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Auf Entdeckungsreise im Wald, auf dem Wasser und an der Bar
Lifestyle 17 6 Min. 12.07.2022
Québec

Auf Entdeckungsreise im Wald, auf dem Wasser und an der Bar

Wer die Höhen entlang des Sankt-Lorenz-Stroms erklimmt, wird mit einer hervorragenden Aussicht belohnt.
Québec

Auf Entdeckungsreise im Wald, auf dem Wasser und an der Bar

Wer die Höhen entlang des Sankt-Lorenz-Stroms erklimmt, wird mit einer hervorragenden Aussicht belohnt.
Foto: Club Med
Lifestyle 17 6 Min. 12.07.2022
Québec

Auf Entdeckungsreise im Wald, auf dem Wasser und an der Bar

Michael JUCHMES
Michael JUCHMES
Ein Besuch im französischsprachigen Québec lohnt sich für alle, die die Natur lieben - und das flüssige Gold der kanadischen Provinz zu schätzen wissen.

Oh, ein Stachelschwein! Die Gruppe, die vor wenigen Minuten erst vom Hotelresort Club Med Québec-Charlevoix in Petite-Rivière-Saint-François – rund eine Stunde nordöstlich der Provinzhauptstadt Québec – aus gestartet ist, ist ganz hingerissen vom ersten und leider auch einzigen tierischen Kontakt an diesem Ausflugstag. Doch ganz richtig liegen die naturbegeisterten Wanderer, davon einige aus der Provinz, einige aus Europa, nicht: Das Tier, das ihnen hier über den Weg läuft, wird zwar auf Französisch „porc-épic“ genannt, ist aber in Wirklichkeit nur ein Stachelschweinverwandter. In diesem Fall: ein Urson – ein Baumstachelschwein. 

Doch das tut der Begeisterung keinen Abbruch: Die Wandergruppe schaut dem Nagetier, das offensichtlich noch ein Jungtier ist, fasziniert zu. Erst sorgt es in einem kleinen Unterstand für etwas Unordnung, dann klettert es einen Baum hinauf und wieder herab und verschwindet schließlich in den Tiefen des Waldes. 

Man hätte in der Theorie auch einen Bären antreffen können, erklärt Guide Alexandra etwas überraschend. „Aber die sind nur selten hier zu finden.“ Coyoten scheint es dagegen häufiger in die Nähe der Menschen zu ziehen, denn ihre Hinterlassenschaften säumen den Weg.   

Nach dem Zusammentreffen mit dem Baumstachler gehört die Aufmerksamkeit dann auch schon wieder dem eigentlichen Thema des Rundgangs durch den Wald, der sich über das kleine Skigebiet namens Massif de Charlevoix erstreckt: die Köstlichkeiten der Natur. Alexandra, die für das Unternehmen „Forêt gourmande“ arbeitet, das neben geführten Touren auch Produkte aus der Region anbietet, möchte den Besuchern, die nur selten fernab städtischer Siedlungsräume unterwegs sind, den Wald, der in öffentlicher Hand ist, näherbringen. „Es geht darum, ihn zu entdecken“, so die Natur-Expertin, „ohne ihn zu zerstören.“


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Das flüssige Gold Québecs 

Doch bei dieser Tour wird nicht nur gewandert, erklärt und gelauscht, sondern auch verkostet. Etwa die Früchte des Erlenpfeffers, die in Pulverform heißer Schokolade ein wenig Würze verleihen, und der sogenannte „Labrador Tea“ aus dem Engblättrigen Sumpfporst. Noch spannender und schmackhafter ist hingegen das, was mithilfe der Leitungen gewonnen wird, die sich an einer Stelle des Waldes von Baum zu Baum spannen: Ahornsirup – ein Produkt, das wie kein anderes für die Provinz Québec steht. 

Um diesen herzustellen, werden die Bäume regelrecht „angezapft“ – Plastikpipelines transportieren den Saft des Ahorns in Sammelcontainer. Dieser wird dann zigmal eingekocht, bis ein zähflüssiger Sirup entsteht, der zum Süßen von Speisen verwendet werden kann. Die Produktion im kleinen Wald neben dem Hotel wirkt nicht hoch kommerzialisiert – wer etwas weiter hineingeht, findet keine blauen Pipelines mehr vor. 

Alexandra schenkt der Truppe verschiedene Ahornsirup-Konzentrationen aus – später, am Verkaufsstand des Skigebiets, lässt sie die Gruppe auch noch Ahornbutter kosten, einen Brotaufstrich. Der Wortbestandteil „Butter“ täuscht, enthalten sind weder Fett noch Milchprodukte.

Im Club Med Québec-Charlevoix, der erst im vergangenen Dezember seine Tore öffnete und mit einem Blick auf den Sankt-Lorenz-Strom aufwartet, finden sich die zuvor entdeckten Lebensmittel unter anderem auf dem Frühstücksbuffet wieder. Am Abend hat man dann die Möglichkeit, weitere Produkte aus der Region zu kosten.   

Im resorteigenen Restaurant „Terroir & Co.“ wird Raclette serviert, was auf den ersten Blick ein wenig schweizerisch anmutet. Doch auch im französischsprachigen Kanada genießt man nicht nur an kalten Tagen europäische Gemütlichkeit – in Kombination mit Produkten, wie etwa Fleisch, aus der Umgebung. Regionales wird ebenfalls in der Gourmet-Lounge „Le Chalet“ serviert – dazu gibt es heimischen Cidre und Biere der umliegenden Mikrobrauereien. 


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Wer am Abend nicht zu tief ins Glas schaut, kann problemlos am nächsten Tag zum Whale Watching aufbrechen. Für die Ausflugsgruppe geht es zunächst mit dem Bus in Richtung Nordwesten, in den kleinen Ort Tadoussac. Hier, 150 Kilometer den Sankt-Lorenz-Strom hinauf, bietet sich Naturliebhabern eine weitere Möglichkeit, der Fauna des Gastlandes näherzukommen – und das unter bestmöglichen Bedingungen. 

Neugierige Belugas 

Das Wasser ist wenig aufgewühlt, große Schiffe sind nur selten anzutreffen – schneller zu finden sind dagegen die Wassersäugetiere, die sich im Mündungsgebiet des Flusses Saguenay aufhalten. Per Zodiac und ausgestattet mit oranger Schutzkleidung geht es für die Reisenden hinaus aufs Wasser, wo bereits nach wenigen hundert Metern Fahrt einige Belugas zu erblicken sind. Die Weißwale sind neugierig und kommen gerne an die Boote heran, wie Rosalia erklärt, die den Kapitän des großen Schlauchbootes mit dem Mikrofon unterstützt. 

„Wir dürfen uns aber nicht zu sehr nähern oder gar anhalten“, sagt Rosalia, „damit sich die Tiere weiterhin natürlich verhalten.“ Enger Kontakt sollte vermieden werden, damit die Belugas nicht vor lauter Aufregung und Freude über den Besuch den eigenen Nachwuchs und das Fressen vergessen. 

Auch zwei Finnwale und ein Buckelwal sind zu erspähen. Diese tauchen kurz auf und schnell wieder in die Tiefen des Sankt-Lorenz-Stroms hinab. Gestört scheinen sie sich nicht zu fühlen – interessiert sind sie aber auch nicht. Gleiches gilt für die Robben, die sich in den umliegenden Buchten sonnen. Ein kurzer Blick, genug Zeit für einen Schnappschuss mit dem Smartphone, und dann geht es wieder in den Ruhezustand. Und für die Reisenden mit interessanten Eindrücken und vielen Fotos zurück in den Club Med, wo ein stärkendes Abendessen, natürlich ohne Walfleisch, auf die Gäste aus Europa wartet.

Québec ist Natur pur – aber nicht nur, wie man spätestens bei einem Ausflug in die namengebende Provinzhauptstadt bemerkt, die im Kern mit zahlreichen historischen Bauten lockt. Das Bild der 530.000-Einwohner-Metropole prägt das Château Frontenac, das in der Oberstadt zu finden ist. Der Bau dient – wie schon seit seiner Erbauung im Jahr 1893 – als Hotel und ist ein Start- und Endpunkt für viele Führungen durch das alte Québec. Auch die meisten umliegenden Gebäude stammen aus dem 19. Jahrhundert. 


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Geschichte auf 420 Quadratmetern 

Die Gassen am Fuße der Cap Diamant genannten Landzunge, die in den Sankt-Lorenz-Strom hineinragt, zeigen noch mehr Geschichte: Hier sind einige Bauten zu finden, die noch aus früheren Jahrhunderten stammen, wie etwa die Kirche Notre-Dame-des-Victoires im Viertel Petit Champlain. Auf dem Weg dorthin passiert man ein riesiges Wandgemälde im Trompe-l’oeil-Stil: die „Fresque des Québécois“, die auf 420 Quadratmetern die bedeutendsten Persönlichkeiten abbildet, die die Region geprägt haben, wie etwa der große Entdecker Jacques Cartier und der französische Kolonisator Samuel de Champlain, der 1608 die Stadt Québec gründete. 

Nach der Erkundung des unteren Teils der Altstadt, die insgesamt nur 6.000 Einwohner zählt, geht es zurück in die Oberstadt – entweder zu Fuß oder mit dem „Funiculaire du Vieux-Québec“, der die 59 Meter Höhendifferenz problemlos überwindet. Und das übrigens schon seit 1879.

Oben angelangt, wartet dann in der Bar des altehrwürdigen Château Frontenac eine hochprozentige Erfrischung auf die modernen Entdecker: ein Québec Royal. Dieser Drink wurde 2017 offiziell von der Société des Alcools du Québec unter 1.000 Rezeptvorschlägen zum Cocktail der Region gekürt. Darin enthalten sind Wodka, Cassis-Likör, Cidre, Zitronensaft und natürlich Ahornsirup. Denn diese Zutat gehört für die Kanadier einfach zum Leben dazu – egal ob nun am Frühstückstisch oder am Abend in der Bar.

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