Wählen Sie Ihre Nachrichten​

"Biohacking": So will ich sein
Die neuste Methode der Selbstoptimierung kommt aus den USA und nennt sich Biohacking.

"Biohacking": So will ich sein

Foto: Shutterstock
Die neuste Methode der Selbstoptimierung kommt aus den USA und nennt sich Biohacking.
Lifestyle 3 Min. 09.04.2019

"Biohacking": So will ich sein

Schöner, stärker, schlauer – Biohacking soll zum körperlichen und geistigen Optimum verhelfen. Die Mittel zum Erfolg heißen unter anderem Fitness und Ernährung.

von Kelly Niesen 

Mit Hackern verbindet man in der Regel etwas Negatives, geradezu Illegales. Sie drängen in Prozesse ein, in denen sie eigentlich nichts zu suchen haben, kontrollieren oder manipulieren sie. So oder so ähnlich funktioniert nun ein neuer Trend aus den USA, genauer gesagt aus dem Silicon Valley – wenig überraschend, schließlich gilt der kalifornische Standort als Mekka der High-Tech-Szene. „Gehackt“ werden hierfür allerdings nicht Computersysteme, sondern der eigene Körper. Die Methode verspricht, die Leistungsfähigkeit eines jeden Menschen um ein Vielfaches zu steigern, indem man seine eigene Biologie entschlüsselt. Gesünder, kräftiger, konzentrierter, besserer Schlaf, weniger Stress. Die Erfolgsformel für ein langes und glückliches Leben.

Vorreiter der Selbstoptimierung

Geprägt wurde der Begriff Biohacking von Dave Asprey, einem heute 45-jährigen US-amerikanischen Unternehmer, Silicon-Valley-Investor und IT-Experten. Er hat fünf Bücher über Selbstoptimierung geschrieben, darunter „Game Changers“ und „Head Strong“, und gilt als internationaler Lifestyle-Guru. Die meiste Zeit seines Lebens hatte Asprey mit Übergewicht zu kämpfen, und bei ihm wurden die verschiedensten Krankheiten diagnostiziert. Als die gängigen Diäten und das strikte Kalorienzählen nach Jahren keine Wirkung zeigten, entschied er sich, zu drastischeren Maßnahmen zu greifen und an sich selbst zu experimentieren.

Selbstoptimierer Dave Asprey, Gründer von The Bulletproof Executive, präsentiert sich gerne sportlich fit.
Selbstoptimierer Dave Asprey, Gründer von The Bulletproof Executive, präsentiert sich gerne sportlich fit.
Foto: Getty Images

Das Prinzip: seinen eigenen Körper und Geist mithilfe von Wissenschaft, Technologie und Natur so zu kontrollieren, dass man das Beste aus sich herausholt. Asprey gehört zu den äußerst devoten Biohackern und hat eigenen Aussagen zufolge bereits eine Summe von einer Million Dollar in seine mentale und physische Fitness gesteckt. 180 Jahre alt möchte er sogar werden. Biohacking sei „die Kunst, den Körper auseinanderzunehmen und ihn neu und verbessert wieder zusammenzusetzen“, meint er.


ILLUSTRATION - Zum Themendienst-Bericht von Julia Felicitas Allmann vom 20. März 2019: Nährstoffreiche Kalorienbomben: Energy Balls sind für den Körper besser als Schokopralinen. Unbegrenzt sollte man sie aber nicht naschen. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++
So gesund sind Gemüsechips und Energyballs
Angeblich gesunde Snacks und Süßigkeiten gibt es inzwischen reichlich. Experten sehen bei den Riegeln und Bällchen durchaus Vorteile gegenüber klassischen Keksen oder Schokoriegeln. Kalorien haben sie aber auch.

Fett statt Kohlenhydrate

Was als Erfahrungsblog im Netz begann, führte zu einer ganzheitlichen Lifestylemarke: Asprey gründete das Unternehmen The Bulletproof Executive. Das Bestsellerprodukt: ein Butterkaffee, angereichert mit Weidelandbutter und MCT-Öl, beispielsweise von der Kokosnuss. Das Getränk soll ein lange anhaltendes Sättigungsgefühl und Energie verleihen, dabei auch noch bei der Reduzierung von Körperfett helfen und gut fürs Gehirn sein. Wissenschaftlich bewiesen ist die Wirkung dieses gewöhnungsbedürftigen Koffeinboosters nicht. Dennoch gibt es einige Athleten und Ernährungsexperten, die darauf schwören.

Und dabei predigt man doch seit Jahrzehnten, dass fettreiche Kost schlecht für den Körper sei. Ist das also nur ein Mythos? Zur Biohacking-Methode gehört auch die immer beliebter werdende ketogene Diät – das Verzichten auf Kohlenhydrate und Zucker, ersetzt durch sehr viel Proteine und Fett. Der Körper wird in eine Art „Fastenstoffwechsel“ versetzt und gerät in den Zustand der Ketose. Dies bedeutet, dass der Körper anstelle von Zucker (aus Kohlenhydraten) das ihm verabreichte Fett als Energiequelle nutzt.

Eiseskälte soll Fett verbrennen

Um dies erfolgreich zu tun, setzen viele Anhänger der Praxis auch auf das Intervallfasten nach dem „16 zu 8“-Rhythmus: Acht Stunden am Tag darf man essen, 16 Stunden lang nicht. Dies soll eine gesunde Verdauung fördern und dem Körper die nötige Zeit geben, um sich zu regenerieren. Andere Praktiken sind etwa extreme Atemübungen, die den Körper mit Sauerstoff durchfluten, die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln – sogenannte „smart Drugs“ und Nootropika – oder auch die Anwendung von kalter Thermogenese in Form von Kryotherapie.

Bei dieser Behandlung begibt man sich für bis zu drei Minuten in eine Art Kältekammer, in der Temperaturen von bis zu -130 Grad Celcius herrschen. Was zunächst beängstigend frostig klingt, soll eine ganze Reihe von positiven Nebeneffekten mit sich bringen: Die Methode soll entzündungshemmend und konzentrationsfördernd wirken, einen Anti-Aging-Effekt haben, einen besseren Stoffwechseln anregen, Abwehrkräfte stärken und nebenbei ein echter Fett-burner sein. 300 bis stolze 800 Kalorien werden angeblich bei diesem Treatment verbrannt. Alternativ, jedoch in Bezug auf Fettverbrennung weniger effektiv, ist auch eine (sehr) kalte Dusche.

Allgemein betrachtet werden beim Biohacking fünf Aspekte abgedeckt: Fitness, Ernährung, Schlaf, Stressreduktion und Produktivität. Aus Berlin kommt derweil Braineffect, die erste deutsche Firma, die Performance-Food-Produkte herstellt. Je nach Beschwerde oder Bedarf gibt es Alltagshelfer in Form von Kapseln, Ölen oder Sprays. Zum Beispiel die „Recover CBD“-Tropfen zur Entspannung und Regeneration, ein mit Melatonin angereichertes Schlafspray, oder das aus 100 Prozent Caprylsäure bestehende „Rocket C8“-Öl für eine Extraportion Energie.

Laut dem Unternehmen arbeitet man eng mit Ärzten, Biochemikern und Ernährungswissenschaftlern zusammen, um die höchsten Qualitätsstandards und Wirksamkeit zu garantieren. Zum Übermenschen nach Aspreys Ambitionen wird man mit diesen Präparaten wohl nicht. Dennoch sind einige der „Hacks“ nachvollziehbar und alltagstauglich. Auch für diejenigen, die nicht 180 Jahre alt werden wollen. 


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Alternativen zum Wachmacher Kaffee
Kaffee als Energiekick ist fast schon langweilig. Der Handel wirbt mit Alternativen wie Energy Drinks und Guarana. Aber halten sie auch, was sie versprechen?
ILLUSTRATION - Zum Themendienst-Bericht von Bernadette Winter vom 27. März 2019: Der Klassiker unter den Aufputschmitteln: Kaffee macht wach - es gibt aber auch Alternativen. Foto: Kai Remmers/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++
Mythen rund ums Essen
Ist dunkles Brot gesünder als helles? Und darf man Spinat wirklich nicht aufwärmen? Welche Regeln sind längst überholt - und welche haben doch ihre Berechtigung?
ILLUSTRATION - Zum Themendienst-Bericht von Pauline Sickmann vom 9. Januar 2019: Nur Vollkorn ist gesund - aber nicht jedes dunkle Brötchen mit Körnern enthält auch tatsächlich Vollkorn. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++
So gesund ist die nordische Diät
Nach dem Mittelmeer kommt der Norden - und macht mit der nordischen Diät von sich reden. Anders als die mediterrane Kost setzt sie vorwiegend auf Lebensmittel, die im Norden wachsen.