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Bruno Belamich: „Alle wollen die gleichen Uhren“
Lifestyle 3 Min. 16.09.2019

Bruno Belamich: „Alle wollen die gleichen Uhren“

Bruno Belamich, geboren und aufgewachsen in Paris, gründete 1994 das Unternehmen Bell & Ross zusammen mit seinem Kollegen Carlos Rosilli.

Bruno Belamich: „Alle wollen die gleichen Uhren“

Bruno Belamich, geboren und aufgewachsen in Paris, gründete 1994 das Unternehmen Bell & Ross zusammen mit seinem Kollegen Carlos Rosilli.
Foto: Bell & Ross
Lifestyle 3 Min. 16.09.2019

Bruno Belamich: „Alle wollen die gleichen Uhren“

Michael JUCHMES
Michael JUCHMES
Designer Bruno Belamich, Gründer der Uhrenmarke Bell & Ross, spricht im Interview über Smartwatches und die Tage ohne Zeitmesser am Handgelenk.

In einem Altbau in der Pariser Rue Copernic, nur wenige Steinwürfe vom Arc de Triomphe entfernt, ist die Schaltzentrale der Uhrenmarke Bell & Ross zu finden. Bruno Belamich, kreativer Kopf und einer der beiden Gründer des Unternehmens, hat es sich unter dem Dach gemütlich gemacht, um an neuen Entwürfen zu arbeiten. Für das „Luxemburger Wort“ öffnete er nicht nur seine Tür, sondern auch die Schublade mit den Prototypen des jüngst lancierten Uhrenmodells „BR05“.

Bruno Belamich, Bell & Ross feiert in diesem Jahr 25. Geburtstag? Wie hat sich der Uhrenmarkt in dieser Zeit gewandelt?

Damals, 1994, war es aufgrund der Entwicklung des Sektors und moderner Techniken möglich, eine neue Marke zu kreieren und eigene Uhren am Computer zu entwerfen – und das schneller und besser als zuvor. Heute kann das endlich jeder tun. Aufgrund der Sättigung des Markts ist es schwieriger, sich zu platzieren. Immer wichtiger werden daher das Image und die Story hinter der Marke sowie die Kreativität. Teilweise fehlt es den alten Marken an Innovationen.


Georges Weyer - Gründer Luxemburger Uhrenmarke LOX - Foto: Pierre Matgé/Luxemburger Wort
Luxus aus Luxemburg
Georges Weyer aus Bereldingen präsentiert Loxo - eine mechanische Armbanduhr für Puristen, die ganz seinem Geschmack entspricht.

Wohin führt denn derzeit der aktuelle Trend?

Gerade gibt es eine wahre Inflation in Sachen technische Neuerungen und Designvorschläge. Es wird immer mehr und mehr, jedes Jahr. Jede Marke will die beste Uhr mit dem tollsten Materialmix und dem allerbesten Uhrwerk herstellen.

Wie sieht es mit der Zielgruppe aus? Hat sich durch die neuen Märkte – etwa der Nahe Osten und Asien – einiges verändert?

Früher hatte jeder Markt seine eigenen Kriterien. Aber wenn man etwa nach China schaut, wollten dort früher der Vater und der Großvater eine klassische Uhr, die ein Leben lang hält und jetzt verkauft man Luxusuhren an alle überall auf der Welt. Für den Mann zwischen 30 und 40 Jahren ist das ein echtes Statussymbol. Die neuen Reichen sind sich überall ähnlich. Sie alle wollen die gleichen Jeans und die gleichen Uhren.

Im Trend liegen gerade vernetzte Uhren, sogenannte Smartwatches. Was halten Sie davon?

Ich glaube nicht, dass das wirklich etwas für Bell & Ross ist, denn wir können nicht mit Firmen wie Apple oder Samsung konkurrieren. Das ist einfach ein anderes Business. Es ist keine rationale Branche, wir gehen einfach anders heran. Unser Job ähnelt eher dem einer Filmproduktion als dem, was etwa Apple macht, es ist ein weitaus kreativerer Ansatz.

Sie selbst tragen gerade keine Uhr, warum?

Die meisten Menschen, die eine mechanische Uhr tragen, tun dies zum Spaß und für die Emotionen, die dies in ihnen auslöst. Wenn ich eine Bell & Ross trage – ich trage natürlich keine andere Marke (lacht) –, dann denke ich daran, wie ich an dieser Uhr gearbeitet habe und was ich noch hätte besser machen können. Ich bin nämlich nie zufrieden, das lässt mir einfach keine Ruhe. Was ich trage, sind Prototypen von Uhrenmodellen, aber nur im Büro – die Designs sind schließlich streng geheim.

Sie sagten einmal in einem Interview, dass die Leute derzeit „normale Uhren“ wollen, weg von den riesigen Modellen. Handeln Sie danach bei Ihren Designs?

Natürlich schaue ich auch auf das, was der Markt vorgibt. Aber an erster Stelle will ich eine trendbewusste Marke definieren, möchte anders sein und nicht das Gleiche vorschlagen wie einer der Mitbewerber. Eine kleine Marke muss einfach besser sein – und das mit einem geringeren finanziellen Handlungsspielraum. Die Aufgabe des Designers ist es, etwas Neues vorzuschlagen, das auch die Kunden attraktiv finden und zum Kaufen bewegt. Wer unbedingt eine Uhr braucht, kann sich auch eine Smartwatch kaufen. Natürlich basieren auch unsere Designs auf der Vorstellung einer Uhr – aber im Grunde verkaufen wir doch Schmuckstücke.

Die jüngst lancierte „BR05“ von Bell & Ross.
Die jüngst lancierte „BR05“ von Bell & Ross.
Foto: Hersteller

Das jüngst lancierte Modell „BR05“ (Foto) entfernt sich ein wenig von den bisherigen Modellen von Bell & Ross. Welche Idee steckt dahinter?

Vor einigen Jahren haben wir uns dazu entschlossen, ein neues Modell einzuführen, das eine Synthese aus den typischen Formen der Bell-&-Ross-Uhren mit quadratischen und runden Gehäusen darstellt. Das Schwierigste daran war, das Metallarmband perfekt mit dem Gehäuse zu verbinden. Als wir die Uhr dem gesamten Team präsentierten, haben wir sie mit Range Rover verglichen, mit der Entwicklung vom Defender zum Evoque. Der Mix aus unserer Uhr und der klassischen Uhr – quasi der SUV für den urbanen Kunden.

Die Uhr erinnert sehr an Modelle aus den 1970er-Jahren. Ist diese Anlehnung an frühere Designs bewusst gewählt?

Das 1970er-Jahre-Design war revolutionär. Die Idee, das Gehäuse mit dem Armband zu verbinden, stammt aus Japan. Natürlich denkt man, wenn man die „BR05“ sieht, zunächst daran. Wir wollten aber keine Neo-Retro-Uhr gestalten. Alles ist schon einmal gemacht worden – aber dieser Mix aus quadratischer und runder Form ist einmalig. 


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