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Bei Aussteigern in Tansania
Lifestyle 4 Min. 24.10.2018 Aus unserem online-Archiv

Bei Aussteigern in Tansania

Die Greystoke Mahale-Lodge von Barbara und Fabio Coccia ist an einem traumhaften Sandstrand des Tanganjika-Sees gelegen.

Bei Aussteigern in Tansania

Die Greystoke Mahale-Lodge von Barbara und Fabio Coccia ist an einem traumhaften Sandstrand des Tanganjika-Sees gelegen.
Foto: nomad-tanzania.com
Lifestyle 4 Min. 24.10.2018 Aus unserem online-Archiv

Bei Aussteigern in Tansania

Im Katavi- und Mahale Mountains-Nationalpark, wo Barbara und Fabio Coccia ein kleines Refugium erschaffen haben, haben Safari-Touristen die Wildnis Tansanias noch ganz für sich allein.

von Win Schumacher

Der Elefant vor der Bürotür will nicht weichen. Eigentlich hat Barbara Coccia an diesem Morgen jede Menge in der Lodge zu tun, aber wenn ein Dickhäuter sich in den Weg stellt, ist Hektik keine gute Idee. Dass sich an diesem Morgen auch gleich noch eine Baumschlange ins Büro verirrt und das Internet mal wieder nicht funktioniert, nun ja: Das hier ist eben nicht die Schwäbische Alb, sondern die Savanne im letzten Winkel Tansanias. Also immer mit der Ruhe. Irgendwann wird der Koloss schon verschwinden.

„Nie die Ruhe zu verlieren, gehört zu den größten Herausforderungen hier“, sagt die 34-jährige Auswanderin aus Deutschland. Im letzten Jahr gaben Barbara und ihr 35-jähriger Mann Fabio ihre Jobs als Handelsvertreterin einer Modemarke und Teamleiter in einem Automatisierungsunternehmen auf und bewarben sich beim Safari-Veranstalter Nomad in Tansania. „Alles begann mit unserer Hochzeitsreise“, erzählt Barbara. „Wir waren in Botsuana und Mosambik und vom ersten Tag an völlig überwältigt.“ „Eigentlich sollte es eine Reise werden, wie man sie nur einmal im Leben macht“, fügt Fabio hinzu, „aber schon im nächsten Jahr mussten wir einfach zurück nach Afrika. Diesmal nach Tansania.“


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Nun sitzen sie auf der Terrasse des Chada-Camps im Katavi-Nationalpark und beobachten einen Buschbock, der aus geringer Distanz herüberäugt. Aus den Flitterwöchnern sind längst Camp-Manager geworden. „Gleich auf unserer ersten Tansania-Reise wollten wir nicht nur die Serengeti und den Ngorongoro-Krater sehen“, sagt Fabio, „sondern auch die unentdeckten Ecken im Süden und Westen.“ Die meisten Tansania-Touristen kombinieren eine Safari in der Serengeti oder anderen Schutzgebieten im Norden des Landes mit einem Strandurlaub auf Sansibar. Die allerwenigsten verschlägt es in den Mahale Mountains- und Katavi-Nationalpark im kaum erschlossenen Westen.

Tummelplatz für Tiere

Barbara und Fabio machen heute nach dem Frühstück ihrer Gäste ausnahmsweise eine kurzen Abstecher zum Katuma-Fluss. „Wir genießen jeden Augenblick, den wir für uns haben“, sagt das Paar. „Im Alltag bleibt sonst oft nur wenig Zeit für Pirschfahrten.“

In den Regenmonaten ist der Katuma ein weiter Strom. Nun aber ist er zu einem trüben Wassergraben geschrumpft. Im verbliebenen Rinnsal drängen sich Hunderte Flusspferde und Krokodile. Beim Streit um die letzten Wasserlöcher kommt es zu brutalen Revierkämpfen. Furcht einflößend reißt ein Bulle sein riesiges Maul auf. Auf den dicht aneinander gedrängten Rücken der Ungetüme stolzieren Marabustörche. Nur wenige Meter davon ist ein gewaltiges Nilkrokodil auf der Suche nach einem Platz im eng besetzten Pool. Nebenan fischen Pelikane, Nimmersattstörche und Goliathreiher.

„Noch immer kommen nur sehr wenige Touristen hierher in den Westen Tansanias“, sagt Barbara, während ihr Geländewagen im Schritttempo entlang des Katumas tuckert, „dabei hat man die Savanne hier meist für sich allein.“ Tatsächlich scheint an diesem Morgen kein Mensch im Nationalpark unterwegs. Kein Wunder: Nur zweimal in der Woche landet ein Buschflieger aus der Safari-Metropole Arusha hier.

Barbara und Fabio Coccia betreiben neben ihrer Lodge auch noch ein Wohltätigkeitsprojekt in Tansania.
Barbara und Fabio Coccia betreiben neben ihrer Lodge auch noch ein Wohltätigkeitsprojekt in Tansania.
Foto: Win Schumacher

Hoffnungsgeladene Bleistifte

Bei ihrer ersten Tansania-Reise besuchten die Coccias auch das Dorf Katumbi am Rand des Mahale Mountains-Nationalparks am Tanganjika-See etwas weiter im Westen. „Wir hatten ein Paket mit Hilfsgütern gepackt“, erzählt Barbara, „vor Ort stellten wir aber fest, dass das nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein sein konnte.“ In der Grundschule des Fischerdorfs gab es noch nicht einmal Bänke. Das Gebäude, das man ihnen als Krankenhaus vorstellte, hatte weder Strom noch fließend Wasser. Die Begegnung mit den Kindern Katumbis sollte ihr Leben verändern. Zurück in Deutschland gründeten sie die NGO „Pencils for Hope“, um Spenden für das Dorf am Tanganjika-See zu sammeln. Gemeinsam mit Mitarbeitern der Greystoke Lodge im Mahale Mountains-Nationalpark setzten sie sich für einen Schreiner ein, der die ersten Schulbänke zimmerte, und warben für Spenden, um das Krankenhaus auszurüsten.

„Schon beim ersten Aufenthalt hatte uns die damalige Managerin der Greystoke Lodge gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, hier zu arbeiten“, sagt Barbara, „der Gedanke ließ uns nicht mehr los.“ Im Katavi-Nationalpark vertreten die Coccias derzeit nur einen Kollegen. Ihre Heimat ist nun die Greystoke Lodge in Mahale, die nur mit dem Boot zu erreichen ist. Die reetgedeckten Gäste-Unterkünfte liegen entlang einer Strandbucht am Fuß der Mahale-Berge. Anders als auf Sansibar gibt es hier keine Strandverkäufer und keine überfüllten Tauchboote. Statt unter Korallenfischen schnorchelt man hier unter grellen Buntbarschen.

Die Mehrzahl der Besucher kommt aber vor allem wegen der Schimpansen. Die selten gewordenen Menschenaffen kann man nur hier und im weiter nördlich gelegenen Gombe-Stream-Nationalpark beobachten. „Das erste Mal einem Schimpansen zu begegnen, ist gewaltig“, sagt Barbara, „es ist nicht einfach nur ein Tier, das dir in die Augen sieht. Es nimmt dich ganz anders wahr.“

„Wir kriegen hier mehr, als was wir aufgegeben haben“, meint Fabio. Ihre Familie und Freunde haben sie bei ihrer Entscheidung unterstützt. Barbaras Mutter war froh, dass sie ihren nervenaufreibenden Job aufgab. „Sie hat mir gesagt: ,Deine Augen strahlen so, wenn du von Tansania erzählst.‘“ Das Strahlen ist geblieben. „Nur die Geschichten mit den Elefanten erzählen wir ihr besser nicht.“


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