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Berge und mehr
Eingebettet in die Savoyer Alpen – der Ort Samoëns wurde erstmals 1167 urkundlich erwähnt.

Berge und mehr

Foto: Christian Martelet
Eingebettet in die Savoyer Alpen – der Ort Samoëns wurde erstmals 1167 urkundlich erwähnt.
Lifestyle 6 Min. 11.07.2018

Berge und mehr

Michael JUCHMES
Michael JUCHMES
Viele Luxemburger zieht es im Sommer nicht nur nach Südfrankreich oder an die belgische Küste, sondern auch in die Berge. Bisher standen vor allem die österreichischen und Schweizer Alpen hoch im Kurs. Frankreich hatte bislang das Nachsehen – zu Unrecht, wie ein Besuch beweist.

Fliegen, für Minuten in der Luft schweben und von oben die Welt beobachten – wer sich bereits einmal in seinem Leben von einem Gleitschirm durch die Lüfte tragen ließ, kann von diesen Erlebnissen einfach nur schwärmen. "Man fühlt sich frei wie ein Vogel", erklärt Adrien, Paraglider aus Leidenschaft, der in der Sommersaison beinahe täglich mit Touristen den Ort Samoëns in den französischen Voralpen aus mehreren hundert Metern Höhe erkundet. Der 29-Jährige, der seinen ersten Soloflug bereits im Alter von 14 Jahren auf La Réunion absolvierte, spricht begeistert von seinem Hobby, das seit einigen Jahren auch sein Beruf ist. "Strecken sie einfach mal die Arme aus und genießen sie den Moment."

Minutenlang in der Luft schweben: ein unvergessliches Erlebnis.
Minutenlang in der Luft schweben: ein unvergessliches Erlebnis.
Foto: Club Med

Gestartet wird – nach einer eindrucksvollen Fahrt aus dem Tal mit dem Kabinenlift – auf einer Höhe von rund 1 600 Metern, etwas oberhalb der neuen Ferienanlage Club Med, inmitten des Skigebiets Grand Massif. Der Flug vom Plateau des Saix hinab ins Tal, in die rund 2 300 Einwohner zählende Ortschaft, dauert je nach Windsituation rund 20 Minuten. Gelandet wird auf einem Feld in der Nähe des Lifts – mit dem es dann je nach Lust und Laune wieder in luftige Höhen geht.

Sommer- und Winterdestination

Die Gemeinde Samoëns im Département Haute-Savoie, rund anderthalb Autostunden südöstlich von Genf gelegen, gilt eigentlich als klassische und recht bodenständige Winterdestination, eingebettet zwischen sieben Bergen – Cuidex, Vigny, Folly, Oddaz, Bostan, Chardonnière, Freterolles et La Vullie – und gelegen im Skigebiet Grand Massif, dem viertgrößten Skigebiet Frankreichs, mit insgesamt fünf Skiresorts und 144 Pisten. Die Region versucht jedoch nicht nur im Winter verstärkt Gäste von nah und fern anzulocken.

Immer ein Erlebnis: ein Spaziergang durch das Ortszentrum von Samoëns.
Immer ein Erlebnis: ein Spaziergang durch das Ortszentrum von Samoëns.
Foto: Christian Martelet

Dies scheint auf den ersten Blick nicht gerade einfach: Selbst in Frankreich verbringen drei Viertel der Reisenden ihren Sommer lieber am Strand als in den Bergen. Das bestätigt auch Nicolas Rubin, Vizepräsident des Tourismusverbandes Savoie Mont Blanc und Bürgermeister des Skiorts Châtel: "Man muss den Gästen die Region schmackhaft machen und ihnen zu verstehen geben, dass ein Aufenthalt in den Bergen nicht gleichzeitig mit großer Anstrengung verbunden ist." Es ginge beim Urlaub in der Alpenregion viel mehr um Spaß und Erholung – und das natürlich in Verbindung mit körperlichen Aktivitäten. "Die Region hält Angebote für die ganze Familie bereit" und warte nur darauf, entdeckt zu werden. Selbst Einheimische könnten noch Neues erleben.

Nicht nur Touristen aus Luxemburg zogen bisher die Schweiz und Österreich vor, wenn es um Ferien in den Alpen ging. Dabei bietet ein Ausflug nach Samoëns und Umgebung einiges – vor allem für Naturliebhaber. Alleine rund um das obere Tal des Gebirgsflusses Giffre, der oberhalb von Sixt-Fer-à-Cheval entspringt und dann vorbei an Samoëns später in der Nähe von Marignier in die Arve mündet, finden unternehmungslustige Gäste 600 Kilometer Wanderwege, die bis hinauf zu einer Höhe von 3 000 Metern, in die Nähe der Bergspitze des Mont Buet, führen.

Gesellschaft gefällig? Tierwanderungen werden immer beliebter.
Gesellschaft gefällig? Tierwanderungen werden immer beliebter.
Foto: Christian Martelet

Besonders eindrucksvoll – und auch für Familien mit Kindern geeignet – ist eine Wanderung im Cirque du Fer-à-Cheval, einem hufeisenförmigen Tal, das von mehreren Bergen eingekesselt wird, darunter der Mont Buet (3 096 Meter), der Pic de Tenneverge (2 987 Meter) und der Cheval Blanc (2 831 Meter). Die dortigen Wege führen vorbei an Bergbächen, die sich teilweise von oben herab in die Schluchten ergießen und schroffen Felswänden: ein echtes Paradies für Naturliebhaber und Hobbyfotografen.

Flüsse und Seen

Der Fluss Giffre eignet sich auch für ausgedehnte Rafting- und Kanu-Touren, die in einer traumhaften Bergkulisse neben Spaß auch jede Menge neuer Eindrücke bieten. Wer lieber an Land bleibt, jedoch ein Faible für Wasser hat, sollte einen Abstecher zur Driving Range machen, auf der Golfspieler ihre Bälle im kühlen Nass versenken können. Auch ein Ausflug zu den benachbarten Seen ist möglich. "Wir haben im Gebiet Savoie Mont Blanc mehrere große Seen, darunter den Lac d'Annecy und den Lac du Bourget", berichtet Rubin. "Wenn es doch einmal zu heiß werden sollten, können sich die Besucher hier abkühlen."

Wer nicht auf zwei Beinen weiterkommt, kann auf zwei Räder umsteigen: Das Gebiet um Samoëns gilt als beliebter Treffpunkt für Mountainbiker, die – natürlich sicher verpackt in Helm und Schutzkleidung – die Berghänge in Angriff nehmen. Jeder vierte Gast in der Region steigt laut Angaben des Tourismusverbandes mittlerweile während seines Aufenthalts aufs Rad. Noch recht neu sind die elektronischen Mountainbikes, die es auch erlauben, die Hänge von unten in Angriff zu nehmen – ein Angebot, das nicht nur Neulinge gerne in Anspruch nehmen: Mittlerweile liegt die E-Bike-Quote bei 60 Prozent. "Das ist die Demokratisierung der Berge", sagt Nicolas Rubin. Vorher sei Mountainbiking nur etwas für sehr fitte Erwachsene gewesen.

Egal ob Rennrad, Mountainbike oder E-Bike – auf zwei Rädern
bewegen sich immer mehr 
Besucher der Region fort.
Egal ob Rennrad, Mountainbike oder E-Bike – auf zwei Rädern
bewegen sich immer mehr 
Besucher der Region fort.
Foto: Christian Martelet

Natürlich gehört zu einem Besuch auch ein ausgedehnter Spaziergang durch die Gemeinde Samoëns. Los geht es beispielsweise am Place de la Grenette, dem alten Marktplatz, der im 16. Jahrhundert angelegt wurde. Das neue Zentrum des Gemeindelebens ist jedoch der Place du Gros Tilleul, benannt nach der großen Linde, die dort etwa 1430 gepflanzt wurde. Rundherum sind viele kleine Gastronomie-Betriebe und Geschäfte zu finden, die neben Mitbringseln natürlich auch Sportartikel vertreiben. Ein Muss ist auf jeden Fall ein Besuch im Café A la Jaÿsinia, wo der erfahrene und preisgekrönte Patissier Thierry Froissard seine Gäste mit süßen Leckereien – Gebäck, Pralinen und Marmeladen – versorgt.

Obwohl die Gemeinde nur rund 2 300 Einwohner zählt, wird den Besuchern einiges geboten. Lohnenswert sind in jedem Fall die vielen Kirchen und Kapellen, etwa die Kirche Notre-Dame de l'Assomption, deren Grundstein im 16. Jahrhundert gelegt wurde. Im Sommer ist natürlich auch der Jardin botanique alpin La Jaÿsinia einen Besuch wert. Hier erwarten die Gäste Tausende von Pflanzen aus den Bergregionen aller Kontinente auf 3,7 Hektar Fläche. Wer nicht genug Zeit für ausgedehnte Besichtigungstouren hat, sollte sich das Ganze zumindest von oben anschauen – und hier kommt wieder Gleitschirmpilot Adrien ins Spiel. Er zeigt innerhalb von 20 Minuten Flugzeit seinem Tandempartner alle Sehenswürdigkeiten aus der Vogelperspektive. Eine beeindruckende Sightseeing-Tour für Eilige – und ein Erlebnis, das man wohl nie mehr vergessen wird.

Mit Blick auf die französischen 
Alpen: Der Club Med Grand 
Massif Samoëns Morillon wurde im Dezember 2017 eröffnet.
Mit Blick auf die französischen 
Alpen: Der Club Med Grand 
Massif Samoëns Morillon wurde im Dezember 2017 eröffnet.
Foto: Michael Juchmes

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