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Atlantikinsel Madeira: Frühlingsgefühle auf der „Blume des Ozeans“
Urlaubsfeeling pur überkommt die Besucher beim Blick über die Berge zum Pico do Arieiro.

Atlantikinsel Madeira: Frühlingsgefühle auf der „Blume des Ozeans“

Foto: SRT
Urlaubsfeeling pur überkommt die Besucher beim Blick über die Berge zum Pico do Arieiro.
Lifestyle 3 Min. 09.02.2018

Atlantikinsel Madeira: Frühlingsgefühle auf der „Blume des Ozeans“

„A trabalhar!“ schallt eine Stimme – an die Arbeit! Es ist früher Samstagmorgen, doch der Gipfel des 1 818 Meter hohen Pico do Arieiro, des dritthöchsten Bergs Madeiras, glüht schon. Rund 30 Helfer schwärmen über die Hänge der Insel aus, um sie wieder zu begrünen.

von Olivier Gerhard (srt)

Der Jüngste ist vier, der Älteste 85 Jahre alt: Die ehrenamtlichen Helfer hacken Löcher in den steinigen Boden des Berghangs, pflanzen Setzlinge, umhegen sie mit Steinwällen, wässern sie.

„Wir machen das so lange, bis wir die Bergwüste in eine Oase verwandelt haben“, sagt Raimundo Quintal – grauer Bart, dunkle Brille, Jeans. Der promovierte Geograf wirbelt hin und her, verteilt Ratschläge, packt mit an. Seit mehr als 20 Jahren kämpft er in der Vereinigung der „Freunde des ökologischen Parks Funchal“ dafür, dass die Gipfelzone des Pico do Arieiro wieder grün wird.

Mehr als 50 000 einheimische Bäume und Büsche haben sie bisher gepflanzt: Lorbeerbäume und Zedern-Wacholder, Baumheide, Strauchmargeriten und Madeira-Natternköpfe, deren Blüten die Berghänge jeden Frühling in ein sanftes Lila tauchen.

Bekanntester Umweltschützer der Insel

„Hier oben arbeiten wir ohne Subventionen und ohne EU-Mittel“, sagt Raimundo Quintal kämpferisch. Der 63-Jährige ist der bekannteste Umweltschützer der Insel: Er hat Bücher über Madeiras Flora geschrieben, tritt regelmäßig im Fernsehen auf und war acht Jahre lang Umweltstadtrat der Hauptstadt Funchal – bis er entnervt von der Politik das Handtuch warf.

Raimundo Quintal im „Parque Ecologico do Funchal“.
Raimundo Quintal im „Parque Ecologico do Funchal“.
Foto: SRT

Die karge Vegetation in Madeiras Bergwelt ist kein Phänomen der Neuzeit: Als portugiesische Seefahrer das damals unbewohnte Eiland 1419 in Besitz nahmen, war es von Urwald bedeckt – sie nannten es deshalb „Madeira“, Holz. Und machten sich gleich ans Roden, um Felder anzulegen. Sieben Jahre lang soll die Insel der Legende nach gebrannt haben. Die härtesten Hölzer verwendeten die Kolonisatoren, um Schiffe und Häuser zu bauen.

Mittagspause! Das Küchenteam verteilt dicke Weißbrotscheiben mit Hartkäse und Marmelade aus den „Uvas da Serra“, Blaubeeren, die hier in bis zu vier Meter hohen Büschen wachsen. Nun haben die Helfer endlich auch Zeit für einen Blick auf das Panorama: die Felszacken der umliegenden Gipfel, die schroffen Schluchten, den glitzernden Ozean in der Ferne.

Raimundo Quintal fährt indessen talabwärts: in das andere, das grüne Madeira. In einem verschlafenen Dörfchen schlägt der Geograf einen Pfad zwischen Natursteinmauern ein. Auf schmalen Terrassen wachsen hier Süßkartoffeln und Bananen, wilder Knoblauch sprießt unter Weinreben. Die weißen Blüten der Sumpfpflanze Calla wuchern wie Unkraut am Wegesrand, dazwischen leuchten rote Chilischoten.

Spinnennetze schimmern zwischen Mandarinen- und Olivenbäumen, es duftet nach Eukalyptusöl und verbranntem Holz. Hier erstreckt sich die üppige Bilderbuchinsel, die sich mit Beinamen wie „Blume des Ozeans“ und „Insel des ewigen Frühlings“ schmückt. Während es im übrigen Europa noch kalt und grau ist, überzieht ein Blütenmeer hier schon die Natur.

Kanäle mit über 2 000 Kilometer Gesamtlänge

Der steinige Pfad taucht nun in den berühmten Lorbeerurwald ein. Wasser rieselt leise durch Moose und Farne. Es sammelt sich in Becken, plätschert in Bächen die Steilhänge hinab und tost schließlich in einem Wasserfall in ein grünes Amphitheater. Steinwälle fangen das Nass ein und dirigieren es in einen schmalen Kanal. „Dies ist die Mutter der Levadas“, sagt Quintal.

Um den trockenen Süden Madeiras zu bewässern, legte man die „Levadas“ genannten Kanäle an, die sich über mehr als 2 000 Kilometer durch die Insel schlängeln. „Levadeiros“ kümmern sich darum, dass jeder Landwirt seinen Anteil an Wasser erhält. Neben dem Pastor und den Lehrern galten sie früher als die wichtigsten Männer im Ort. Heute müssen sie manchmal Wasserdieben ins Gewissen reden, die heimlich die Kanäle anzapfen.

Unterhalb des Waldes kleben Bauernhäuser an den Hängen, in ihren Vorgärten wetteifern Rosen, Lilien und Strelitzien im Farbspiel, abgefallene Azaleenblüten bilden einen rosa Teppich, der leise unter den Füßen knirscht. „Unsere Gärten sind unsere Visitenkarten“, sagt Raimundo Quintal, „wir Madeirer hatten schon immer einen grünen Daumen.“ Wenn er mit seiner Arbeit auf dem Pico do Arieiro fertig ist, wird auch die Bergwelt wieder blühen – ein weiterer Farbtupfer auf der Insel.


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