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Dating-Apps: Der Nächste, bitte!
Lifestyle 2 Min. 04.05.2015

Dating-Apps: Der Nächste, bitte!

It's a Match: Über diesen Text freuen sich die Nutzer der Dating-App Tinder wohl am meisten.

Dating-Apps: Der Nächste, bitte!

It's a Match: Über diesen Text freuen sich die Nutzer der Dating-App Tinder wohl am meisten.
Foto: Tinder
Lifestyle 2 Min. 04.05.2015

Dating-Apps: Der Nächste, bitte!

Leute im Café kennenlernen und nach einem Date fragen - das war gestern. Heute sollen Dating-Apps helfen, den Traumpartner zu finden - Liebe per Smartphone. Denn da gibt es Dates im Überfluss.

(dpa/tmn) - In den vergangenen Jahren sind Dating Apps schlagartig populär geworden. Kaum einer, der nicht schon mal mit dem Smartphone nach der großen Liebe gesucht hat - oder zumindest darüber nachdenkt. Das Prinzip ist immer ähnlich: Apps wie Tinder, Happn oder Lovoo funktionieren standortbasiert. Je nach App kann man einen kleinen Steckbrief anlegen und Menschen in der Nähe kennenlernen.

Bei Tinder etwa sieht man zunächst nur die Fotos potenzieller Partner: Wer das Foto mit dem Finger nach links wischt, verschmäht das Angebot, wer nach rechts wischt, möchte den anderen näher kennenlernen. Nur wenn beide Partner das Foto des jeweils anderen nach rechts wischen, kommt es zu einem Match - sie können miteinander chatten.

Bei OKCupid hingegen beantworten Nutzer Fragen wie „Glaubst du, Frauen haben die Pflicht, sich die Beine zu rasieren?“ oder „Ist Sex vor der Ehe eine Sünde?“. Die App berechnet dann anhand der Antworten, wie gut zwei Nutzer zusammenpassen.

Die Nutzer der Dating-App Tinder haben die Qual der Wahl. Wer links wischt, verschmäht den anderen. Wer rechts wischt, möchte ihn näher kennenlernen.
Die Nutzer der Dating-App Tinder haben die Qual der Wahl. Wer links wischt, verschmäht den anderen. Wer rechts wischt, möchte ihn näher kennenlernen.
Foto: Tinder

Rettung für Schüchterne

Beziehungscoach Dominik Borde aus Wien findet, die Apps eignen sich besonders für schüchterne Leute. „Immerhin weiß man, dass der andere auch auf der Suche ist und vermutlich keinen Partner hat.“ So wird man weniger mit Ablehnung konfrontiert, muss niemanden auf offener Straße ansprechen. Er beobachtet, dass im echten Leben - also offline - kaum noch geflirtet wird.

„Menschen werden zur Ware, bekommen einen Schnäppchencharakter“, sagt Paartherapeut Rüdiger Wacker aus Essen. Und das hat Einfluss auf die Partnersuche: Warum mit dem Erstbesten zufriedengeben? Das Angebot ist schließlich fast unendlich. Wir glauben dann, es kann immer noch jemand Besseren geben - die Dating-App ist wie Netz und doppelter Boden, eine Absicherung. „Und Apps wie Tinder lassen keine Chance für den zweiten Eindruck“, erklärt Borde.

Auch bei Apps sind frustrierende Erfahrungen möglich: Wer wenig Resonanz auf sein Profil bekommt, stellt sich womöglich schnell selbst infrage. „Schließlich haben andere die gleichen Anforderungen an mich wie ich an sie“, sagt Wacker. Wer da mithalten möchte, präsentiert sich nur von seiner Schokoladenseite. Deshalb rät Wacker, von der App so schnell wie möglich in die Wirklichkeit zu gehen.

Vorsicht ist geboten

„Wer zu lange hin- und herschreibt, glaubt, den anderen zu kennen“, erklärt Borde. Dann entsteht schnell eine Illusion, Nutzer bekommen eine irrige Vorstellung vom anderen. Borde empfiehlt, für die Kommunikation die App so schnell wie möglich zu verlassen - und vor einem Date erstmal zu telefonieren. So kann man schon mal schauen, ob man sich versteht, macht es dem anderen aber nicht zu einfach. „Man will ja keine leichte Beute sein.“

Außerdem kann man so abklopfen, wie vertrauenswürdig die Stimme ist, sagt Bianca Biwer von der Hilfsorganisation Weißer Ring. Denn bei einem Blind Date weiß man schlussendlich nie, mit wem man es wirklich zu tun hat. „Das erste Treffen sollte unbedingt an einem neutralen und öffentlichen Ort stattfinden.“ Eine gute Idee ist es, einen Freund in der Nähe vorher über das Date zu informieren. Der kann zwischendurch per Telefon nachhaken, wie es läuft und im Notfall vorbeikommen.


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