Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Darum ploppt der Champagnerkorken
Lifestyle 3 Min. 30.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Darum ploppt der Champagnerkorken

In Deckung! Der Korken von Champagner ploppt mit Geschwindigkeiten von bis zu 60 Kilometern pro Stunde in Richtung Decke.

Darum ploppt der Champagnerkorken

In Deckung! Der Korken von Champagner ploppt mit Geschwindigkeiten von bis zu 60 Kilometern pro Stunde in Richtung Decke.
Foto: Shutterstock
Lifestyle 3 Min. 30.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Darum ploppt der Champagnerkorken

Christian SATORIUS
Christian SATORIUS
Mit Höchstgeschwindigkeit gegen die Decke: Wissenschaftler schauten zu Forschungszwecken tief in die Flasche.

In der Silvesternacht sollten man die tief fliegenden Crémant- und Champagnerkorken nicht gänzlich aus den Augen verlieren, denn sonst kann es schnell mal passieren, dass man sie länger im Auge behält, als es einem lieb sein kann. Doch was treibt die Korken auf ihrem Flug durch die Silvesternacht an und vor allem: Wie schnell können sie dabei eigentlich werden? Französische Wissenschaftler wollten das ganz genau wissen und ließen im Dienste der Forschung die Korken knallen, um diese dabei genauestens mit Hightech-Instrumenten zu vermessen. Die Ergebnisse sind prickelnder als so mancher Schaumwein, denn jetzt weiß man ganz genau, warum sich frühere Kellermeister mit Eisenmasken vor umherschießenden Verschlüssen und explodierenden Champagnerflaschen geschützt haben.

Mit Hochgeschwindigkeitskamera

Um den fliegenden Korken auf die Kohlendioxidspur zu kommen, setzten Gérard Liger-Belair und sein Team von der französischen Universität Reims unter anderem eine Hochgeschwindigkeitskamera ein, die in der Lage ist, 100 Bilder pro Sekunde aufzunehmen. Zu Beginn ihrer Studie schauten die Forscher erst einmal tief in die Flasche, um zu sehen, welche Kräfte dort überhaupt wirken und woher diese kommen. "Rein chemisch betrachtet", erläutert Gérard Liger-Belair, "ist Champagner ein multikomponentes hydroalkoholisches System, das mit gelöstem Kohlendioxid übersättigt ist, welches sich während der zweiten Fermentation gebildet hat." Mit anderen Worten: Um Champagner herzustellen, werden die geernteten Trauben zu Most gepresst und dieser dann in einem "erste Fermentation" genannten Prozess durch alkoholische Gärung zu Wein vergoren.

Der Wein wird anschließend zusammen mit Zucker und Hefe in Flaschen gefüllt, in denen sich dann die zweite Gärung vollziehen kann, die sogenannte "zweite Fermentation". Hierbei entstehen in einer handelsüblichen Dreiviertelliterflasche etwa neun Gramm Kohlendioxid, was einem Volumen von rund fünf Litern des Gases entspricht, haben die Forscher festgestellt.

So kann sich in der Champagnerflasche ein Druck von 6 bar und mehr aufbauen, so viel wie in einem LKW-Reifen. Im Vergleich dazu ist der Druck, der in einer durchschnittlichen Sektflasche herrscht, nur etwa halb so groß. Kein Wunder also, dass Champagnerflaschen aus besonders dickem Glas bestehen und auch die Korken mit einem stabilen Drahtgestell gesichert sind. "Ein Teil des Kohlendioxidgases befindet sich im Flaschenhals", sagt Liger-Belair, "der Rest ist durch den hohen Druck in der Flüssigkeit gelöst." Dieses Kohlendioxidgas wird im allgemeinen Sprachgebrauch auch einfach Kohlensäure genannt.


Wie Restaurants zu ihren „Guide Michelin“-Sternen kommen
Einen Stern für das „eigene“ Restaurant einheimsen, das möchten viele Küchenchefinnen und -chefs. Warum das Glück auch nur auf Zeit sein kann.

Spannend wird die Untersuchung der Forscher nun natürlich vor allem dadurch, dass sie die Korken fliegen ließen, also die Flaschen öffneten. Die Hochgeschwindigkeitsaufnahmen brachten an den Tag, dass der Korken einer Dreiviertelliterflasche Champagner, die vier Grad Celsius kalt ist – was einem Druck von etwas über 4 bar im Inneren entspricht –, mit durchschnittlich etwa 38 km/h durch die Luft schießt. Ist der Champagner nur ein paar Grad wärmer, nämlich zwölf Grad Celsius, erhöht sich der Druck in der Flasche auf rund 6 bar, was den Korken etwa 10 km/h schneller werden lässt. Noch einmal um einiges schneller ist der Korken, wenn die Temperatur in der Flasche einen noch größeren Druck erzeugt: In einer 18 Grad warmen Champagnerflasche herrscht schon ein Druck von beinahe 7,5 bar, der den Korken mit bis zu 60 km/h durch die Luft fliegen lässt.

Energie raubender Plopp

Interessant ist aber auch das Resümee der Forscher. "Wir fanden heraus, dass nur ein geringer Teil der insgesamt zur Verfügung stehenden Energie in die Bewegung des Korkens investiert wird", so Forschungsleiter Gérard Liger-Belair, "der mit 95 Prozent überaus größte Teil lässt anscheinend das laute Peng-Geräusch beim Öffnen der Flasche entstehen – und zwar temperaturunabhängig."

Aber ist bei 60 km/h eigentlich Schluss? Friedrich Balck, emeritierter Physikprofessor der Universität Clausthal-Zellerfeld, geht aufgrund seiner Studien an Sektkorken davon aus, dass bis zu 100 km/h durchaus möglich sind – vorausgesetzt die Flasche hat zuvor in der Sonne gestanden und wurde zusätzlich noch ordentlich geschüttelt.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Wenn die Milch nicht von der Kuh kommt
Hafer, Dinkel, Reis oder Cashew: Pflanzliche Milch-Alternativen sind im Trend. Aber können sie die Kuhmilch wirklich ersetzen? Experten geben Tipps, wie das am besten kappt.
ILLUSTRATION - Zum Themendienst-Bericht von Amelie Breitenhuber vom 30. Oktober 2019: Pflanzendrinks aus Nüssen, Hafer oder Lupinenkernen sind im Trend: Je nach Sorte unterscheidet sich auch der Geschmack der Milchalternativen. Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++
Schwedische Küche ist allererste Sahne
Schweden kochen am liebsten mit dem, was Wälder, Seen und Felder so hergeben. Aber egal, wie kompliziert oder einfach sie Fisch, Hack und Wild zubereiten - Kräuter müssen rein, und cremig muss alles sein.
Zum Themendienst-Bericht von Claudia Wittke-Gaida vom 16. Oktober 2019: Es folgt der Hauptgang aus Reh-Filet mit gebratenen Kartoffeln und in Sahne gekochten Pilzen. Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++