Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Bad Kreuznach: Kuren und genießen
Vom Panoramaweg aus, der hinter dem Thermalbad
von Bad Kreuznach beginnt, hat man einen schönen 
Ausblick auf das Kurviertel und die Nahe in Richtung
Bad Münster am Stein-Ebernburg.

Bad Kreuznach: Kuren und genießen

Foto: Bad Kreuznach Tourismus
Vom Panoramaweg aus, der hinter dem Thermalbad
von Bad Kreuznach beginnt, hat man einen schönen 
Ausblick auf das Kurviertel und die Nahe in Richtung
Bad Münster am Stein-Ebernburg.
Lifestyle 6 Min. 08.07.2018

Bad Kreuznach: Kuren und genießen

Nicole WERKMEISTER
Nicole WERKMEISTER
Wer bislang nur das eine, moderne Bad Kreuznach kennt, sollte einen zweiten Versuch wagen und sich das ansehen, was innerhalb und jenseits der Fußgängerzone liegt: die historische Altstadt mit verwinkelten Gassen, kleinen Weinlokalen – und das Kurzentrum mit seinem Naturpark.

Es muss nicht immer gleich der Schwarzwald sein. Für ein verlängertes Wellness-Wochenende mit Thermalbad, Saunalandschaft und kulinarischen Genüssen bietet das weitaus näher gelegene Nahetal mit seinen beiden Kurorten Bad Kreuznach und Bad Münster am Stein-Ebernburg ebenfalls beste Voraussetzungen.

Sole und Radon

Beim Spaziergang durch das Salinental, das die beiden seit 2014 miteinander vereinten Kurorte verbindet, kann man tief durchatmen: Neun Meter hohe Gradierwerke, an denen in den Sommermonaten aus der Sole gewonnenes Salzwasser über fein geschichtete Schwarzdornzweige herabrieselt, bilden auf einer Gesamtlänge von gut einem Kilometer Europas größtes Freiluftinhalatorium. Zur Salzgewinnung, für die die Gradierwerke einst erfunden und errichtet wurden, dienen diese aus Kostengründen heute nicht mehr. Den schönen Nebeneffekt der Salzanreicherung in der Luft, die eine Reinigung der Atemwege fördert, nutzt man am Kurort aber weiterhin.

Vom Kurpark von Bad Kreuznach in Richtung Bad Münster am Stein-Ebernburg spaziert man durch das Salinental mit seinen Gradierwerken.
Vom Kurpark von Bad Kreuznach in Richtung Bad Münster am Stein-Ebernburg spaziert man durch das Salinental mit seinen Gradierwerken.
Foto: Nicole Werkmeister

Die gesundheitlich positive Wirkung des solehaltigen Thermalwassers hatte 1817 der Arzt Johann Erhard Prieger, der aus Wiesbaden nach Bad Kreuznach gezogen war, entdeckt. Ihm ist letztlich die Entwicklung der Stadt zum angesagten Kurort zu verdanken, weshalb einem sein Name des Öfteren begegnet. Als weiterer wichtiger Förderer der Bad Kreuznacher Kur gilt der einheimische Apotheker Karl Aschoff, der den Radongehalt der Salzquellen entdeckte und daraufhin die Radontherapie entwickelte. Zunächst badete man im radonhaltigen Wasser der Quellen beider Heilbäder. 1912 wurde der Heilstollen nahe dem Kurzentrum eröffnet, dessen natürlich vorhandene Radonstrahlung noch heute für Schmerztherapien – insbesondere bei Rheuma, Arthritis, Arthrosen und Morbus Bechterew – im Rahmen von Kuren zum Einsatz kommt.

Von der Blütezeit des Kurbetriebs, die bis zum Ersten Weltkrieg andauerte, zeugen heute noch das – teilweise noch renovierungsbedürftige – Kurhotel und das schräg gegenüber, nahe dem Kurpark gelegene Bäderhaus, das 1912 als neues Behandlungszentrum für die Kur mit Solebädern und Inhalationsräumen erbaut wurde.

Die beiden Weltkriege zerstörten den Kurbetrieb, der erst nach der Besatzungszeit in Form von Sozialkuren in weniger elitärer Erscheinung wieder in Gang kam. Extreme Leistungskürzungen im Gesundheitswesen 1993 beendeten diese Phase jedoch abrupt, sodass sich die Verantwortlichen der Stadt ein neues Kur- und Erholungskonzept überlegen mussten.

Sauna, Therme und Therapie

Nach zwei Hochwassern in den 1990er-Jahren, die den historischen Bau des Bäderhauses mit seiner markanten Kolonnadenfront schwer trafen, investierte man in einen aufwendigen Hochwasserschutz am Rande der Altstadt und renovierte das Bäderhaus umfassend. Damit entschied man sich auch, die Nutzung der steigenden Frage nach Wellness anzupassen und wandelte das Gebäude in eine gigantische Saunalandschaft – mit allen denkbaren Saunavarianten – auf einer Fläche von 4 000 Quadratmetern um, in deren Zentrum ein großes Thermalbecken zum Schwimmen einlädt.

Öffnungszeiten bis in den späten Abend hinein und ein höchst gepflegter Zustand der Anlage machen den Besuch für Sauna-Liebhaber zu einem echten Erlebnis. Anwendungen wie Massagen, Shiatsu und Körperpeeling, die für Paare auch in Parallelanwendungen buchbar sind, runden das Angebot ab.

In der Crucenia Therme kann man sowohl in üblichem Wasser schwimmen, als auch im Solewasser entspannen.
In der Crucenia Therme kann man sowohl in üblichem Wasser schwimmen, als auch im Solewasser entspannen.
Foto: Nicole Werkmeister

Wer das Baden mit Schwimmkleidung bevorzugt, kann in unmittelbarer Nähe das Angebot der Crucenia Thermen von Bad Kreuznach nutzen. Das 30°C warme Schwimmbecken des modernen, pavillonartigen Bads wird mit herkömmlichem Wasser gespeist. Für einen kürzeren Aufenthalt zu gesundheitsfördernden Zwecken geeignet sind zwei weitere Innenbecken und ein Außenbecken mit 33°C warmem Thermalwasser. Über einen sogenannten Bademantelgang mit dem Thermalbad verbunden ist das Crucenia Gesundheitszentrum, in dem heute Kuranwendungen wie Heilschlammpackungen, Sole-Bäder sowie Physiotherapie und Massagen nach modernen Maßstäben erfolgen. Zur medizinischen Betreuung von Kurpatienten aus dem In- und Ausland ist eine Badearztpraxis in das Zentrum integriert.

Auf einen Stadtrundgang

Wer neben dem Kur-Arreal noch mehr vom historischen Bad Kreuznach entdecken möchte, kann eine der zahlreichen Stadtführungen buchen. In kundiger Begleitung lassen sich innerhalb von 90 Minuten etwa der mittelalterliche Stadtkern oder das Kurviertel mit seiner 200-jährigen Geschichte näher erkunden. Weitere Rundgänge führen auf die Ebernburg, ins Amalienschloss oder die Überreste einer herrschaftlichen römischen Villa mit ihren imposanten Mosaikböden. Sogar Ausflüge mit dem E-Bike, Wanderungen und Bootstouren stehen auf dem umfangreichen Programm der Tourismus-Information der beiden Kurorte.

Für Kunstinteressierte lohnt sich ein Besuch des Cauerhauses, in dem das Atelier von Hannah Cauer, der letzten Bad Kreuznacher Künstlerin der gleichnamigen Künstlerdynastie zu sehen ist. Sechs Generationen ihrer Familie arbeiteten in Bad Kreuznach, wo auch heute noch Skulpturen zu sehen sind, und wirkten von dort aus auf internationaler Ebene. Wer sich selbst kreativ versuchen möchte, kann hier auch einen der Zeichen- und Modellierkurse für kleine Gruppen belegen.

Vom Kurzentrum aus erreicht man in etwa zehn Minuten zu Fuß die Alte 
Nahebrücke und die "historische Neustadt" von Bad Kreuznach.
Vom Kurzentrum aus erreicht man in etwa zehn Minuten zu Fuß die Alte 
Nahebrücke und die "historische Neustadt" von Bad Kreuznach.
Foto: Bad Kreuznach Tourismus

Eine weitere, sehenswerte Anlaufstelle in Sachen Kunst ist der in Bad Münster am Stein-Ebernburg gelegene Steinskulpturenpark, an den ein Museum angeschlossen ist, das der japanische Stararchitekt Tadao Ando in seinem unverwechselbaren schlichten Stil gestaltete. Mit Blick auf die Ebernburg und die Steilwand Rotenfels ist der Künstlerfamilie Kubach-Wilmsen ein eindrucksvolles Land-Art-Erlebnis gelungen.

Absacker mit höchster Qualität

Ausklingen lassen kann man den Tag in den Restaurants und Vinotheken des historischen Stadtteils von Bad Kreuznach. In der Nahe-Wein-Vinothek in der Mannheimer Straße etwa warten Weine von mehr als 50 Winzern der Region darauf, probiert zu werden – wobei sich der Kenner davon überzeugen kann, dass viele Weißweine des fruchtbaren Nahelands zur internationalen Spitzenklasse zählen. Exemplarisch genannt seien hier das Weingut Sinß aus Windesheim mit seinen Riesling- und Burgundersorten, die zuletzt im Gault Millau Weinguide 2018 positive Erwähnung fanden – und das bio-zertifizierte Weingut Forster, das 2017 unter anderem mit Großem Gold beim Internationalen Bioweinpreis ausgezeichnet wurde.

Die mittelalterlichen Brückenhäuser von Bad Kreuznach entstanden aus Mangel an Wohnraum innerhalb der Stadtmauern der damals noch unterteilten Stadt. Heute prägen sie das Bild der am Fluss gelegenen Altstadt.
Die mittelalterlichen Brückenhäuser von Bad Kreuznach entstanden aus Mangel an Wohnraum innerhalb der Stadtmauern der damals noch unterteilten Stadt. Heute prägen sie das Bild der am Fluss gelegenen Altstadt.
Foto: Bad Kreuznach Tourismus

Mit den Winzern der Region rund um den Wein gefeiert wird im Kurpark von Bad Münster am Stein-Ebernburg bei "Wein im Park" vom 27. bis zum 29. Juli. Ebendort kann man am Sonntag, dem 5. August, mehr als 600 Oldtimer bei einem Jazzfrühshoppen in Augenschein nehmen.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Un voyage en bleu et blanc
La Tunisie post-révolutionnaire retrouve des couleurs. La médina classée de Tunis, les ruines de l’antique Carthage et la carte postale en bleu et blanc de Sidi Bou Saïd nous ont enchantées.
x
Naturkosmetik im Test : Gemüse auf meiner Haut
Dass Eigelb gut fürs Haar ist und Olivenöl der Haut Feuchtigkeit spendet, hat man wohl schon mal gehört, aber kaum ausprobiert. Gerade dazu wollen Karin Berndl und Nici Hofer ihre Leser(innen) mit Naturkosmetikrezepten ermutigen. Funktioniert's? Ein Selbstversuch.
Überschrift	zitronenbad pretty natural