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China: Alles ein paar Nummern größer
Lifestyle 5 Min. 26.09.2019 Aus unserem online-Archiv

China: Alles ein paar Nummern größer

Der Huacheng-Tempel am für Buddhisten heiligen Berg Jiuhua bei Chizhou ist nur über 450 schweißtreibende Stufen zu erreichen.

China: Alles ein paar Nummern größer

Der Huacheng-Tempel am für Buddhisten heiligen Berg Jiuhua bei Chizhou ist nur über 450 schweißtreibende Stufen zu erreichen.
Foto: Marc Willière
Lifestyle 5 Min. 26.09.2019 Aus unserem online-Archiv

China: Alles ein paar Nummern größer

Unterwegs im Reich der Mitte: Die Leserreise mit Cruisopolis und Phoenix Reisen führte die Passagiere zu wichtigen Symbolen der Macht.

Von Marc Willière

China ist ein riesiges Land. Dem entsprechen auch seine Symbole von Macht und Stärke. Sie alle fallen einige Nummern größer aus als anderswo. Daran hat sich im Verlauf von 2 500 Jahren Geschichte nichts geändert. Gigantische Prestigebauten prägen unvermindert das Reich der Mitte.

Den chinesischen Größenwahn von einst und heute haben 56 Leser von „Luxemburger Wort“ und „Télécran“ während einer 15-tägigen Rundreise mit den Kreuzfahrtspezialisten Cruisopolis und Phoenix Reisen hautnah erlebt. Zu Wasser und zu Land wurden sie immer wieder ins Staunen versetzt. Aus China bringen sie vielfältige Eindrücke mit – beschwerlichen Wegen und hohen Temperaturen zum Trotz. Fast 2 400 Kilometer legen die Kreuzfahrer allein auf dem Jangtse zurück. Allein sind sie dabei aber nie: Ameisenähnlich hintereinander flussaufwärts und -abwärts fahrende Frachtschiffe säumen beständig ihren Weg. Nachts sind sie nur an ihren Positionslichtern und Motorengeräuschen auszumachen.

Auf halber Strecke ihrer zweiwöchigen China-Rundreise stellen sich die „Langnasen“ aus Luxemburg dem Fotografen auf dem Sonnendeck der MS Century Sky.
Auf halber Strecke ihrer zweiwöchigen China-Rundreise stellen sich die „Langnasen“ aus Luxemburg dem Fotografen auf dem Sonnendeck der MS Century Sky.
Foto: Marc Willière

Nicht weniger als zehn Mal unterbrechen die Passagiere der MS Century Sky ihre Flussreise von Shanghai bis Chongqing, um historische Stätten und moderne Metropolen zu besuchen – und um mehr über die Menschen mit ihrer Geschichte und ihren Traditionen zu erfahren. Beeindruckende Schluchten und einsame Landschaften ziehen dazwischen an ihnen vorbei. Weniger attraktive Streckenabschnitte werden nachts kurzerhand verschlafen.

China baut und baut: Davon zeugen monotone Hochhäuser, die allenthalben in Rekordzeit hochgezogen werden. Aber auch an Prestigeobjekten mangelt es nicht. Ein herausragendes Beispiel ist der Finanzdistrikt Pudong in Shanghai. Wo noch vor 30 Jahren Bauern Reis anbauten, haben sich inzwischen Architekten austoben können. Die nachts in allen möglichen Farben erstrahlende Silhouette ist eine weltbekannte Augenweide. Mit seinen 632 Metern ist der Shanghai Tower der höchste Wolkenkratzer Chinas. Die Zehn-Millionen-Metropole Wuhan ist aber dabei, der Sonderwirtschaftszone mit einem um drei Meter höheren Gebäude den Rang abzulaufen.


72 heures à Bangkok
Une destination dingue et fumante pour routards tout-terrain. Premières impressions: dans la capitale thaïlandaise, tout pétarade, tout fume, tout grouille.

Mit der Drei-Schluchten-Talsperre indes nimmt China eine Sonderstellung ein. Für das weltgrößte Staudammprojekt werden elf Millionen Tonnen Beton und 2,56 Millionen Tonnen Stahl verbaut. Über die Kosten kursieren bis heute unterschiedliche Angaben: Inoffiziell ist von 75 Milliarden US-Dollar die Rede. Mit 1,32 Millionen ist die Zahl der umgesiedelten Menschen hingegen unumstritten.

Der wachsende Strombedarf des Landes – 26 Turbinen produzieren zusammen 22 400 Megawatt Strom – war aber nur einer der Beweggründe für den Bau des Damms. Er bannte zudem die Hochwassergefahr am Jangtse. Fünf Schleusen überbrücken insgesamt 113 Meter, wofür bis zu vier Stunden benötigt werden. Schneller, aber auch teurer ist das weltgrößte Hebewerk, das Schiffe den Höhenunterschied in nur 40 Minuten bewältigen lässt.

Die gigantische Technik während der Passage der großen Schleusen zu erleben, ist ebenso beeindruckend wie die Schluchten vor und hinter dem Damm. Wohl sind die Täler längst nicht mehr so eng und die Felswände nicht mehr so schroff wie noch vor der Flutung. Einen guten Eindruck des einstigen Panoramas vermittelt jedoch der Abstecher mit kleinen Ausflugsbooten auf den Nebenfluss Shennv.

Ein Fahrrad für ein Weltwunder

Zeichen der Macht sind in China indes keine moderne Erscheinung. Auch in früheren Zeiten prägten sie bereits das Land. Der Kaiserkanal, auf den die Kreuzfahrer in Yangzhou einen kurzen Blick werfen können, ist mit einer Länge von mehr als 1 800 Kilometern die längste von Menschen geschaffene Wasserstraße der Welt. Die Verbindung von Peking zum Mündungsgebiet des Jangtse aus dem siebten Jahrhundert ist heute noch immer teilweise in Betrieb.

Zum achten Weltwunder, wie die Terrakotta-Armee des ersten chinesischen Kaisers auch gerne genannt wird, müssen die Kreuzfahrer weitere 900 Kilometer zurücklegen – dieses Mal allerdings im Flugzeug von Chongqing nach Xian. An der Grabstätte von Qin Shihuangdi bauten 700 000 Zwangsarbeiter 36 Jahre lang.

Terrakotta-Armee: Über 7 000 Tonsoldaten begleiteten Kaiser Qin Shihuangdi nach seinem Tod ins Jenseits.
Terrakotta-Armee: Über 7 000 Tonsoldaten begleiteten Kaiser Qin Shihuangdi nach seinem Tod ins Jenseits.
Foto: Marc Willière

Die 7 278 lebensgroßen Tonsoldaten, die ihn nach seinem Tod beschützen sollten, verdanken ihre Entdeckung im Jahr 1974 einem Zufall. Ein Bauer fand sie beim Bohren nach Wasser. Als Belohnung schenkte die Regierung ihm ein Fahrrad. Mehrere zehntausend Besucher bestaunen heute täglich die Fuß- und Reitsoldaten mit ihren Pferden, Kriegswagen und Waffen. Großes Gedränge muss in der Gruft in Kauf genommen werden, es lohnt sich aber.

Unvorstellbare Dimensionen

Nicht komplett wäre eine China-Reise ohne wenigstens ein paar Stufen der Großen Mauer erklommen zu haben. Dafür müssen nochmals 1 200 Kilometer von Xian bis nach Peking zurückgelegt werden – zum Glück ist der Zug mit 300 Stundenkilometern und somit nur etwas mehr als fünf Stunden unterwegs. Das kleine Teilstück in Juyongguan, das die Gäste aus Luxemburg nur bestaunen oder aber je nach Kondition auch erklimmen, lässt die Dimension des ausgeklügelten Schutzsystems gegen nomadische Reitervölker nur erahnen. Neuesten Vermessungen zufolge schlängelt sich die antike Wehranlage auf etwa 21 000 Kilometer über raues Land und steile Berge.

Eindrucksvoll: Grimmige Bronzelöwen bewachen den Eingang zur Verbotenen Stadt in Peking.
Eindrucksvoll: Grimmige Bronzelöwen bewachen den Eingang zur Verbotenen Stadt in Peking.
Foto: Marc Willière

Was der einfachen Bevölkerung einst untersagt war, können Besucher aus aller Welt heute in vollen Zügen genießen: Die weitläufige Palastanlage der Verbotenen Stadt, wo bis zur Revolution 1911 die chinesischen Kaiser der Dynastien Ming und Qing lebten und regierten, gilt als ein Machtsymbol, aber auch als ein Meisterwerk der chinesischen Architektur. Auch in den Altstädten von Yangzhou oder Chongqing mit ihrem touristisch geprägten Angebot suchen die Reisenden aus Luxemburg vergebens nach Ruhe und Beschaulichkeit.

Dass China mit seinen 1,4 Milliarden Einwohnern zum bevölkerungsreichsten Land der Erde zählt, lassen zudem die geschätzten Parkanlagen wie der Yu-Garten in Shanghai oder der Schlanke Westsee in Yangzhou erahnen: Oasen der Ruhe sind sie ebenso wenig wie der heilige Berg Jiuhua mit dem Huacheng-Tempel bei Chizhou oder die zwölfstöckige Pagode, die sich in Shibaozhai an einen Felsen lehnt.

Noch viel mehr haben die Teilnehmer an der Leserkreuzfahrt von Cruisopolis, „Luxemburger Wort“ und „Télécran“ gesehen und dabei China als ein anderes Land erfahren. Seine Entdeckung hat sich gelohnt und bleibt in guter Erinnerung. Schon wieder vergessen sind die unumgänglichen Strapazen. 

Die MS Century Sky verfügt über 153 Kabinen.
Die MS Century Sky verfügt über 153 Kabinen.
Foto. Marc Willière

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