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Bye-bye Großbritannien
Sollten die Roaming-Gebühren für Mobiltelefonate durch den EU-Austritt wieder kostspielig werden, könnte die gute alte Telefonzelle erneut an Charme gewinnen – sofern sie noch funktioniert.

Bye-bye Großbritannien

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Sollten die Roaming-Gebühren für Mobiltelefonate durch den EU-Austritt wieder kostspielig werden, könnte die gute alte Telefonzelle erneut an Charme gewinnen – sofern sie noch funktioniert.
Lifestyle 3 Min. 24.12.2018

Bye-bye Großbritannien

Wenn am 29. März 2019 die Briten die EU verlassen, dann stellen sich für Britannien-Urlauber einige wichtige Fragen, denn auch sie werden die Folgen zu spüren bekommen.

Drohen strengere Einreiseregeln?

Keine Angst, mit dem offiziellen Austritt aus der Europäischen Gemeinschaft machen die Briten nicht alle Schotten dicht. Da das Vereinigte Königreich nie zum Schengen-Raum gehörte, gab es von jeher für EU-Bürger bei der Einreise Passkontrollen. Personalausweis oder Reisepass – beides wird weiterhin akzeptiert. Auch nach der Übergangszeit Ende 2021 ist nicht damit zu rechnen, dass Visa von Urlaubern aus der EU verlangt werden. Stattdessen könnte alles auf eine Lösung wie beispielsweise beim Nicht-EU-Mitglied Schweiz hinauslaufen: EU-Bürger dürfen sich bis zu 90 Tage im Land visumfrei aufhalten.

Wird der Urlaub dort preiswerter?

Einer der wenigen Vorteile wird das günstige Britische Pfund sein. Bereits unmittelbar nach dem Referendum für den Brexit am 23. Juni 2016 verlor es rund zehn Prozent an Wert. Mittlerweile hat es seit jenem schicksalhaften Datum um fast 25 Prozent nachgegeben. Darüber können sich Reisende freuen. Es gibt mehr Pfund Sterling für den Euro.

Aber jede Medaille hat zwei Seiten: Mit der Abwertung steigt im Land zugleich die Inflation, weil eingeführte Waren sich verteuern. Für Besucher bedeutet das: Reine Binnenprodukte – etwa landwirtschaftliche Erzeugnisse –, Eintrittsgelder und Dienstleistungen bleiben vorerst günstig.

Steigen die Mobilfunkkosten?

Seit Sommer 2017 gibt es aufgrund einer EU-Regulierung keine Roaming-Gebühren mehr. Verlässt Großbritannien die EU-Gemeinschaft, dann muss es sich nicht mehr an diese Bestimmung halten. Die Tarife für Reisende auf der Insel könnten also deutlich steigen, weil die Handynetz-Provider dann wieder Roaming-Gebühren verlangen dürften. Realistisch ist allerdings, dass der EU-Roaming-Vertrag mit dem Vereinigten Königreich weiterhin besteht, da er nicht an die EU-Mitgliedschaft gekoppelt ist. Schon jetzt sind die Nicht-EU-Staaten Liechtenstein, Island und Norwegen Unterzeichner des Abkommens.

Kommt es zu Chaos im Flugverkehr?

„Von einer extrem ernsthaften Lage“ spricht Alexandre de Juniac, Geschäftsführer der internationalen Luftverkehrsvereinigung IATA, wenn er über die noch nicht gelösten Probleme im Flugverkehr nach dem Brexit spricht. Der Austritt bedeutet, dass alles – von den Pilotenlizenzen über die Sicherheitsbestimmungen bis zu den Flugstrecken – neu verhandelt werden muss, weil das Vereinigte Königreich dann ein Drittstaat ist.

Bis dato wurde der gesamte EU-Raum wie ein Land behandelt. Alle EU-Airlines hatten die gleichen Rechte und durften jedes Land innerhalb der Gemeinschaft anfliegen. Nur so ist es möglich, dass zum Beispiel die irische Ryanair Flüge von Luxemburg nach Barcelona oder Lissabon anbietet. Fluggesellschaften mit Sitz in Großbritannien und in mehrheitlich britischem Besitz bricht also nach dem Brexit der lukrative europäische Markt weg. Viele britische Unternehmen wie Easyjet, aber auch die englischen Flugtöchter der Reisekonzerne Thomas Cook und TUI müssen sich auf das Schlimmste gefasst machen. Easyjet hat bereits in Wien eine Tochterfirma gegründet, um ein europäisches Standbein zu haben – für alle Fälle.

Vermutlich wird es nach dem 29. März 2019 nicht zu einem Chaos am Himmel kommen. Vielmehr wird eine Übergangsphase die derzeitigen Flugbedingungen garantieren, bis alle Punkte geklärt sind. Idealerweise würde Britannien einfach die EU-Regeln und -Standards übernehmen.

Was ist mit den Fluggastrechten?

Nach dem EU-Austritt gelten die Fluggastrechte nicht mehr für Großbritannien. Das Land könnte verfügen, dass Airlines Passagiere auf britischen Flughäfen für lange Wartezeiten und Flugannullierungen nicht mehr entschädigen müssten.

Doch dieser Fall ist unwahrscheinlich. Wenn in weiteren Verhandlungen die Briten nicht einfach die gültigen EU-Fluggastrechte in nationales Recht umwandeln, dann bietet sich erneut das Schweizer Modell an, das auch Island und Norwegen anwenden. Das heißt, britische Fluggesellschaften hätten die gleichen Rechte und Pflichten wie die EU-Airlines.

Bleiben Urlauber krankenversichert?

Bei einem harten Brexit würden EU-Bürger keinen Versicherungsschutz mehr auf der Insel genießen. Die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) wäre ungültig. Würde es Verhandlungen über die Austrittsmodalitäten geben, dann bliebe erst einmal alles bis zu deren Klärung unverändert. Möglich wäre außerdem, dass Luxemburg mit Großbritannien ein Sozialversicherungsabkommen unterzeichnet, mit dem beide Staaten gegenseitig den Reisenden Versicherungsschutz gewähren. Wem die Lage zu unsicher ist, der schließt am besten eine Auslandsversicherung für die Dauer seiner Reise ab.


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