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Auf den Spuren der Berliner Mauer
Lifestyle 4 Min. 06.11.2019

Auf den Spuren der Berliner Mauer

Die Mauer wurde lange als Schandmal der Geschichte bezeichnet. Von einst 160 Kilometern sind heute nur noch wenige Teile übrig, wie hier im Mauerpark am Prenzlauer Berg.

Auf den Spuren der Berliner Mauer

Die Mauer wurde lange als Schandmal der Geschichte bezeichnet. Von einst 160 Kilometern sind heute nur noch wenige Teile übrig, wie hier im Mauerpark am Prenzlauer Berg.
Foto: Eric Hamus
Lifestyle 4 Min. 06.11.2019

Auf den Spuren der Berliner Mauer

Eric HAMUS
Eric HAMUS
Zum 30. Jahrestag der Grenzöffnung lädt Berlin auf neue und teilweise digitale Entdeckungsreisen ein.

Mitte der 1980er-Jahre: Ein Bus rollt langsam auf den Checkpoint Charlie zu, der Fahrer richtet sich kerzengerade auf. Wachposten versperren den Weg. Doch die Grenzkontrolle dauert keine Minute. Ein Mann in Uniform blättert in den Ausweisen, berät sich mit anderen Offizieren, reicht die Papiere zurück an den Busfahrer. Dann hebt sich die Schranke.

Nicht immer sei die Grenzkontrolle so glatt abgelaufen wie eben, betont Reisebegleiter Michael Hartmann. Die Fahrt geht weiter, über die Friedrichstraße zum Gendarmenmarkt, wo der Berliner Dom am Straßenrand sein Dasein fristet. Aus den Ruinen sprießt das Grün, am Straßenrand parken Trabis. Hier und da stehen Menschen herum. Alles in allem aber wirkt Berlin etwas trostlos an diesem grauen Nachmittag.

In einer virtuellen Busfahrt geht es vom Grenzübergang durch das Ostberlin der 1980er-Jahre.
In einer virtuellen Busfahrt geht es vom Grenzübergang durch das Ostberlin der 1980er-Jahre.
Foto: TimeRide

Über die Leipziger Straße mit ihren DDR-Prachtbauten geht es dann weiter zum Palast der Republik. Auf dem riesigen Parkplatz vor dem Sitz des ostdeutschen Parlaments stehen bereits Dutzende Busse. Der Fahrer reiht sich ein und stellt den Motor ab. „Endstation“, sagt Hartmann. Im Bus herrscht Stille. Die Passagiere lassen den den riesigen Stahlskelettbau mit weißer Marmorverkleidung und kupferfarbenen Thermoglasflächen auf sich einwirken. Ein Produkt des Kalten Krieges, wie zuvor bereits der Grenzübergang am Checkpoint Charlie.

Mit Zeitzeugen durch Ostberlin

Im Gegensatz zum Checkpoint Charlie aber wurde der Palast der Republik inzwischen vollständig abgerissen. Dass die Passagiere den Sitz des ehemaligen Parlamentes der Deutschen Demokratischen Republik überhaupt noch begutachten können, verdanken sie der neuesten Besucherattraktion der deutschen Hauptstadt: TimeRide Berlin. Pünktlich zum 30. Jahrestag des Mauerfalls können sich die Besucher der Stadt am Checkpoint Charlie auf eine virtuelle Zeitreise begeben.

TimeRide setzt auf Virtual-Reality, um die Gäste durch die einst geteilte Hauptstadt zu führen. Die Besucher nehmen in einem Bus Platz, setzen die VR-Brille auf und erhalten somit einen 360-Grad-Blick ins Berlin der 1980er-Jahre.

Einen lebendigen Ausflug in die Vergangenheit bietet das Unternehmen "TimeRide" am Checkpoint Charlie.
Einen lebendigen Ausflug in die Vergangenheit bietet das Unternehmen "TimeRide" am Checkpoint Charlie.
Foto: Eric Hamus

Zuvor aber müssen sie sich aus drei verschiedenen Charakteren einen Zeitzeugen wählen, der sie auf der Tour begleitet: Harry Liedeke aus Prenzelberg, einst schikanierter Bausoldat und später privilegierter Fliesenleger, Elke Makowski, die sich als Architektin mit dem DDR-System arrangiert hatte, und Michael Hartmann, der nach Berlin gezogen war, um den Wehrdienst zu umgehen. „Westberlin war eine Verheißung“, unterstreicht der Altpunk, während sich die Besucher ihre VR-Brille aufsetzen.

Geschichte auf neue Art vermitteln

Michael, Elke und Harry sind zwar fiktive Personen, doch was sie erzählen, basiert auf wahren Biografien. Mehr als 40 Zeitzeugen aus Ost- und Westberlin seien befragt worden, unterstreicht eine Unternehmenssprecherin. Mit Hilfe der VR-Brillen könne man Besuchern Geschichte auf eine ganz neue Art und Weise vermitteln.

Nach Köln und Dresden ist Berlin bereits die dritte Niederlassung des Unternehmens. Entsprechend stolz sei man, dass man die Attraktion noch rechtzeitig zum Jubiläum eröffnen konnte, sagt die Sprecherin. Virtual-Reality ist heute eine der wenigen Möglichkeiten, die Berliner Mauer noch „live“ zu erleben. Das Interesse am verhassten Bauwerk, das Berlin 28 Jahre lang auf einer Länge von 160 Kilometern abgeriegelt hat, ist zwar noch immer ungebrochen. Allerdings ist 30 Jahre nach der friedlichen Revolution fast nichts mehr davon übrig. An den meisten Stellen erinnern nur noch Metallplatten im Boden an den Verlauf.


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Die ersten Teile wurden noch am Abend des 9. November 1989 eingerissen. Zusammen tanzten die Einwohner aus Ost und West auf dem Bauwerk, während unter ihnen die ersten Brocken abgebrochen wurden. „Die Mauer muss weg“, hieß es lange. Und das Motto hielt an: Weg mit dem Beton, der die Stadt so lange auseinandergerissen hat. Den offizielle Beschluss, die Mauer abzureißen, fasste die DDR-Übergangsregierung am 29. Dezember des gleichen Jahres.

Teile für den Straßenbau

Viele Mauerteile wurden daraufhin geschreddert und als Baustoff für den Straßenbau verwendet. Einige Reste fanden sich später als Mahnmale in Israel, in Kapstadt oder vor dem UN-Hauptsitz in New York wieder. Die kleineren Brocken, die heute noch zum Verkauf angeboten werden, sind überwiegend Fälschungen. Wer also echte Mauerteile bewundern möchte, muss die offizielle Mauer-Gedenkstätte an der Bernauer Straße besuchen. Hier waren die Folgen des Mauerbaus besonders drastisch. Heute ist in dem Dokumentationszentrum neben originalen Grenzanlagen auch eine Foto- Ausstellung zu sehen, die zeigt wie Berliner gegen den Mauerbau protestierten oder sich Bekannte über die Absperrungen hinweg die Hand reichten.

Wer es aktiver mag, kann Teile des Berliner Mauerwegs abwandern. Auf insgesamt 160 Kilometern können die Spuren der ehemaligen Grenzanlagen und wichtige Erinnerungsorte erkundet werden.

Dazu sollte man sich „MauAR“ für das Smartphone herunterladen. Mit dem für das Jubiläum entwickelten Augmented-Reality-Dienst können die Besucher die Mauer an ihrem historischen Standort erkunden. In der App treten auch zwei fiktionale Charaktere auf, ein Junge aus Ost-Berlin und ein Mädchen aus dem Westen der Stadt, die über den Mauerbau und die Folgen aus ihrer Perspektive berichten. 


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