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Chinas Männer und das Make-up
Lifestyle 1 3 Min. 07.10.2018

Chinas Männer und das Make-up

Die Beauty-Beiträge von Influencer Jiang Cheng haben Tausende junge Chinesen inspiriert.

Chinas Männer und das Make-up

Die Beauty-Beiträge von Influencer Jiang Cheng haben Tausende junge Chinesen inspiriert.
Foto: AFP
Lifestyle 1 3 Min. 07.10.2018

Chinas Männer und das Make-up

Lippenstift und Gesichtspuder sind nur etwas für Frauen? Nicht so im modernen China.

von Felix Lee (Peking)

Einen Lippenstift speziell für Männer führen die meisten Pekinger Kosmetikgeschäfte zwar nicht, doch es gebe ihn, sagt Mo Fei und verweist auf seinen Onlineshop „Chetti Rouge“. Auch Lidschatten, Make-up und spezielle Hautcreme, die herbe Männerhaut weicher und geschmeidiger machen soll, führt der Online-Unternehmer. „Männerkosmetik im Laden zu kaufen ist vielen Männern in China nach wie vor peinlich“, so Fei. Im Netz hingegen floriere das Geschäft.

Kosmetik speziell für Männer gibt es in etlichen anderen Ländern. Doch in kaum einem ist es derzeit unter zumeist jungen Männern so angesagt, die Augen mit Kajalstift zu betonen oder rosa Lippenstift und Schminke zu tragen. Mo Fei führt das auf die vielen Selfies zurück, die in den sozialen Netzwerken herumgeschickt werden. „Männer wollen auf den Bildern eben auch hübsch aussehen“, sagt er. Als „Jingzhunan“ – männliche Luxusschweine – bezeichnen sich die geschminkten Männer selbstironisch. Sie sehen sich als Kontrast zum traditionellen Männerideal – dem Macho.


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Den Trend ins Leben gerufen hat vor drei Jahren Jiang Cheng aus Peking. Der damalige Student hatte Abdeckcreme aufgetragen, um Pickel und andere Hautunreinheiten zu kaschieren. Als er sich im Spiegel ansah, gefiel er sich. Die Erfahrungen, die Jiang mit Make-up machte, wollte er mit anderen teilen. Er filmte mit seinem Smartphone, wie er sich Cremes und Puder auftrug und ging damit über einen Livestreaming-Kanal auf Sendung. Tausende schauten ihm dabei zu. Männer hätten ihre eigene Art, Kosmetik aufzutragen, erläutert Jiang in einer seiner Sendungen. „Wir müssen die Grundierung viel intensiver in die Haut einreiben als Frauen“, so sein Tipp. Erst das mache die Haut weich.

Viele Follower und viel Zuspruch

Der inzwischen 24-Jährige ist heute in der Kosmetikbranche ein angesagter Influencer. Mehrmals in der Woche geht Jiang in einem eigens eingerichteten Kosmetikstudio auf Sendung und probiert live neue Cremes und Puder aus. Zuschauer können die von ihm getesteten Produkte online bestellen. Wie viel genau der Beauty-Blogger von den Firmen erhält, gibt er nicht preis.

Und er ist nicht der einzige. Hunderte Männer lassen sich derzeit regelmäßig beim Schminken filmen. In der ostchinesischen Stadt Hangzhou hat sich der Influencer Xu Tao einen Namen gemacht. Eigenen Angaben zufolge gibt er im Jahr umgerechnet mehr als 4 000 Euro für Kosmetik aus. Eine halbe Stunde am Tag verbringe er vor dem Spiegel, um sich hübsch zu machen.

Es ist ein lukratives Geschäft für die Kosmetikbranche. Das Marktforschungsinstitut Euromonitor rechnet damit, dass in den nächsten fünf Jahren der Markt für Männer-Kosmetik in der Volksrepublik China um mehr als 15 Prozent wachsen wird. Die Branche hat international längst reagiert. Zig chinesische Hersteller vermelden Rekordabsätze bei Produkten nur für Männer.

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Männlichkeitsverlust befürchtet

Und auch chinesischen Promis gefällt es, Schminke ganz selbstbewusst zur Schau zu tragen. Der chinesische Sänger Zhu Zhengting etwa zeigt sich seinen Fans in den sozialen Medien regelmäßig mit rosa Lippenstift und Kajal. Sein Auftreten hat eine Kontroverse in den chinesischen Staatsmedien ausgelöst.

Nachdem Zhu in einer Bildungsserie speziell für Teenager im chinesischen Staatsfernsehen CCTV zur Hauptsendezeit geschminkt zu sehen war, empörte sich die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua, Zhu sei ein schlechtes Vorbild und schrieb von den „neuen Sissis“, die nicht dem chinesischen Männlichkeitsideal entsprächen. Von „Niang Pao“, der „Feminisierung des Mannes“, ist die Rede. Zhu würde mit seiner Schminke die jungen Menschen in ihrer Identitätsfindung verunsichern.

Die „Volkszeitung“, Chinas wichtigste Staatszeitung, hält jedoch dagegen. Der Kommentator lehnt die Kategorisierung in „nicht männlich“ und „nicht weiblich“ ab. Das sei überholt und die heutige Gesellschaft vielfältiger geworden. Und überhaupt: Sei es nicht schön, „wenn in China auch die Männer mehr auf ihr Äußeres achten würden“. Diesen Kommentar schrieb allerdings eine Frau.


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