr Atelier befindet sich in Liège – warum nicht in Antwerpen, der belgischen Modehauptstadt?

Ich stamme aus der Stadt, bin frankofon und sehr häuslich. Natürlich muss man Liège auch mal verlassen, wenn man etwas erreichen will. Ich präsentiere meine Kollektionen zum Beispiel auf Messen in Paris, diesbezüglich gibt es nicht mal eine sprachliche Barriere. Und dank des Internets stehe ich auch von Zuhause aus mit der ganzen Welt in Kontakt.

Delphine Quirin liebt Hüte, ihre Kinder und Mutter dagegen nicht.
Delphine Quirin liebt Hüte, ihre Kinder und Mutter dagegen nicht.
Foto: Pierre Matgé

Seit Kurzem sind Ihre Modelle auch in Luxemburg beim Cheer up Store erhältlich. Denken Sie, dass ihre Entwürfe dem Geschmack der Luxemburger Frauen entsprechen?

Auf den Messen sieht man, dass es die Einkäufer, egal ob jetzt aus Frankreich, Deutschland oder Japan, alle auf ähnliche Stücke abgesehen haben. Es hängt viel eher mit dem Stil einer Boutique zusammen, mit dem geführten Sortiment, als mit dem Geschmack des Einzelnen. In Luxemburg kommt noch die Nähe zu Frankreich und Deutschland hinzu, hier vermischen sich die Geschmäcker. Zudem ist jeder Hut und jede Mütze ein Produkt aus Belgien – und so etwas gibt's ja auch nicht überall.

Wie sieht es mit dem Geschmack der belgischen Königin aus? Haben Sie diesen schon einmal getroffen?

Indirekt schon. Die Stadt Liège kam auf mich zu, als sich das Königspaar vor einigen Jahren angekündigt hatte. Königin Mathilde wurden damals ein Hut und ein Schal von mir überreicht.

Zum Abschluss ein Ausblick auf das Weihnachtsfest: Werden Sie Familie und Freunde mit ihren schönsten Stücken beglücken?

Nein, nein, das mache ich doch schon das ganze Jahr hindurch. Das wäre natürlich einfach, weil ich an der Quelle sitze. Aber meine Familie ist schon bestens eingedeckt. (lacht) Zudem tragen meine beiden Söhne nicht gerne Mützen und meine Mutter mag leider keine Hüte.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Made in Luxembourg: Kleider für Ja-Sager
Wer Ja sagt, muss auch B sagen. B wie Brautkleid. Egal ob klassisch weiß, geblümt oder schwarz: Die Luxemburgerin Nathalie Siebenaler schneidert angehenden Bräuten ihr Traumkleid auf den Leib. Ein Interview.
Nathalie Siebenaler legt Wert auf Individualität und Wandelbarkeit.
Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.