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Das digitale Klassenzimmer
Lifestyle 2 4 Min. 10.04.2020 Aus unserem online-Archiv

Das digitale Klassenzimmer

Lehrerin Marina Wallner aus Wien mit einem der Initiatoren vom „Woop Klassenzimmer“, Thomas Kunze vom Games Institut Austria.

Das digitale Klassenzimmer

Lehrerin Marina Wallner aus Wien mit einem der Initiatoren vom „Woop Klassenzimmer“, Thomas Kunze vom Games Institut Austria.
Foto: Games Institute Austria
Lifestyle 2 4 Min. 10.04.2020 Aus unserem online-Archiv

Das digitale Klassenzimmer

Im „Woop Klassenzimmer“ auf Youtube und Co. werden Kunst-, Coding- und Alltagsthemen unterrichtet. Auch Luxemburger Lehrer sind mit von der Partie.

von Jessika Maria Rauch 

Die Schulen sind im Zuge der Pandemiekrise geschlossen, aber der Unterricht geht weiter. Lehrerinnen und Lehrer haben Unterrichtsmaterialien für ihre Klassen entwickelt und weitergeleitet, einige halten Onlinekurse ab. Sie sind aber vor allem auch auf die Kooperation der Eltern respektive die Disziplin der Schülerinnen und Schüler angewiesen. Jetzt sind Osterferien, doch zu Familienfesten oder in den Urlaub kann es wohl kaum gehen, also was tun, damit den Kids die Decke nicht auf den Kopf fällt?

Ein lehrreiches Angebot für die freie Zeit, mit dem Lernen inhaltlich und medial Spaß machen kann wäre eine Idee – und genau das haben haben die Macher des Internet-Kanals WoopTV und digital affine Lehrerinnen und Lehrer aus Luxemburg, Deutschland, Österreich und der Schweiz umgesetzt. Sie versuchen nun, die Schüler zu Hause zum Lernen noch besser zu motivieren. 

Gleich Mitte März haben sie sich zusammengetan und das „Woop Klassenzimmer“ ins Leben gerufen. Hier streamen sie von montags bis freitags live über Youtube teils bekannte, teils neue Fächer. Stundenpläne und Unterrichtsmaterialien werden online zur Verfügung gestellt, die Sendungen sind im Anschluss per Video „on demand“ abrufbar. Während der Sendung von jeweils 9 bis 13 Uhr können die Zuschauer kommentieren und Fragen stellen.

Der Luxemburger Lehrer Andy Arendt (r.) ist auch mit dabei.
Der Luxemburger Lehrer Andy Arendt (r.) ist auch mit dabei.
Foto: Games Institut Austria

Fakten und Fun für die Generation Z

Viele Jugendliche vergnügen sich digital, etwa auf Gaming-Plattformen oder mit Live-Streaming-Anbietern wie Twitch.tv oder sind auf Youtube unterwegs. Millionen junger Menschen kommen hier täglich online zusammen und spielen, chatten, kochen. Youtube gilt als größte Videoplattform weltweit, zweitgrößte Suchmaschine nach Google und bringt regelrechte „Stars“ hervor, denen die Generation Z (Geburtsjahrgänge zwischen 1997 und 2012) treu folgt. 

Im März bei Twitch.tv gestartet, wird „Woop Klassenzimmer“ seit vergangenem Montag per Livestream auf Youtube übertragen, was die zeitgleiche Übertragung im Free TV rechtlich ermöglicht. In Österreich läuft die Sendung zusätzlich im privatrechtlichen Kanal Okto TV.

Ziel der Pädagogen und Medienexperten um die Begründer Thomas Kunze vom Games Institut Austria und Thomas Geißler von WoopTV aus Österreich war es, ein interaktives Format zu entwickeln, das vom Publikum gerne genutzt wird und außerdem dazu einlädt, aktiv am Stream mitzuwirken. Inhaltlich sollte es nicht nur um die herkömmlichen Fächer gehen, sondern auch um alltagsnahe Themen wie Müllentsorgung, Energiegewinnung, auch das Corona-Virus steht zuweilen auf dem Stundenplan. Das Format und seine Inhalte richten sich an Schülerinnen und Schüler im Alter von zehn bis 15 Jahren.

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

„Diese Online-Plattformen und ihre Nutzung sind allgegenwärtig in der Alltagsrealität der Jugendlichen. Live-Streams und Video-on-Demand sind für einen Online-Unterricht hervorragend geeignet und bieten einen niederschwelligen Einstieg für die Zielgruppe. Viele der Möglichkeiten, die im traditionellen Unterricht genutzt werden können, können auch über solche Plattformen zum Einsatz kommen“, sagt Thomas Kunze.

Innovativer Ansatz überzeugte

Von der innovativen Idee war auch der Luxemburger Andy Arendt, der neben seinem Landsmann Michel Delleré Projektmitglied ist, schnell überzeugt. „Die Initiatoren haben mir ihr Konzept vorgelegt und mich sofort mit der Idee eines interaktiven Schulstreams begeistert. Da ich aktuell ein berufsbegleitendes Studium als Medienspielpädagoge mache, selbst ein Fan von Computerspielen bin und in meinem Unterricht digitale sowie analoge Spiele und digitale Medien einsetze, war für mich sofort klar, dass ich an diesem Projekt teilnehmen möchte“, sagt Andy Arendt.

Die Nutzung digitaler Medien und die Vermittlung zeitgemäßer Inhalte sind für den 35-Jährigen nichts Neues. „Ich persönlich tue dies schon seit einigen Jahren. Ich denke, dass sich durch die aktuelle Situation viele Lehrerinnen und Lehrer intensiver mit den digitalen Medien auseinandergesetzt haben und ein Großteil dies auch weiterhin so handhaben wird. Es ist ja auch nicht so, dass dies vorher niemand getan hätte, es findet aktuell nur mehr Beachtung.“ 

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Andy Arendt unterrichtet in Mersch, er vermittelt den Kids zum Beispiel theoretisches und praktisches Wissen über Computer, Stop-Motion-Filme und veranstaltet auch schon mal eine Schnitzeljagd mit QR-Codes.

Sinnvolle Ferienbeschäftigung

Im „Woop Klassenzimmer“ stellt er abwechselnd mit den anderen Profs jede Woche in deutscher Sprache unterschiedliche Inhalte vor, die einem großen Thema zugeordnet werden können, etwa die „moderne Gesellschaft“.


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„Mit Hilfe von Quizzen, Wortwolken, digitalen Spielen und dem Chat werden Themen wie Automatisierung, Städtebau, aber auch aktuelle Nachrichten gemeinsam mit den Lernenden erarbeitet“, so Arendt. „Auch bei uns gibt es Hausaufgaben, damit sich die Schülerinnen und Schüler mit dem Gelernten weiter auseinandersetzen können. Diese sind jedoch auf freiwilliger Basis. Alle Unterlagen sind online verfügbar und mit Links zu weiteren Quellen versehen. Ein Vorteil des Streams ist, dass jede Einheit am Tag darauf als komplettes Video auf Youtube zu finden ist.“

Aktuell lockt das Live-Streaming bis zu 50 Zuschauer an, hinzu kommen seit Montag – zumindest in Österreich – die Zuschauer von Okto TV. Ob die Ferienzeit dazu beiträgt, die Begeisterung zu steigern? Eine sinnvollere Beschäftigung, als „nur“ Computerspielen nachzugehen, wäre es zweifelsohne. „Ich glaube, dass unser Stream auch für Pädagoginnen und Pädagogen, die sich weiterbilden oder einfach mitmachen wollen, interessant ist“, sagt Andy Arendt.

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