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Bauhaus hautnah
Lifestyle 3 Min. 27.02.2019

Bauhaus hautnah

Insgesamt 28 Zimmer im Prellerhaus in Dessau, dem ehemaligen Ateliergebäude, dienen als Unterkünfte. Sie sind so funktional wie zu Bauhaus-Zeiten eingerichtet – unter anderem mit Bett, Schreibtisch und Waschbecken. Bad und Toilette befinden sich auf dem Flur.

Bauhaus hautnah

Insgesamt 28 Zimmer im Prellerhaus in Dessau, dem ehemaligen Ateliergebäude, dienen als Unterkünfte. Sie sind so funktional wie zu Bauhaus-Zeiten eingerichtet – unter anderem mit Bett, Schreibtisch und Waschbecken. Bad und Toilette befinden sich auf dem Flur.
Foto: srt/Yvonne Tenschert
Lifestyle 3 Min. 27.02.2019

Bauhaus hautnah

Kunstgeschichte live erleben: In Dessau, Berlin und Löbau können Design-Fans original erhaltene Zimmer, Wohnungen und Häuser berühmter Bauhaus-Größen wie Le Corbusier oder Bruno Taut mieten.

von Susanne Freitag (srt)

Die Bauhaus-Architekten revolutionierten in den 1920er-Jahren mit klaren Linien, rechten Winkeln, abstrakten Formen    und neuen Materialien wie Stahl und Glas den Wohnungsbau in Deutschland. Heute können Fans dieser Stilrichtung, die teilweise zum Unesco-Weltkulturerbe zählenden Meisterhäuser und Siedlungen nicht nur besichtigen, sondern in einigen selbst übernachten – manchmal auch für länger.

Meisterhäuser in Dessau

Sie verkörpern die berühmteste Künstlerkolonie des 20. Jahrhunderts und gelten noch heute als Paradebeispiel für das Wohnen der Zukunft: die Bauhaus-Meisterhäuser in Dessau. Zu Zeiten des Bauhauses wohnten Studenten wie Hannes Meyer, Marcel Breuer, Marianne Brandt und Anni Albers in den 28 Zimmern des Ateliergebäudes von 1926 in der Gropiusallee. Heute können Besucher im sogenannten Prellerhaus übernachten: Die 24 Quadratmeter großen Räume sind mit Bett, Waschbecken, Einbauschränken, Arbeitstisch, Bogenlampe und Stuhl so funktional eingerichtet wie damals. Toilette und Dusche befinden sich jedoch auf dem Flur.

Karg eingerichtet, aber ein Stück lebendiger Geschichte: ein Atelierzimmer im Bauhaus in Dessau.
Karg eingerichtet, aber ein Stück lebendiger Geschichte: ein Atelierzimmer im Bauhaus in Dessau.
Foto: srt/Yvonne Tenschert

Einige Räume wurden mittels Möbelentwürfen ehemaliger Bewohner personalisiert, etwa diejenigen von Alfred und Gertrud Arndt, dem Ehepaar Albers und Franz Ehrlich. Wieder andere wurden nach dem Vorbild ihrer Bewohner rekonstruiert, darunter Zimmer 3.02 von Marianne Brandt. Sie war Schülerin von Wassily Kandinsky sowie Paul Klee und leitete von 1929 an die Metallwerkstatt des Bauhaus. Sie wohnte spartanisch: ein Liegestuhl mitten im Raum, eine karierte Decke aus der Bauhaus-Weberei auf dem Bett, Schallplatten und ein Grammofon sowie eine von Brandt entworfene Lampe an der Decke.

In der Berliner Hufeisensiedlung Britz in Neukölln, von Bruno Taut in den 1920er-Jahren für die Berliner Baugenossenschaft Gehag geplant und heute Unesco-Welterbe, haben Architekturliebhaber ein kleines Wohnhaus des Baumeisters gekauft und denkmalgerecht saniert. Nicht nur das Gebäude selbst, sondern auch die Innenräume sehen aus wie zur Entstehungszeit – einschließlich der Küchenzeile und der Farbtöne an den Wänden. Das farbenfrohe, 65 Quadratmeter große Reihenendhaus für bis zu vier Personen mit moderner Heizung und historischen Kachelöfen kann ab drei Nächten gemietet werden. Im Büro des Vermieters gibt es eine Ausstellung zur Siedlung sowie Informationen zu den anderen fünf Welterbe-Siedlungen in Berlin: der Gartenstadt Falkenberg in Treptow, der Schillerpark-Siedlung in Wedding, der Wohnstadt Carl Legien in Prenzlauer Berg, der Weißen Stadt in Reinickendorf sowie der Großsiedlung Siemensstadt in Charlottenburg und Spandau.

Blick in Tautes Heim in Berlin-Neukölln: Nicht nur das Schlafzimmer 
ist nach den Originalplänen restauriert worden.
Blick in Tautes Heim in Berlin-Neukölln: Nicht nur das Schlafzimmer 
ist nach den Originalplänen restauriert worden.
Foto: srt/Ben Buschfeld

Mit seinen V-förmigen Stützen und der strukturierten Fassade war Oskar Niemeyers Wohnhochhaus im Berliner Hansaviertel einer der markantesten Bauten der Internationalen Bauausstellung 1957. Eine der Wohnungen wurde 2012 als Ferienwohnung für bis zu vier Personen authentisch eingerichtet: Mit aufgearbeiteten Designklassikern aus den 1950er-Jahren, Linoleumböden und vielen originalen Details entspricht nun alles dem Stil der damaligen Zeit. Die Wohnung kann für mindestens zwei Monate gemietet werden.

Unternehmerbau als Ferienwohnung

In Löbau in der Oberlausitz steht eines der bedeutendsten Wohnhäuser der Moderne, das Haus Schminke. Es wurde 1933 von Hans Scharoun für das Unternehmer-Ehepaar Fritz und Charlotte Schminke erbaut. Mit gerundeten Dächern, Balkonen und Balustraden, die an einen Ozeandampfer erinnern, hat die elegante Villa Architekturgeschichte geschrieben. Dank einer Stiftung, die sich um das Haus kümmert, kann man die stilecht eingerichteten Innenräume nicht nur besichtigen, sondern auch als Ferienwohnung mieten.


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