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Auftakt des Autofestivals: „Optimistisch, aber nicht euphorisch“
Lifestyle 2 6 Min. 27.01.2018

Auftakt des Autofestivals: „Optimistisch, aber nicht euphorisch“

Adal-Präsident Benji Kontz (links) und Fégarlux-Präsident Philippe Mersch geben sich vor dem 54. Autofestival relativ entspannt.

Auftakt des Autofestivals: „Optimistisch, aber nicht euphorisch“

Adal-Präsident Benji Kontz (links) und Fégarlux-Präsident Philippe Mersch geben sich vor dem 54. Autofestival relativ entspannt.
Foto: Pierre Matgé
Lifestyle 2 6 Min. 27.01.2018

Auftakt des Autofestivals: „Optimistisch, aber nicht euphorisch“

Marc BOURKEL
Marc BOURKEL
Adal-Präsident Benji Kontz und Fégarlux-Präsident Philippe Mersch beantworten Fragen über das Autofestival, den Diesel und die Politik.

Von Marc Bourkel

In Luxemburg wurden im vergangenen Jahr 52 775 Neuwagen zugelassen, und damit mehr als je zuvor. Die Branchenverbände Adal und Fégarlux können dem 54. Autofestival (27. Januar bis 5. Februar) und dem Gesamtjahr 2018 demnach mehr als gelassen entgegensehen. Ob dem wirklich so ist, und wie es unter anderem um den Diesel steht, wollten wir von den Adal- und Fégarlux-Vorsitzenden Benji Kontz und Philippe Mersch wissen.

Herr Kontz, Herr Mersch, 2017 gab es auf dem Luxemburger Automarkt ein Zulassungsplus von rund 4,40 Prozent auf den neuen Rekordwert von 52 775 Einheiten. Wie sind Ihre Erwartungen und Prognosen für das neue Geschäftsjahr?

Philippe Mersch: Die Prognosen für das Jahr 2018 sind sehr optimistisch, aber nicht euphorisch. Es gibt aktuell nichts, was gegen ein weiteres Wachstum spricht. Die Luxemburger interessieren sich bekanntlich sehr stark für Neuheiten, und davon gibt es in diesem Jahr eine ganze Menge. Die einzige Gefahr für uns sind in der Regel externe Störfaktoren, die den Autoabsatz stark beeinflussen können – wie etwa politische Entscheidungen oder eine Abgasgeschichte.

Benji Kontz: Man darf nicht vergessen, dass wir derzeit stark von den Bemühungen zur Emissionsreduzierung profitieren. Neue Autos sind in der Regel deutlich sauberer als noch vor fünf oder zehn Jahren. Jeder, der einen Neuwagen kauft, trägt somit zur Emissionsminderung bei. Eine Tatsache, die wir natürlich begrüßen. Ich glaube auch, dass es uns gelungen ist, die Verunsicherung der Käufer in Sachen Motorenwahl weitestgehend aus der Welt zu schaffen, unter anderem durch Schulungsmaßnahmen für unser Verkaufspersonal, aber auch durch die Ausarbeitung einer Broschüre, die über die unterschiedlichen Antriebsformen informiert. Auch das dürfte sich positiv auf die Verkaufszahlen auswirken.

Herr Kontz, Sie haben die Verunsicherung der Käufer angesprochen. Der Dieselanteil bei den Neuzulassungen fiel 2017 um fast elf Prozentpunkte auf 53,9 Prozent. Sind Sie der Meinung, dass die Tage dieser über Jahre von der Politik geförderten Antriebsform gezählt sind?

B. Kontz: Sie haben die Antwort eigentlich zum Teil schon selbst gegeben. Der Diesel wurde in Luxemburg jahrelang gefördert, was dazu geführt hat, dass wir in der Vergangenheit einen überproportionalen Dieselanteil hatten. Durch den Wegfall der Vergünstigungen nähern wir uns jetzt einem an und für sich normalen Diesel-Niveau, wie man es auch von anderen Märkten kennt. Es gibt aber keinen Grund, den Diesel zu verteufeln. Verbrennungsmotoren – darunter auch der Diesel – haben trotz neuer Antriebsformen noch eine lange Zukunft vor sich.

P. Mersch: Noch ist der Diesel die Antriebsform Nummer eins – nicht nur bei den Neuzulassungen, sondern ganz besonders im Fuhrpark. Das liegt vor allem daran, dass der Diesel für Vielfahrer noch immer die wirtschaftlichste Antriebsart ist. In unserer Informationsbroschüre weisen wir denn auch darauf hin, dass bei einer jährlichen Fahrleistung von mindestens 20 000 Kilometer ein Selbstzünder in puncto Gesamtbetriebskosten in der Regel die beste Wahl ist. Es ist also logisch, dass sich immer noch viele Autofahrer für einen Diesel entscheiden. Hinzu kommt, dass moderne Diesel strengsten Abgasgrenzwerten unterliegen. Auch 2030 werden mit Sicherheit noch Dieselmotoren produziert – vielleicht dann primär für größere und schwerere Fahrzeuge und weniger für kleine Stadtautos. Ich glaube, dass die Aufregung um den Diesel sich zumindest bei den Kunden ein wenig gelegt hat.

So ganz scheint die Aufregung aber noch nicht gewichen zu sein?

P. Mersch: Sinnvoll wären in diesem Zusammenhang eventuell klare politische Ansagen auf europäischer Ebene, damit die Verbraucher wissen, wie lange und vor allem wo sie mit welchem Antrieb noch herumfahren können. Bei unseren belgischen Nachbarn etwa darf man mit bestimmten Motorisierungen in die eine Stadt fahren, nicht aber in die benachbarte.

B. Kontz: Das von Philippe Mersch angesprochene Beispiel belegt, dass die Kriterien für bestimmte Fahrverbote oder Einschränkungen nicht immer ganz objektiv sind. Es gibt heute definitiv keine schlechte Motorisierung. Es gibt höchstens welche, die besser oder weniger gut geeignet sind. Die Kaufentscheidung hängt nicht zuletzt auch vom Fahrprofil und Mobilitätsverhalten ab. Unsere Verkaufsberater sind sicher gut positioniert, den Verbraucher bei seiner Wahl entsprechend zu unterstützen. Der Autokauf sollte schließlich nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll sein. Es reicht nicht, ein vermeintlich grünes Auto zu kaufen. Wer etwas für die Umwelt machen will, sollte sein Auto intelligent nutzen und es eventuell auch einmal stehen lassen.

Glauben Sie nicht, dass es dem heute gefeierten Elektroantrieb einmal ähnlich ergehen könnte wie dem einst hochgejubelten Diesel. Es gibt ja heute bereits kritische Stimmen in Sachen Umweltbilanz von Elektroautos – Stichwort Batterieproduktion und -entsorgung ...

B. Kontz: Politische Botschaften sind in der Tat nicht immer ganz rational. Man darf aber davon ausgehen, dass Elektroautos oder andere alternative Antriebsarten sich zunehmend durchsetzen werden, wenn erst einmal die notwendige Infrastruktur vorhanden ist. Auch die Stromversorgung für die betreffenden Autos sollte nach Möglichkeit zu hundert Prozent grün sein. Diesbezüglich bleibt nicht nur in Luxemburg noch einiges zu tun.

P. Mersch: Man darf nicht vergessen, dass es bereits im 19. Jahrhundert Elektroautos gab. Die Technologie ist also nicht ganz neu. Für die Hersteller führt heute aber quasi kein Weg am Elektroantrieb vorbei, um die strengen CO2-Grenzwerte zu erreichen. Als Brückentechnologie eignet sich hier vor allem der Plug-in-Hybrid. Das Thema Batterie-Recycling darf man sicher nicht unterschätzen, aber ich bin zuversichtlich, dass man diese Probleme in den Griff bekommen wird. Ob der Elektroantrieb in fünf oder acht Jahren eventuell am Pranger steht, kann heute niemand voraussagen. Es wird in den nächsten Jahren aber bestimmt noch andere emissionsfreie oder fast emissionsfreie Technologien geben.

Seit dem 1. Januar können neben Elektroauto-Käufern auch Autofahrer, die einen Plug-in-Hybrid erwerben, von steuerlichen Vorteilen profitieren. Wie sinnvoll sind eigentlich solche Finanzspritzen?

P. Mersch: Da es sich lediglich um einen Steuernachlass handelt, ist der finanzielle Vorteil natürlich geringer als bei einer Prämie. Für manchen Autofahrer sind die 5 000 oder 2 500 Euro Steuervorteil aber wohl Anreiz genug, sich für ein E-Auto oder einen Plug-in-Hybrid zu entscheiden. Weitaus wichtiger ist aber definitiv ein Mentalitätswandel. Es ist in erster Linie eine Sache der Einstellung.

B. Kontz: Das Wesentliche ist sicher der Eigennutzen. Die wenigsten Menschen sind nun einmal bereit, in etwas zu investieren, das ihnen direkt kaum einen Nutzen bringt. Staatliche Förderungen sind aber prinzipiell eine gute Sache – vor allem in Bezug auf alternative Antriebe, da es hier darum geht, insbesondere jene zu unterstützen, die als erste auf eine neue Technologie setzen.

Im Oktober sind bekanntlich Landeswahlen. Was wünschen Sie sich von der nächsten Regierung?

P. Mersch: Der erste Wunsch ist erst einmal der, dass die Monate bis zu den Landeswahlen einigermaßen souverän über die Bühne gehen, ohne dass beispielsweise jemand mit eventuell sogar falschen Fakten auf Stimmenfang geht. Mit der aktuellen Regierung haben wir bisher sehr gut zusammengearbeitet. Eine Kontinuität dieser Arbeit wäre wünschenswert, und zwar unabhängig davon, welche Parteien am Ende die nächste Regierung bilden werden.

B. Kontz: Die individuelle Mobiliät ist aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Die demografische Entwicklung wird dazu führen, dass künftig wohl noch mehr Autos in Luxemburg unterwegs sein werden. Wir hoffen daher, dass die Politik auch weiterhin in die Straßeninfrastruktur investieren wird.


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