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Déjà vu: Vergangene Trends feiern ein Comeback: Retro-Mania
First & Second Hand Concept Luxembourg - Designermode aus zweiter Hand.

Déjà vu: Vergangene Trends feiern ein Comeback: Retro-Mania

Foto: Chris Karaba
First & Second Hand Concept Luxembourg - Designermode aus zweiter Hand.
Lifestyle 10 2 Min. 23.03.2016

Déjà vu: Vergangene Trends feiern ein Comeback: Retro-Mania

In der Mode, beim Interior und bei Accessoires muss man momentan nicht viel Geld in Neues investieren. Denn: Die guten alten Dinge von gestern sind wieder da. Hipster und Trendsetter suchen nicht mehr nach den aktuellen It-Pieces, sondern nach Schätzen aus der Vergangenheit.

von Michèle Zahlen

In turbulenten Zeiten sehnen sich Menschen nach Beständigkeit und Vertrautem. Nostalgisch halten wir am Gestern fest, weil dadurch das Jetzt erträglicher wird. Und längst totgesagte Technik wird wieder aus der Mottenkiste gekramt. Sängerin Adele macht es im Video zu ihrem Superhit „Hello“ vor, greift zu einem fast schon in Vergessenheit geratenen Klapphandy – und löst damit eine neue Retro-Welle aus.

Nicht (immer) teuer, aber einzigartig

Angesichts der aktuellen Modedesigns fühlt man sich, als wäre man direkt in die 70er-Jahre zurückversetzt worden. Während vor ein paar Jahren noch cleane, unifarbene Looks dominierten, bringen uns jetzt Wildledermäntel, Rüschenblusen und sogenannte Granny Heels (Pumps, die aussehen, als hätte Großmutter sie schon getragen) das Seventies-Feeling wieder. Den modischen Flashback löste Gucci-Designer Alessandro Michele mit seinen Kollektionen aus.

Eine gute Alternative zu den aktuellen Looks vom Laufsteg finden Kunden am einfachsten im nächsten Second-Hand-Shop – und ergattern vielleicht sogar noch ein Original aus dieser Zeit: „Ältere Sachen haben einfach einen gewissen Charme, eine Geschichte“, so Nora Winandy vom First & Second Hand Concept Luxembourg in Belair. Seit 2014 hat die heute 24-Jährige ihren eigenen Vintage Store – auch, weil sie selbst schon immer gerne Second Hand gekauft hat.

Die Suche nach ausgefallenen Kleidungsstücken ist für Winandy viel mehr als nur Shoppen. „Vintage ist gerade auch für junge Leute interessant, weil sie viele vergangene Modetrends noch gar nicht miterlebt haben. Und es ist spannend, Marken zu entdecken, die es vielleicht mittlerweile schon gar nicht mehr gibt“, so die Boutiquebesitzerin weiter. Wahrer Luxus ist für Vintage-Fans keine Frage des Preises – die Stücke müssen vor allem einzigartig sein und eine Seele haben.

Produkte machen auf alt, Käufer fühlen sich jung

Doch die Faszination für Cooles von gestern geht mittlerweile weit über die Mode hinaus. Im Café wird statt Latte Macchiato der gute alte Filterkaffee zum Kuchen serviert, an den heimischen Wänden wird wieder Tapete mit Blümchenmuster angebracht und in Interior Shops warten Nierentische und Wählscheiben-Telefone auf einen neuen Besitzer – alles ganz „wie damals“.

Alte Schätze neu entdeckt: Nora Winandy verkauft in ihrer Boutique First & Second Hand Concept Luxembourg unter anderem Taschen, Accessoires und Bekleidung von Designerlabels wie Gucci, Chanel und Hermès.
Alte Schätze neu entdeckt: Nora Winandy verkauft in ihrer Boutique First & Second Hand Concept Luxembourg unter anderem Taschen, Accessoires und Bekleidung von Designerlabels wie Gucci, Chanel und Hermès.
Foto: Chris Karaba

iPhone und Mac Book sind zwar immer noch stylisch, die hat aber mittlerweile gefühlt jeder. Schreibmaschine und Retro-Telefon als heimische Dekoration fallen dagegen sofort ins Auge. Sie stehen für Individualismus, Nostalgie und Jugend. Denn Retro macht vor allem eines mit uns – es weckt Gefühle. So, wie wenn man ein altes Foto aus seiner Kindheit anschaut.

Und auch Schallplatte und Plattenspieler erleben einen neuen Aufschwung. Während Songs in den letzten Jahren vor allem von Musik-Apps wie Spotify oder iTunes einfach aufs Smartphone geladen wurden, kann man Musik – Vinyl-Comeback sei Dank – jetzt wieder in den Händen halten. Seit Oktober 2015 gibt das deutsche Marktforschungsinstitut GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) jeden Monat eine Hitliste mit den 20 meistverkauften Platten raus – darunter Künstler wie Jimi Hendrix, David Bowie oder Queen, aber auch aktuelle Musiker wie Adele oder der deutsche Rapper Sido.

Bleibt die Frage, ob früher wirklich alles besser war. Oder ob es für Retro-Freunde vor allem einfach ist, die besten Aspekte vergangener Zeiten auszusuchen und in die Gegenwart zu integrieren? Einen antiken Telefonhörer, den man an sein Smartphone anstöpseln kann, gibt es bereits.


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