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Das Netflix für Autofahrer
Lifestyle 2 5 Min. 08.10.2021
Lynk & Co

Das Netflix für Autofahrer

Eher zurückhaltend in Sachen Farbgebung: Der Link & Co 01 ist lediglich in Blau oder Schwarz erhältlich.
Lynk & Co

Das Netflix für Autofahrer

Eher zurückhaltend in Sachen Farbgebung: Der Link & Co 01 ist lediglich in Blau oder Schwarz erhältlich.
Foto: Lynk & Co
Lifestyle 2 5 Min. 08.10.2021
Lynk & Co

Das Netflix für Autofahrer

Michael JUCHMES
Michael JUCHMES
Wie die chinesisch-schwedische Marke Lynk & Co mit einem ungewöhnlichen Konzept Europa - und auch Luxemburg - erobern will.

Die Münzstraße in Berlin-Mitte ist eine der angesagtesten Adressen der Stadt. Hier treffen Touristen beim Einkaufsbummel auf Teenager, die in einem Second-Hand-Shop auf die Suche nach neuen oder längst vergessenen Trends gehen, in den Nebengassen treffen beim Lunch Start-up-Mitarbeiter auf kreative Agentur-Köpfe. Auch die Volksbühne, eines der wichtigsten Theater der Millionenmetropole, ist lediglich einen Katzensprung entfernt.

Zwischen COS-Store und Vintage-Laden findet sich seit Kurzem auch eine Adresse, die zumindest auf den ersten Blick perfekt ins Ambiente zu passen scheint: Mode und Deko-Objekte von lokalen Designern auf zwei Etagen, dazu eine Bar, an der – was sich später von selbst erklärt – nur Nichtalkoholisches ausgeschenkt wird, einige Sitzplätze, ähnlich einem Coworking-Space, und genug Raum für Events und Konzerte. Im Hinterzimmer dann etwas, das wohl keiner erwartet hätte: ein Kompakt-SUV.

Der Club, so nennt er sich, ist mehr als ein Concept-Store: Er ist auch ein Autohaus, zumindest im übertragenen Sinne. Die chinesisch-schwedische Marke Lynk & Co (Mutterkonzern: Geely) hat sich in prominenter Lage – wie zuvor schon unter anderem in Amsterdam und Antwerpen – eine Location gesichert, die Treffpunkt sein soll. Für kreative Köpfe ... und Fahrer des Lynk & Co 01, des ersten Autos der Marke auf europäischem Boden.

Mieten statt kaufen

Besitzer kann man diese nicht unbedingt nennen, denn auch wenn man das Hybrid- beziehungsweise Plug-in-Hybrid-Fahrzeug kaufen kann: Die Firma möchte vor allem als eine Art „Netflix für Autofahrer“ auftreten und dabei noch flexibler als die Konkurrenz aus dem Leasing-Bereich sein. Jeder kann den Kompakt-SUV mieten – monatlich, für nicht ganz günstige 500 Euro. Ein Auto für November und Dezember, danach zwei Monate Pause und weiter geht's mit dem Vertrag ... alles kein Problem. Und ungenutzt rumstehen muss der Wagen auch nicht: Wer will, kann sein Fahrzeug an andere vermieten – und den Preis selbst festlegen. Das gilt im Übrigen auch für Käufer des Wagens.

Im Inneren des Fahrzeugs steckt ein Dreizylinder-Turbo-Benziner mit 180 PS, der von einem E-Motor mit 82 PS unterstützt wird. Laut Fachpresse teilt sich der Wagen die Technik mit der hausinternen Konkurrenz: dem Volvo XC40 Recharge Plug-in. Lynk & Co möchte dies aber nicht bestätigen. Immerhin: Die Volvo-Händler dienen als „Service-Station“, falls dann doch mal etwas anfällt.

Was wir herausgefunden haben, ist, dass die Gleichstellung auch ausschlaggebend für das Wachstum und die Produktivität des Unternehmens ist.

Unternehmenssprecherin Telma Negreiros.

Der Durchschnittsverbrauch (WLTP) wird mit 1,2 Litern angegeben. Auf der Testfahrt der Redaktion durch Berlin wurde dieser nicht überboten: Bei einer Maximalgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern lag der Verbrauch bei 0,0 – denn der Wagen musste nicht auf den Verbrennermotor zurückgreifen. Das lag wohl auch am Fahrmodus „Pure“, der bei ausreichendem Batterievorrat rein elektrischen Antrieb garantiert. 

Die Höchstgeschwindigkeit soll 210 Stundenkilometer betragen – was natürlich in der deutschen Hauptstadt nicht überprüft werden kann. Insgesamt hinterlässt der Wagen bei der Probefahrt einen guten Eindruck: Beschleunigt mit Kraft dort, wo man ein wenig Gas geben darf, rollt sanft über die Straßen, ganz problemlos. Einziger Nachteil: die Größe, vor allem wenn es bei der Parkplatzsuche enger zugeht.

Die Lynk-&-Co-Clubs – hier die Berliner Location – dienen zugleich als Bar, Concept-Store und Autohaus.
Die Lynk-&-Co-Clubs – hier die Berliner Location – dienen zugleich als Bar, Concept-Store und Autohaus.
Foto: Lynk & Co

In Sachen Ausstattung haben Kunde oder Kundin keine große Auswahl – denn fast alles ist enthalten, vom Spurwechselassistenten bis hin zum halbautomatischen Parken. Der Innenraum ist großzügig gestaltet, die Displays liefern alle notwendigen Informationen, die Sitze sind bequem, die Verarbeitung auf den ersten Blick überzeugend. Medial ist der Link & Co 01 ebenfalls auf der Höhe der Zeit. Etwas seltsam mutet lediglich die App an, die es ermöglicht, Fotos von sich oder dem Verkehr vor einem zu machen. Big Brother is watching you ...

Gleichstellung als Ziel

Das Unternehmen, das sich eher als Mobilitäts- denn als Automarke sieht, will vor allem eines, wie bei der Pressevorstellung betont wird: anders sein. Viele Mitarbeiter hätten nicht einmal einen Führerschein, heißt es. Und Frauen sollen hier in Zukunft keine Nebenrolle mehr spielen: Bis Ende 2023 soll das Geschlechterverhältnis ausgeglichen sein. Auch aus wirtschaftlichen Gründen. „Was wir herausgefunden haben, ist, dass die Gleichstellung auch ausschlaggebend für das Wachstum und die Produktivität des Unternehmens ist“, so Unternehmenssprecherin Telma Negreiros. „Wenn wir Leute zurückhalten, dann können wir uns als Branche nie nach vorne bewegen.“


Elektrisch durch die City
Der bayrische Automobilhersteller BMW lässt Plug-in-Hybridfahrzeuge automatisch mit Elektroantrieb durch Luxemburg-Stadt fahren.

Zielgruppe sind dementsprechend nicht die klassischen Autofahrer, wie Negreiros betont. „Wir bieten eine Mobilitätslösung für Konsumenten, die etwas Neues probieren wollen.“ Man will daher nicht möglichst viele Wagen auf die Straße bringen, sondern die Fahrzeuge „so nachhaltig wie möglich nutzen“. Auf die Lancierung eines reinen Elektrofahrzeugs habe man aber vorerst noch verzichtet, da die Ladeinfrastruktur nahezu überall nicht ausgereift sei. Man hoffe aber, so die Unternehmenssprecherin, in zwei oder drei Jahren auch das erste E-Auto auf den Markt bringen zu können.

Bisher scheinen die Ziele nicht zu hoch gesteckt zu sein: Wie Lynk & Co mitteilt, habe man bis September schon 25.000 „Mitglieder“ gewinnen können. Weit mehr als doppelt so viele wie anfangs geplant. Für 2021 hatte man sich ursprünglich die Marke von 9.000 als Ziel gesetzt. Als Nächstes werde man Clubs in Frankreich, Italien und Spanien eröffnen. Luxemburgische Lynk-&-Co-Fahrer müssen vorerst ohne Club auskommen – aber noch ist die Expansion ja nicht abgeschlossen. 

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