Das vernetzte Badezimmer: Pillen-Alarm und Mails im Spiegel
(dpa/tmn) - Dusche, Toilette, Waschbecken - fertig ist das Badezimmer? Das Bad von heute kann viel mehr. Es vereint Hygiene und Entspannung, ist ein Raum der Regeneration mit Wohlfühlcharakter. Doch nicht nur das: Das neue Badezimmer denkt mit. Die Dusche merkt sich die Lieblingswassertemperatur, Lautsprecher erinnern ans Rasieren, über Bildschirme im Spiegel lassen sich Staumeldungen abrufen.
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Im Smart Home, dem intelligent vernetzten Zuhause, ist das keine Zukunftsvision mehr. Die Digitalisierung des Badezimmers steht in direktem Zusammenhang mit dem demografischen Wandel. Schließlich ist es neben dem Schlafzimmer der intimste Raum der Wohnung, in dem man sich im Alter so lang wie möglich autonom bewegen möchte.
Die höhenverstellbare Toilette ist schon vergleichsweise weit verbreitet. Doch auch das WC hat sich weiterentwickelt. Der Toilettensitz hebt und senkt sich automatisch. Auch das Dusch-WC, eine aus Japan stammende Kombination aus WC und Bidet mit automatisierter Reinigung des Intimbereichs, findet Anhänger. Sogar personenbezogene Vorlieben, etwa was Wärme und Intensität des Wasserstrahls betrifft, können bei einigen Modellen gespeichert und per Knopfdruck abgerufen werden. Es gibt sogar Modelle mit Geruchsfilter, der schlechten Geruch direkt in der Toilette absaugt und ein integriertes Nachtlicht zur Orientierung hat.
Berührungsfreie Zone
Im Badezimmer 2.0 muss man sich nicht mehr über die Wanne beugen, um an den Wasserhahn zu gelangen. Die per Knopfdruck bedienbaren Armaturen können bequem an der Vorderseite der Wanne platziert werden. Und statt die Dusche mit einem Hebel zu regulieren, gibt es Modelle mit Knopf am Duschkopf, mit dem sich der Wasserstrahl an- und abschalten und die Intensität steuern lässt. Ein neuartiges Absperrventil macht das möglich.
Die berührungslose Sensorik-Technik, wie man sie bereits von öffentlichen Toiletten kennt, macht sogar den Knopfdruck überflüssig: Die Badezimmertür öffnet sich selbstständig und das Licht schaltet sich ein. Das Dusch-WC funktioniert von selbst. Anschließend tritt man an das Waschbecken und muss die Hände nur unter den Hahn halten. Man kann den Raum wieder verlassen, ohne etwas berührt zu haben.
Wieder andere Innovationen erhöhen den Sicherheitsfaktor: Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung in Stuttgart hat zum Beispiel Sensoren entwickelt, die sich unter den Fliesen befinden und ein Alarmsignal abgeben, wenn jemand stürzt. Das kommt natürlich allein lebenden Senioren entgegen.
Flexibel und digital
Aber die Entwicklungen gelten nicht nur ihnen - Bäder, die von Familienmitgliedern aller Altersklassen gut genutzt werden können, sind ein Trend. Das Mehrgenerationenbad passt sich an denjenigen an, der es gerade benutzt - egal ob es die Großmutter ist, der Vater oder das Kind. Neben höhenverstellbaren WCs und Waschtischen gibt es per Knopfdruck nach vorne neigbare Spiegel, in denen sich auch Kinder sehen können.
Manche neuen Sanitärobjekte erlauben es sogar, die Vorlieben jedes Familienmitglieds einzeln abzuspeichern - Duschen etwa. Wassertemperaturen, Lichtstimmungen und Musik-Play-Lists können festgelegt werden. Per Knopfdruck oder Touch-Display wird das gewünschte Programm angewählt. Es können sogar verschiedene Szenarien für morgens, abends und das Wochenende zusammengestellt werden.
Einige Smart-Home-Technologien ermöglichen mittlerweile den Start des Duschprogramms auch per Zuruf. Die Haustechnik hilft auch im Alltag: Über Durchsagen wird an die Einnahme von Medikamenten erinnert oder ans Zähneputzen. Möglich ist das auch mittels beleuchteter Piktogramme im Spiegel. Über Touchscreens im Glas können Wetterdaten oder E-Mails abgerufen werden.
Wohlfühllicht und kalter Guss
Neben der Digitalisierung ist die Gesundheitsvorsorge der zweite große Trend. Das betrifft etwa die Beleuchtung. Sogenannte zirkadiane Lichtszenarien unterstützen den Biorhythmus: Am Morgen ist der Blaulichtanteil höher, um wach zu machen. Abends lässt ein höherer Anteil Rotlicht ermüden. Es gibt sogar Duschen, die den Blutdruck erkennen und das passende Duschszenario spielen. Wenn man Pech hat, bekommt man dann einen kalten Guss ab, der aber den Kreislauf ankurbelt.
Technische Raffinessen wie diese werden wir in den kommenden Jahren zuhauf sehen. Die Vernetzung der Sanitärobjekte untereinander wird ein immer größeres Thema werden - per Kabel oder Funk. Schlau ist eine Hausautomatik aber nur dann, wenn sie meinen persönlichen Alltag erleichtert statt alles zu können, was möglich ist.
Zehn Knöpfe drücken zu müssen, ist am Ende auch nicht mehr komfortabel. Daher ist es natürlich wichtig, die Steuerungssysteme auszuwählen, die zu den eigenen Ritualen passen.