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Dappin-App: Begleitung gesucht
Freizeitpartner per Smartphone-App: Das soll Dappin möglich machen.

Dappin-App: Begleitung gesucht

Foto: Shutterstock
Freizeitpartner per Smartphone-App: Das soll Dappin möglich machen.
Lifestyle 4 Min. 17.05.2019

Dappin-App: Begleitung gesucht

Nathalie RODEN
Nathalie RODEN
Für Sport und andere Aktivitäten - die Luxemburger „Social Dating“-App Dappin soll Unternehmungslustige zusammenführen

Jacques-Félix Wirtz aus Junglinster stand nach getaner Arbeit schon oft alleine da. Als Fremder in einer unbekannten Stadt, die zu Ausbildungszwecken vorübergehend zu seiner Wahlheimat geworden war – sei es London oder New York – vermisste der ehemalige Student der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften im Laufe der vergangenen Jahre häufig einen motivierten Squashpartner, um sich nach Feierabend auszupowern.

Auf der Suche nach einer Lösung im Internet, stellte der heutige Berater schließlich fest, dass es keine wirklich zufriedenstellende Plattform für sein Bedürfnis nach einem gleich gesinnten Begleiter gab. „Natürlich gibt es Angebote wie Meetup, aber das ist eher auf größere Gruppen zugeschnitten. Und bei Angeboten, die auf Aktivitäten zu zweit abzielen, ist schnell der Übergang zum Dating da, was aber nicht meiner Absicht entsprach.“ Die Entwicklung einer speziell auf „Social Dating“ zugeschnittenen App erschien dem Luxemburger da nur logisch.

Mittlerweile sind vier Jahre vergangen, und es hat sich einiges getan. Ende dieses Monats soll Wirtz' App namens Dappin an den Start gehen. „Mit Dappin kann man seine gewünschten Aktivitäten per kurzer Videonachricht anpreisen und so hoffentlich einen passenden Begleiter finden“, erklärt der 31-Jährige. Die Bandbreite der App, die zeitgleich im Großherzogtum und seinen Nachbarländern lanciert wird, reicht von sportlichen Begegnungen wie Tennismatches oder Wandern über Museums- und Kinobesuche bis hin zum Brettspieltreff oder Kochabend. Sogar Verabredungen zu Reisen seien möglich, erklärt Wirtz.

Jacques-Félix Wirtz will mit seiner App einander Fremden gemeinsame Freizeitaktivitäten ermöglichen.
Jacques-Félix Wirtz will mit seiner App einander Fremden gemeinsame Freizeitaktivitäten ermöglichen.
Foto: Guy Jallay

Auf Umwegen zum Erfolg

Dass die App tatsächlich einmal Realität werden wird, war zu Beginn allerdings alles andere als klar. Als der Berater im November 2017 gemeinsam mit seinem Partner, dem heute 27-jährigen Loïc Ambroise, einem ehemaligen Kommilitonen aus Frankreich, sein Konzept in der Luxemburger Unternehmensgründersendung „Success Story“ vorstellte, war die Jury nur wenig begeistert. „Es fällt letztendlich immer wieder ins Dating zurück“ und „Ich sehe nicht, was der Mehrwert zu Apps wie Tinder sein soll“, urteilten die Kritiker. Eine Einschätzung, die zumindest teilweise gerechtfertigt war, meint Wirtz rückblickend. Dass sich unter App-Nutzern hin und wieder auch Beziehungen amouröser Natur ergeben könnten, schließt der App-Gründer jedenfalls nicht aus.

Beim Sortieren der Angebote durch ein „Swipen“ nach links oder rechts, fühlt man sich als Nutzer denn auch tatsächlich an Datingplattformen wie Tinder erinnert. Dieser Mechanismus entspreche im Prinzip aber bloß den Nutzungsgewohnheiten junger Social-Media-Nutzer. „Man kann auch liiert sein und trotzdem auf der Suche nach einem Begleiter für eine bestimmte Ausstellung sein“, ist sich Wirtz sicher.

Hinter den Kulissen verwandelte sich die TV-Schlappe dann aber doch noch in einen Glückstreffer. „Ein anderer Teilnehmer vermittelte uns den Kontakt zu seinen Entwicklern, mit denen wir dann auch unsere App, die damals nur aus digitalen Skizzen bestand, zum Leben erwecken konnten.“ Und auch ein Investor war vom Konzept begeistert.


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Mut zum Video

Aus dem ursprünglichen Namen „Be Brave“ wurde schließlich „Dappin“. „Das klingt nicht so nach Überwindung, als wenn man jemanden auffordert: ,Na los, trau dich was!‘“, erklärt Wirtz. „Dappin kann man sich leicht merken und kommt peppig rüber. Das Wort gibt es zwar nicht direkt, aber im ,Urban Dictionary‘ findet sich ein Eintrag, wonach der Begriff für den meistmöglichen Spaß steht, den man haben kann, ohne berauscht zu sein.“

Das Videoformat als initialen Kommunikationsweg haben Wirtz und Ambroise derweil gewählt, weil das zum einen unter jungen Social-Media-Nutzern dank Plattformen wie Snapchat oder TikTok immer selbstverständlicher wird. Zum anderen zwinge das Format den Nutzer, ein echtes, authentisches und aktuelles Bild von sich selbst zu liefern. Denn nichts sei manchmal enttäuschender, als wenn plötzlich eine komplett fremde oder um 20 Jahre ältere Person vor einem steht. Die Zielgruppe liegt laut Gründer bei Nutzern zwischen 18 und 25 Jahren. Aber auch User bis 35 Jahre – oder älter – schließe man selbstverständlich nicht aus. Hier zählt man vor allem auf Geschäftsreisende und Expats, die nach ihrem Zuzug ins Großherzogtum noch keine oder kaum Kontakte in ihrer neuen Heimat gefunden haben.

Per Video preist man sein Vorhaben an oder bekundet Interesse.
Per Video preist man sein Vorhaben an oder bekundet Interesse.
Screenshot: Dappin

Sicherheitsbedenken müsse man derweil keine hegen. Der Berater, der sich beruflich auf Datenschutz spezialisiert hat, verspricht, dass sorgsam mit den persönlichen Daten umgegangen wird. „Sie können jederzeit eingesehen und gelöscht werden, und wenn jemand sein Konto löscht, wird bis auf das anonymisierte Geschlecht und die Alterssparte nichts zurückbehalten.“

Kürzlich haben die Unternehmer zudem ein Sicherheitssystem für den Fall fragwürdiger Angebote implementieren lassen – auch wenn es dadurch zu einem unversehenen Aufschub der Markteinführung gekommen ist. Auslöser hierfür war das Attentat in Christchurch, bei dem der Amokläufer seine Tat auf Social Media veröffentlichte. Um zu verhindern, dass sich User künftig via Dappin zu Straftaten verabreden, werden Videos, die von mindestens zwei Nutzern gemeldet werden, blockiert, bis sie eine Kontrolle durch einen der Administratoren durchlaufen haben.

Geld werden Wirtz und Ambroise zunächst noch nicht mit ihrer App verdienen. Aber die Hoffnung, dass sich ihre Anstrengungen mittel- bis langfristig zu einem lukrativen Geschäft entwickeln, ist da. „Wobei die App selbst kostenlos bleiben wird“, verspricht der Luxemburger. „Wir werden aber hoffentlich bald einige Deals mit Restaurantbetreibern und weiteren Freizeitanbietern abschließen. Außerdem wollen wir demnächst jenen Nutzern, die bereit sind, eine kleine Gebühr zu zahlen, Sonderfunktionen anbieten.“ Etwa, dass man unter einer Vielzahl an Videos prioritär gelistet wird.


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