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Das antike Erbe von Kos
In jedem kleinen Hafen liegen etliche Fischerboote.

Das antike Erbe von Kos

Forto: Heidrun Lange
In jedem kleinen Hafen liegen etliche Fischerboote.
Lifestyle 4 Min. 14.06.2019

Das antike Erbe von Kos

Reise in die Vergangenheit: Auf den Spuren von Hippokrates, der auf der griechischen Insel Kos geboren wurde.

von Heidrun Lange 

Der wolkenlose Himmel verspricht einen schönen sonnigen Tag. 23 Grad zeigt das Thermometer am Morgen und es weht eine leichte Brise. Es riecht nach Salz und frisch gegrilltem Fisch. Auf der Terrasse des „The Fish House“ von Kos-Stadt sitzen die ersten Besucher, trinken Tee und Kaffee und warten auf den frisch zubereiteten Fang. Am Horizont zeigen sich die Berge der Türkei im morgendlichen Dunst. Fischerboote liegen dicht aneinandergereiht im Hafen.

Im beschaulichen Hafen der Stadt Kos warten die Ausflugsboote auf die Touristen.
Im beschaulichen Hafen der Stadt Kos warten die Ausflugsboote auf die Touristen.
Foto: Heidrun Lange

Von hier kann man Ausflüge auf andere Inseln Griechenlands oder in die türkische Hafenstadt Bodrum buchen. Hinter der Uferpromenade liegt die Altstadt. Die mächtige Johanniterburg Neratzia mit Türmen, Bastionen und Zinnen, die um 1450 errichtet wurde, wacht über das Geschehen auf dem Markplatz.

Direkt am Eingang steht die Platane des Hippokrates, die einer Sage gemäß mehr als 2 000 Jahre alt sein soll. Unter dem alten Baum soll der „Vater der Medizin“, der um 460 v. Chr. auf Kos geboren wurde, seine Schüler unterrichtet haben. Er gab Ernährungstipps und lehrte, wie die Selbstheilungskräfte gestärkt werden können. Nach seinem Tod wurde ihm zu Ehren das Asklepion errichtet. Ein Kurort und Krankenhaus. Die Kranken pilgerten zu der Stätte und nahmen kilometerlange Fußmärsche in Kauf, um von ihren Krankheiten geheilt zu werden.

Zu den Attraktionen der Insel zählt das Asklepion, dessen Überreste noch heute zu sehen sind.
Zu den Attraktionen der Insel zählt das Asklepion, dessen Überreste noch heute zu sehen sind.
Foto: Shutterstock

Operationen mit antikem Besteck

Heute wandert der Besucher auf dem Heiligtum, das sich über drei Terrassen erstreckt, die mit einer großen Freitreppe aus Marmor miteinander verbunden sind. Die Ruinen von Tempelanlagen, riesigem Sanatorium, Bädern und Untersuchungsräumen erzählen von der großen Vergangenheit. Entdeckt wurde die Anlage vom deutsche Archäologen Rudolf Herzog im Jahr 1902, nachdem dieser Hinweisen des einheimischen Historikers Iakovos Zaraftis nachgegangen war.


Kap Sounion
Die Aura des Tempel-Dreiecks
Mit Geometrie muss man nichts am Hut haben. Und somit das Dreieck zwischen Athen, Ägina und Sounion auch nicht sehen. Aber es gibt der Geschichte und dem Griechenland-Besuch einen Rahmen, in dessen Grenzen es viel zu entdecken gibt – Antikes wie Modernes.

1902 begann man mit den archäologischen Ausgrabungen. Sie dauerten zwei Jahre und brachten Tempel, Trophäen und Inschriften ans Licht. „Hier wurde nach Hippokrates' Erkenntnissen Heilkunst betrieben. Dieser Ort war gleichermaßen Heiligtum für über 500 Personen“, erklärt der Fremdenführer am Fuße der Terrassen. Er erzählt von den blutigen Operationen, die vor über 2 000 Jahren bereits durchgeführt wurden. Hinter dem großen Tempel fand man eine Treppe die zum Zypressen- und Pinienwald führt. Sport wurde bereits damals als Therapie verordnet.

Genuss mit Gipfelblick

Fährt man weiter über die Insel, kommt man an kleinen Dörfern vorbei. Auf alle Fälle lohnt sich ein kurzer Stopp im Bergdorf Pyli. Die ehemalige Festung, die heute nur noch eine Ruine ist, gibt einen Einblick in das unterirdische Tunnelsystem. An zwei Kapellen sind Überreste von Wandmalereien aus dem elften Jahrhundert zu sehen. Die Straßen werden enger und kurviger. Es geht vorbei an Margeritenfeldern, an Zypressen, Oliven- und Mandelbäumen.

Dahinter erhebt sich das Bergmassiv Dikeos und links liegt tief unten das Meer im gleißenden Mittagslicht. Und plötzlich ist man im Bergdorf Zia. In dem höchstgelegenen Ort leben 150 Einwohner. Die kleinen weißen Häuser mit blauen Türen und Fenstern leuchten in der Sonne und werden von den Gipfeln des Gebirges eingerahmt. Direkt am Dorfeingang von Zia ist die von Weinreben umrankte Taverne „Oromedon“. Der Chefkoch des Hauses preist das Gericht des Tages an: gefüllte Weinblätter mit einer Reismischung als eine der vielen Vorspeisen. Dazu Lamm mit weißem Bohnenpüree und viel Gemüse.

Neu entflammte Liebe

Hier oben soll der schönste Fleck der Insel sein – und die Einheimischen bestätigen: Tagsüber sei es der Anblick des Berges und abends der Sonnenuntergang. „Deswegen schickt man die Leute zu uns“, ist sich Nicos, der Besitzer der Taverne, sicher. Denn das „Oromedon“ hat auf mehreren Ebenen Dachterrassen, von denen man einen großartigen Ausblick auf die Insel und über das Meer hat. Jeden Abend füllt sich der Restaurantgarten in kurzer Zeit mit Gästen, die sich vom Naturspektakel faszinieren lassen.

Das Bergdörfchen Zia erwartet den Wanderer mit bunter Kulisse.
Das Bergdörfchen Zia erwartet den Wanderer mit bunter Kulisse.
Foto: Shutterstock

Ein Wanderweg von Zia führt zum Berg Dikeos. Ohne Wanderschuhe sollte man sich nicht auf den Weg machen. Denn es geht manchmal auf Ziegenwegen über Gestein und Disteln. Die Urlauber haben ihre Liebe zu Griechenland wiederentdeckt. Das Wasser ist klar und türkisblau, der Sandstrand breit. In den späten Nachmittagsstunden ist es dort fast menschenleer. Hat sich immer noch nicht herumgesprochen, wie schön es hier ist? 


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