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Anna Wintour wird 70
Lifestyle 6 Min. 03.11.2019

Anna Wintour wird 70

Ihr Urteil fürchten sogar die ganz Großen der Modeszene: Anna Wintour verhalf bereits einigen Designern, darunter Michael Kors und Marc Jacobs, zum Erfolg.

Anna Wintour wird 70

Ihr Urteil fürchten sogar die ganz Großen der Modeszene: Anna Wintour verhalf bereits einigen Designern, darunter Michael Kors und Marc Jacobs, zum Erfolg.
Foto: Shutterstock
Lifestyle 6 Min. 03.11.2019

Anna Wintour wird 70

Nicole WERKMEISTER
Nicole WERKMEISTER
Die einflussreichste Stimme der Modewelt feiert ihren 70. Geburtstag und blickt auf ein bewegtes Leben zurück.

Dass persönliche Markenzeichen wichtig sind, hat sich Anna Wintour womöglich von ihrem langjährigen Weggefährten, dem im Februar verstorbenen Modezar Karl Lagerfeld, abgeschaut. Ihre Frisur, einen kinnlangen Bob mit Mittelscheitel und Pony, hat sie seit ihrem 15. Lebensjahr kaum verändert. Zu Attribut Nummer zwei, einer dunklen Sonnenbrille, greift die Chefredakteurin der US-Ausgabe des Magazins „Vogue“ in letzter Zeit des Öfteren. 

Im Interview mit dem US-amerikanischen Nachrichtensender CNN erklärte sie kürzlich, die Brille helfe ihr, wenn sie müde oder abgespannt aussehe. Während des Interviews hatte man auch keine Gelegenheit, ihr in die Augen zu sehen.

Der Teufel trägt Prada

Anna Wintour gilt als extrem ehrgeizig, anspruchsvoll und besonders pünktlich. Eigenschaften, die im 2003 erschienen Bestseller und dessen späterer Verfilmung „The Devil Wears Prada“ von Lauren Weisberger, Wintours ehemaliger persönlicher Assistentin, publikumswirksam herausgearbeitet wurden. Gespielt wird Anna Wintour alias Miranda Priestly im Film von Meryl Streep, Anne Hathaway verkörpert Lauren Weisberger als zunächst überforderte und letztlich geläuterte Assistentin, die sich nach einem kurzen Hoch aus der exzentrischen Welt der Mode zurückzieht.


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Den Weg in die „Front Row“ hat sich Anna Wintour hart erkämpft. Geboren wurde sie am 3. November 1949 im Londoner Stadtteil Hampstead als Tochter von Charles Vere Wintour, dem langjährigen Herausgeber des „Evening Standard“ und dessen US-amerikanischer Ehefrau Eleanor Trego Baker, Tochter eines Harvard-Jura-Professors. 

Dass man im Hause Wintour intellektuellen Anspruch pflegte, lässt sich an den Berufen von Annas Geschwistern ablesen: James Charles ist Generaldirektor des Gravesham Borough Council, Nora Hilary Direktorin der Public Services International in Genf und Patrick Walter Politikjournalist und politischer Herausgeber der britischen Tageszeitung „The Guardian“. Anna Wintours älterer Bruder Gerald verstarb 1951 im Alter von 14 Jahren nach einem Fahrradunfall.

Die Modeikone besuchte die North London Collegiate School, die sie mit 16 Jahren verließ. Sie entschied sich gegen den Besuch eines Colleges und absolvierte stattdessen eine Ausbildung bei Harrods in London. Ihre Karriere als Mode-Journalistin begann 1970 bei „Harper's Bazaar“, wo sie sich mit neuen, innovativen Locations für Modeaufnahmen hervortat. So stellte sie etwa Werke Auguste Renoirs und Claude Monets mit Models in Go-Go-Stiefeln nach. 1975 erhielt sie eine Stelle als Nachwuchs-Moderedakteurin bei „Harper's Bazaar“ in New York City. Gemeinsam mit ihrem damaligen Lebensgefährten, dem Journalisten Jon Bradshaw siedelte sie daraufin in die USA über. Dort witterte die stilsichere Britin endlich die Chance, aus dem Schatten ihres landesweit bekannten Vaters herauszutreten.

Doch schon nach neun Monaten erhielt sie aufgrund ihrer zu ausgefallenen Shootings die Kündigung. Im Nachhinein eine „großartige Erfahrung“, die sie gut vorangebracht habe, so Anna Wintour. Nach einem kurzen Zwischenstopp beim Magazin „Viva“ trennte sie sich von Bradshaw und begann eine zweijährige Beziehung mit dem französischen Plattenproduzenten Michel Esteban, während der sie ihre Arbeit ruhen ließ und zwischen New York und Paris hin und her pendelte. 

1980 kehrte Anna Wintour für das Frauenmagazin „Savvy“ zurück auf die journalistische Bildfläche. Während ihrer darauffolgenden Position als Fashion Editor des Magazins „New York“ stellte sie sich für einen Posten bei der US-„Vogue“ vor und beging einen Fauxpas: Sie erklärt der damaligen Chefredakteurin Grace Mirabella, dass sie eigentlich ihren Job haben wolle.

„Nuclear Wintour“

Schließlich bei „Vogue“ angestellt wurde Anna Wintour 1983 von Alex Liberman, Redaktionsleiter des Condé-Nast-Verlags, der für sie die Position des Creative Director schuf. Auch privat gab es Positives zu vermelden: Anna Wintour heiratete 1984 den 13 Jahre älteren Kinderpsychologen David Shaffer, mit dem sie zwei Kinder hat: Charles und Katherine, genannt „Bee“. Nach dem Ausscheiden von Grace Mirabella als Chefredakteurin der US-„Vogue“, übernahm Anna Wintour 1986 – wie zuvor gewünscht – deren Posten. 

Bob-Frisur und Sonnenbrille sind ihre Markenzeichen.
Bob-Frisur und Sonnenbrille sind ihre Markenzeichen.
Foto: dpa

Sie krempelte vieles um, stellte eine ganze Reihe an Kündigungen aus und machte sich in der Szene einen Namen als „Nuclear Wintour“. Unter ihrer Führung konzentrierte sich das Magazin wieder ausschließlich auf Mode. Das erste von Anna Wintour verantwortete Cover aus dem Jahr 1988 zeigt die damals 19-jährige Michaela Bercu in einem 10 000 Dollar teuren Oberteil von Christian Lacroix, kombiniert mit 50-Dollar-Jeans – fotografiert von Peter Lindbergh. Ein großes Risiko, das zu einem großen Erfolg werden sollte.

Mit Anna Wintour in führender Stellung gelang es der US-„Vogue“, in den 1990er-Jahren gegen „Elle“ und „Harper’s Bazaar“ zu bestehen und Marktführer zu bleiben. Anna Wintour setzte Trends und förderte neue Designer. „The Guardian“ nannte sie „Unofficial mayoress of New York City“ – also „die inoffizielle Bürgermeisterin von New York“ – und ihrem Einfluss sind auch Teile des Erfolgs von Designern wie John Galliano bei Christian Dior, Michael Kors oder Marc Jacobs zu verdanken. Für Letzteren organisierte sie einen Ballsaal im Plaza Hotel, damit der damals finanziell knapp bemessene Designer seine Mode präsentieren konnte.

Etwas schwieriger sah es Ende der Dekade in Anna Wintours Privatleben aus: 1999 ließen sich Anna Wintour und ihr Ehemann scheiden und die Presse erfreute sich an einer Affäre der noch verheirateten Anna Wintour mit dem ebenfalls verheirateten Investor Shelby Bryan, der Anna Wintour 2004 das Jawort gab. Beide sind bis heute ein Paar.

In den 2000er-Jahren war Wintour auch verantwortlich für die Einführung der drei Schwester-Magazine „Teen Vogue“, „Vogue Living“ und „Men's Vogue“, die sich jedoch als weniger erfolgreich erwiesen. Gerüchte um eine mögliche Nachfolge und ein Nachlassen ihrer Kreativität häuften sich 2008, worauf sich die eher medienscheue Mode-Diva dazu entschloss, nahbarer zu werden und häufiger als bisher öffentlich aufzutreten.


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Von der Queen ausgezeichnet

Ihr Erfolg als Chefredakteurin der US-„Vogue“ verhalf ihr schließlich zum Titel „Editor of the Year“. 2017 wurde Wintour von der britischen Königin in den persönlichen Adelsstand erhoben. Seitdem lautet ihr offizieller Titel „Dame Anna Wintour“, die es sich gar erlaubte, in Gegenwart der Queen eine Sonnenbrille zu tragen. Eigentlich ein absolutes „No Go“. Ab und an bezieht Anna Wintour nicht nur in Sachen Mode deutlich Stellung. 

Sie unterstützte Hillary Clinton während deren Präsidentschaftskandidatur und bekannte sich zuvor als großer Fan von Michelle Obama. Auch aus ihrer Einstellung zu Donald Trump macht Anna Wintour keinen Hehl. „Ich glaube, die Zeit erlaubt es nicht, keine Meinung zu haben“, erklärte Anna Wintour unlängst gegenüber CNN. „Wie jeder andere bei Condé Nast glaube ich daran, für das einzustehen, wovon man überzeugt ist. Man muss eine Meinung vertreten. In unserem Magazin zeigen wir Frauen, an die wir glauben.“

Der berufliche Alltag von Anna Wintour ist präzise durchgetaktet: Eigenen Aussagen zufolge steht die „Vogue“-Chefin um 5.30 Uhr auf, um Tennis zu spielen. Dann werden Haare und Make-up gemacht, bevor es ins Büro geht. Spätestens um 22.15 Uhr heißt es dann „gute Nacht“. Um ihre häufig wechselnden Outfits zu finanzieren, erhält Anna Wintour angeblich 200 000 US-Dollar zusätzlich im Jahr. Und so hartherzig, wie es oft scheint, sei sie gar nicht, wird sie von ihrer Tochter verteidigt: „Ich weiß, dass sie die großzügigste Person ist, die es gibt. Es klingt verrückt, aber sie stellt die Bedürfnisse der anderen immer vor ihre eigenen. Immer.“ 


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