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Cabrio zum Pferde stehlen

Cabrio zum Pferde stehlen

Cabrio zum Pferde stehlen

Cabrio zum Pferde stehlen


von Claude FEYEREISEN/ 18.10.2020

Nach Jahren der Abwesenheit in dieser automobilen Gattung hat VW mit dem T-Roc Cabrio wieder ein offenes Auto im Programm. Und begründet damit eine neue Nische. Testfahrt mit dem 1.5 TSI in R-Line-Ausführung.

Ja, VW ist nicht die erste Marke, die ein SUV aufschneidet und zum Cabrio umwandelt. Das hat Range Rover vor Jahren bereits dem Evoque der ersten Generation angetan … und keinen Nachfolger aufgelegt. 

VW aber steigt mit dieser Idee in einem anderen Segment ein, nämlich jenem der sogenannten kompakten SUVs, gewissermaßen die Golf-Klasse mit Höherlegung. Hier hat sich bislang kein Hersteller mit einem Cabrio versucht. 

Selbstbewusst in die Nische

Die Chancen, dass der offene T-Roc ein Nischenerfolg wird, stehen dabei nicht einmal schlecht. Zum einen erinnert die Form - bei geschlossenem Verdeck und von schräg hinten betrachtet – durchaus an den einstigen Bestseller in Gestalt des Golf I Cabriolet, verzichtet aber glücklicherweise auf dessen unschönen Bügel. Zum anderen ist der T-Roc, wie schon sein Urahn, ein vollwertiger Viersitzer. 

Das VW T-Roc Cabrio ist ein vollwertiger Viersitzer, auch bei geschlossenem Verdeck.
Das VW T-Roc Cabrio ist ein vollwertiger Viersitzer, auch bei geschlossenem Verdeck.
Foto: Pierre Matgé

Der bequeme Zustieg in den Fond mit ausreichend Kopffreiheit, das wintertaugliche Verdeck sowie die umklappbare Rückenlehne und der mindestens 284 Liter große Kofferraum machen den offenen T-Roc zum uneingeschränkt nutzbaren Alltagsauto. Einzig das Verstauen der Einkäufe durch die bauartbedingte kleine Luke am Heck ist beschwerlich.

Mehr Cruiser als Racer

Wenn, wie im Testauto verbaut, unter der Haube der 1,5-Liter-Turbobenziner mit 150 PS für Vortrieb sorgt, ist für ausreichend Schub gesorgt. In Verbindung mit der Sieben-Gang-DSG-Box spurtet der offene T-Roc in 9,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h, als Höchstgeschwindigkeit geben die Wolfsburger 205 km/h an – ein respektabler Wert für das 1540 kg schwere SUV, dessen Selbstverständnis eher in Richtung eines Cruisers geht, obwohl es mit dem R-Line-Paket und den 19-Zoll-Rädern durchaus sportlich daherkommt.

Als veritabler Cruiser entpuppte sich der T-Roc denn auch bei den ausgedehnten Testfahrten. Entscheidenden Anteil daran hatten die adaptiven Stoßdämpfer, die den offenen Wagen in Normal-Stellung regelrecht dahingleiten lassen. Unruhe ins Gebälk bringt lediglich hie und da ein Schlagloch vom Format eines tatsächlichen „Nid de poule“ – auf Luxemburger Straßen allerdings eher selten vorzufinden. 

Ergonomische Meisterleistung: Im VW T-Roc Cabrio dürfte jeder eine  angemessene Sitzposition finden.
Ergonomische Meisterleistung: Im VW T-Roc Cabrio dürfte jeder eine angemessene Sitzposition finden.
Foto: Pierre Matgé

Keine 19 Zöller ohne adaptives Fahrwerk

Ohne diese intelligente Regelung würde das Fahrwerk wohl nur wenig Komfort bieten. Nicht umsonst ist die 19-Zoll-Niederquerschnittsbereifung im Konfigurator an die adaptiven Dämpfer gekoppelt. Natürlich bietet das Dynamic Chassis Control auch den Sport-Modus, doch animiert der bügellose Erdbeerkörbchen-Erbe so gar nicht zur sportlichen Kurvenhatz.

Die zügige Autobahnfahrt liegt ihm da schon eher, gerne auch mit geöffnetem Verdeck. Die Aerodynamiker haben ganze Arbeit geleistet, selbst bei den maximal zulässigen 130 km/h auf der heimischen Autobahn wird Fahrer und Beifahrer kein Härchen gekrümmt – und das ohne Windschott.  Einzig eine leichte Brise weht durch das Cockpit. Auf den Rücksitzen hingegen, wie bei allen viersitzigen Cabrios, tobt ab 50 km/h ein Sturm, der sich parallel zur Geschwindigkeit zu einem Orkan steigern lässt.

In geschlossenem Zustand ist das T-Roc Cabrio seinen Blechdach-Brüdern fast ebenbürtig. Das dreilagige Verdeck schirmt die Insassen derart gut von der Außenwelt ab, dass man sich die Frage stellt, warum es immer noch Hersteller gibt, die an aufwändigen Stahl-Faltdach-Konstruktionen festhalten. Zusammen mit der hohen Gürtellinie vermittelt es genau jenes Trutzburg-ähnliche Gefühl von Geborgenheit, das die blecherne Konkurrenz so nicht bieten kann.

Neun-Elf

Bedient wird das Verdeck des T-Roc natürlich elektrisch. Das Öffnungsprozedere dauert lediglich neun Sekunden, der Schließprozess ist auch mit elf Sekunden immer noch bequem  während einer Rotphase durchzuführen. Auch an die Ungeduldigen hat VW gedacht: Bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h kann das Verdeck während der Fahrt bedient werden.

Das Heck des offenen VW T-Roc ist recht klobig geraten: ein Tribut an die SUV-Gene.
Das Heck des offenen VW T-Roc ist recht klobig geraten: ein Tribut an die SUV-Gene.
Foto: Pierre Matgé

So viel Durchdachtheit und Perfektion haben natürlich ihren Preis: Der Basistarif des T-Roc Cabrio R-Line 1.5 TSI DSG7 beträgt 39460 Euro, allerdings summiert sich der Gesamtpreis des Testfahrzeugs auf stattliche 48267 Euro, da es mit zahlreichen aufpreispflichtigen Zusatzausstattungen versehen war, darunter solch sinnvolle wie das schlüssellose Zugangssystem, das Windschott, die vollelektronische Klimaanlage Climatronic, das Soundsystem, die 19-Zoll-Räder in Verbindung mit dem adaptiven Fahrwerk, diverse Fahr- und Einparkhilfen, das Navigationssystem Discover Media und die Lederausstattung Vienna.

Ob die abnehmbare Anhängerkupplung bei einem schön anzusehenden Cabriolet wirklich Sinn macht, muss am Ende jeder Käufer für sich entscheiden. Aufseiten von VW wollte man damit wohl untermauern, dass das T-Roc Cabriolet mit 1700 kg Anhängelast wirklich ein Kumpel zum Pferde stehlen ist. Neue Nische oblige! 

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