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Tipps für die Suche nach dem begehrten Harz am Urlaubsstrand
Lifestyle 4 Min. 22.07.2021
Bernstein finden und bestimmen

Tipps für die Suche nach dem begehrten Harz am Urlaubsstrand

Wer Bernstein findet, etwa an der Ostsee, wird sich wundern: Das uralte Harz ist weder glatt poliert noch vollkommen transparent, ähnelt eher einem Feuerstein oder einem Stück Glas.
Bernstein finden und bestimmen

Tipps für die Suche nach dem begehrten Harz am Urlaubsstrand

Wer Bernstein findet, etwa an der Ostsee, wird sich wundern: Das uralte Harz ist weder glatt poliert noch vollkommen transparent, ähnelt eher einem Feuerstein oder einem Stück Glas.
Foto: Shutterstock
Lifestyle 4 Min. 22.07.2021
Bernstein finden und bestimmen

Tipps für die Suche nach dem begehrten Harz am Urlaubsstrand

Wer am Strand entlangschlendert, kann mehr als nur Muscheln finden. Doch Bernstein gibt sich oft nicht sofort zu erkennen.

Von Christian Satorius

Jede neue Welle kann Bernstein anspülen, jeder neue Tag das ganz große Sammlerglück bedeuten – zumindest theoretisch, denn kaum ein Urlauber weiß, wie natürlicher Bernstein überhaupt aussieht, und so sind die meisten Strandspaziergänger dann auch auf der völlig falschen Fährte. Der Bernstein, der an den Strand gespült wird, ist weder blank poliert noch leuchtet er honiggelb. Natürlicher Bernstein, der sich am Meeresstrand findet, ist milchig trüb und hat eine unregelmäßige Form.

Dass es sich um ein echtes kleines Schmuckstück handelt, sieht man dem unscheinbaren Findling auf den ersten Blick keineswegs an. Er ähnelt eher einem gelblichen Feuerstein oder auch einer alten braunen Glasscheibe. Dennoch muss niemand gleich verzweifeln: Es gibt einige Tests, mit denen sich die Fundstücke zweifelsfrei identifizieren lassen.

Dänemark und Baltikum

Zuerst fragt man sich natürlich: Wo sucht man am besten? Die größten Bernsteinvorkommen gibt es im Baltikum beziehungsweise im Ostseeraum, aber auch vor der Küste des dänischen Jütlands stehen die Chancen gut. Bernstein findet sich aber auch an vielen anderen Stränden weltweit unter anderem an der Nord- und Ostsee.

Da es sich beim Bernstein um fossiles Baumharz handelt, schwimmt er auch in einer gesättigten Salzlösung.

Am Strand selbst sucht man am besten im Spülsaum: Das ist der Bereich, in dem die Wellen mitgebrachtes Material ablagern, wie Treibgut, Müll, Muschelschalen und Pflanzenreste. Bernstein wird das ganze Jahr über angeschwemmt und so kann wirklich jede neue Welle neues Glück bedeuten. Die größten Chancen ergeben sich aber nach einem Sturm oder sehr unruhiger See, weswegen viele professionelle Sammler diese Zeit zur Suche bevorzugen.

Wenn im Herbst und Winter das kalte Wasser eine höhere Dichte und somit auch Tragfähigkeit aufweist, schwimmt der Bernstein sogar auf dem Wasser. Interessanterweise findet sich auch dort noch Bernstein, wo tagtäglich Hunderte von Touristen am Strand spazieren gehen und er ganz schlicht und einfach übersehen wurde.

Echtheitsprüfungen

Damit sind wir bei der Echtheitsprüfung angelangt, die übrigens auch dabei helfen kann, Imitate im Souvenirshop zu entlarven. Da es sich beim Bernstein eben gerade nicht um einen Stein handelt, sondern um fossiles Baumharz, schwimmt er im Gegensatz zu einem echten Stein auch in einer gesättigten Salzlösung. Andererseits geht Bernstein aber auch in Süßwasser unter, ganz im Gegensatz zu Plastik beispielsweise. Der Test ist also einfach: Zwei bis drei Esslöffel Speisesalz werden dazu in einem Glas kalten Wasser aufgelöst. Schwimmt das Fundstück, stehen die Chancen schon einmal nicht schlecht, dass es sich um Bernstein handelt. Anschließend wird der potenzielle Bernstein in ein Glas mit reinem Leitungswasser beziehungsweise Süßwasser gegeben: Geht das gleiche Fundstück nun unter, kann davon ausgegangen werden, dass es sich um Bernstein handelt.


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Um ganz sicher zu sein, gibt es noch weitere Tests. Echter Bernstein lässt sich leicht mit einem Wolltuch elektrisch aufladen. Dann zieht er kleinste Papierschnipsel an. Außerdem fühlt sich Bernstein angenehm weich an, wenn er mit den Zähnen in Berührung kommt, ganz im Gegensatz zu einem harten Stein. Der letzte Test ist einer der sichersten überhaupt, allerdings wird der Bernstein dabei beschädigt: Eine glühende Nadel, die mit einer Zange gehalten wird, um sich nicht zu verbrennen, wird kurz gegen den Stein gedrückt. Echter Bernstein beginnt an dieser Stelle nun schmierig zu werden und verströmt einen aromatischen Geruch. Plastik hat diesen Geruch nicht und schmiert zumeist auch nicht so, wenn es mit der heißen Nadel in Berührung kommt. Echter Bernstein brennt sogar. Auf diese Eigenschaft bezieht sich auch der Name: Bernstein kommt von bernen beziehungsweise brennen. Bernstein ist also eigentlich der Brennstein, der Stein, der brennt.

Vorstufe Kopal

Leicht zu verwechseln mit echtem Bernstein ist übrigens auch dessen natürliche Vorstufe, der Kopal, der im Gegensatz zum Bernstein weniger als eine Million Jahre alt ist. Kopal wird allerdings klebrig schmierig, wenn er mit Aceton in Kontakt gerät. Hier zeigen sich aber auch die Grenzen der Echtheitstest. Während sie für die Fundstücke vom Strand vollkommen ausreichend sind und auch für billige Imitate, so sind richtig gute Fälschungen heute selbst von einem Fachmann kaum mehr zu erkennen. Die Farbe gibt in der Regel keinen Aufschluss über die Echtheit des Bernsteins, denn natürlichen Bernstein gibt es in vielen Farbnuancen, sogar in Blau und Grün. Auch die Bezeichnung „echt Bernstein“ ist irreführend, denn auch künstlich hergestellter Pressbernstein darf so genannt werden. Beim Pressbernstein werden Bruchstücke, Reste vom Bearbeiten, ja sogar Schleifstaub wieder zu einem neuen Stück zusammengefügt. Unter hohem Druck von bis zu 3 000 bar und Temperaturen von über 200 Grad Celsius entsteht so ein „echter“ Bernstein, oft auch „Ambroid“ genannt.

Die perfekteste Fälschung ist heutzutage der sogenannte „Kolumbianische Amber“, für den echter Kopal künstlich gealtert wird. Derartige Fälschungen sind selbst von einem Fachmann kaum mehr zu erkennen. Ein Trost bleibt aber: Am Strand findet man sie nicht.

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