Berühmter Starkoch : Paul Bocuse ist tot
Paul Bocuse galt weit über die Grenzen seines Heimatlandes hinaus als Ikone der verfeinerten Lebensart..

Berühmter Starkoch : Paul Bocuse ist tot

Foto: AFP
Paul Bocuse galt weit über die Grenzen seines Heimatlandes hinaus als Ikone der verfeinerten Lebensart..
Lifestyle 9 4 Min.20.01.2018

Berühmter Starkoch : Paul Bocuse ist tot

Pol Schock
Pol Schock

Er galt als „Papst der französischen Küche" und "Koch des Jahrhunderts": Nun ist Paul Bocuse im Alter von 91 Jahren gestorben. Köche aus aller Welt verneigen sich vor der Ikone - darunter auch Léa Linster.

(dpa/ps/mf) - Der französische Spitzenkoch Paul Bocuse ist tot. Er starb im Alter von 91 Jahren, wie der französische Innenminister Gérard Collomb am Samstag auf Twitter mitteilte. Der Politiker und Ex-Bürgermeister von Lyon schrieb auf dem Kurznachrichtendienst: „Paul Bocuse ist tot. Die Gastronomie trauert. Monsieur Paul war Frankreich. Einfachheit und Großzügigkeit. Vorzüglichkeit und die Kunst zu leben. Der Papst der Gastronomen hat uns verlassen.“ Bocuse stammt aus Collonges-au-Mont-d'Or in der Nähe von Lyon.

Zuvor hatten französische Medien den Tod unter Berufung auf Angehörige gemeldet. Bocuse galt als der „Papst der französischen Küche“, der Gastronomieführer „Gault&Millau“ nannte ihn „Koch des Jahrhunderts“. Sein Drei-Sterne-Tempel L’Auberge du Pont de Collonges bei Lyon galt als Pilgerort für Gourmets aus aller Welt: Paul Bocuse schlug in der französischen Spitzengastronomie so ziemlich alle Rekorde.

Der Spitzenkoch wurde weit über die Grenzen seines Heimatlandes hinaus zur Ikone der verfeinerten Lebensart mit exquisiten Speisen und Getränken. Bocuse gehörte zu den Vertretern der „Nouvelle Cuisine“, eine Bewegung damals junger Köche, die die französische Küche entstauben wollten. Einfache Zubereitung, frische Zutaten, Regionalität - das waren die Grundlinien.

„Bocuse est la France – et la France est Bocuse“

Die bekannte Sterneköchin Léa Linster, die 1989 als bis heute einzige Frau den renommierten Bocuse d'Or-Wettbewerb gewann, zeigt sich bestürzt über den Tod des Starkochs. "Er war mein zweiter Vater, mein Mentor." Sie habe äußerst viel von ihrem Ziehvater gelernt und verdanke ihm nahezu ihre ganze Karriere, so die Luxemburger Köchin, die gerade in Tokio unterwegs ist. 

"Die Trophäe ist das Wichtigste, das ich in meinem Leben bekommen habe. Sie ist das Zeichen für mein Wissen und mein Können", sagte die 58-Jährige bereits vor wenigen Jahren. Umso schlimmer wog der Einbruch in ihr Restaurant in Frisingen 2013: Ihre Bocuse d'Or-Trophäe wurde gestohlen

Als Bocuse 2016 seinen 90. Geburtstag feierte, war auch  Linster eingeladen. Mit dem Bonmot „Bocuse est la France – et la France est Bocuse“ habe einer der Redner den Altmeister der französischen Küche hoch leben lassen, so Linster damals. 

Die Trophäe ist das Wichtigste, das ich in meinem Leben bekommen habe. Sie ist das Zeichen für mein Wissen und mein Können.

Neben seiner Vorbildfunktion in der Küche habe ihr besonders das Credo gefallen, mit dem Bocuse seine Gäste zu verwöhnen wusste: „Paul Bocuse sagte einmal sinngemäß, dass man, wenn man Gäste zu sich kommen lässt, für deren Glück verantwortlich ist. Das hat mich sehr beeindruckt – und ich teile diese Ansicht. In einem Sternerestaurant muss die Küche erstklassig sein, aber auch der Service und das Ambiente. Ein Gast sollte das Restaurant immer etwas glücklicher verlassen, als er es betreten hat."

 "Er war mein zweiter Vater, mein Mentor." (Léa Linster)
"Er war mein zweiter Vater, mein Mentor." (Léa Linster)
Foto: Guy Jallay

Weltweite Ikone und Popstar

Paul Bocuse stieg zu einem Star in Zeiten auf, als Gastronomie noch kein Modethema war. „Paul Bocuse ist in den letzten 50 Jahren sicherlich in der Welt das Aushängeschild für Küchenkultur, für Hochküche und für Kulturprägung in der Küche“, resümierte einmal der deutsche Sterne-Koch Frank Rosin.

Seine Vorfahren hatten schon vor der Französischen Revolution eine Küchen-Dynastie begründet. 1941 fing er nach dem Schulabbruch als Küchenlehrling an. Später ging er zur Armee de Gaulles, nach einer Verwundung im Elsass tätowierten die Amerikaner ihm einen gallischen Hahn auf die Schulter. Nach Lehr- und Wanderjahren kehrte Bocuse in den Familienbetrieb „L'Auberge du Pont de Collonges“ zurück und begann seinen spektakulären Aufstieg.

Bocuse gehörte zu den Vertretern der „Nouvelle Cuisine“, einer Bewegung damals junger Köche, die die französische Küche entstauben wollten. Einfache Zubereitung, frische Zutaten, Regionalität - das waren die Grundlinien. „Ich mag identifizierbare Gerichte mit Knochen und Gräten“, lautete das Credo des Spitzenkochs, dessen Stammrestaurant seit 1965 drei Sterne des Guide Michelin führt.

"Inkarnation der französischen Küche" 

„Bocuse hat den Mut gehabt, aus seiner Küche zu kommen“, erzählte Jean-François Mesplède, früherer Chef des Michelin-Restaurantführers, dem Magazin „L'Express“.  Zum großen Restaurant gehört für Bocuse das Zelebrieren von Essen und Trinken, die perfekte Show.

So wurde er auch international zur Marke. Kochbücher, Champagner und Marmeladen werden mit seiner schwungvollen Unterschrift auf dem Etikett verkauft, und der internationale Koch-Wettbewerb „Bocuse d'Or“ trägt seinen Namen. Zu seinem Imperium gehören mehr als 20 Restaurants, eins davon in Walt Disney World in Florida und mehrere in Japan. Keineswegs nur Tempel der Haute Cuisine - zum Konzern gehören zahlreiche Brasserien, und bei „Ouest Express“ gibt es auch Burger „made by Bocuse“.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat  Paul Bocuse als „die Inkarnation der französischen Küche“ gewürdigt. „Sein Name steht in der französischen Küche für Großzügigkeit, für Respekt der Traditionen und auch für seinen Einfallsreichtum.“ Die französische Gastronomie verliere „eine mythische Figur, die sie in großer Form geprägt hat“, teilte er am Samstag mit. Alle Köche weinten um ihn, „im Elysée und in ganz Frankreich. Aber sie werden seine Arbeit fortsetzen.“

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