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An der Quelle des Canal du midi
Lifestyle 4 Min. 08.01.2020 Aus unserem online-Archiv

An der Quelle des Canal du midi

Wellengang am Wasserreservoir von Saint Ferréol.

An der Quelle des Canal du midi

Wellengang am Wasserreservoir von Saint Ferréol.
Foto: Frank WEYRICH
Lifestyle 4 Min. 08.01.2020 Aus unserem online-Archiv

An der Quelle des Canal du midi

Frank WEYRICH
Frank WEYRICH
Die Montagne noire liefert das Wasser für den ehemals viel befahrenen Wasserweg. Ein Besuch im Südwesten Frankreichs.

Der Canal du midi ist für viele der Inbegriff für südländisches Flair überhaupt. Das 240 Kilometer lange Bauwerk verbindet das Mittelmeer mit dem Atlantik. Wobei diese Beschreibung nicht stimmt: Der eigentliche Kanal beginnt nämlich in Toulouse und durchquert den Süden bis hin nach Sête. Zur Bauzeit des Kanals entstand die Verbindung bis an den Atlantik über den Fluss Garonne, der bis nach Bordeaux fließt, um sich dann in die breite Gironde und ins offene Meer zu ergießen.

Erst rund 200 Jahre nach Eröffnung des Canal du midi wurde ein weiterer Kanal parallel zum Fluss gebaut, der „canal latéral de la Garonne“, der eine Schiffbarkeit abseits der unvorhersehbaren Launen des Flusses mit Trockenperioden oder Überschwemmungen ermöglichte.

Qualitätswerkzeug: Mit diesen Schiebern wurde ehemals der Wasserstand des Kanals geregelt.
Qualitätswerkzeug: Mit diesen Schiebern wurde ehemals der Wasserstand des Kanals geregelt.
Foto: Frank WEYRICH

Der Canal du midi hat mittlerweile an Bedeutung verloren. Für den Warentransport hat er seit 1989 ausgedient. Das letzte Schiff, das ihn für Handelszwecke benutzte, war ein Weintransporter mit dem treffenden Namen „Bacchus“. Heute erfüllt der Kanal seine Rolle vor allem für die Freizeitgestaltung und damit für den Tourismus. Hausboote schippern im Sommer von Schleuse zu Schleuse, und deren Passagiere genießen die Ruhe und die Landschaft. Berühmtheit erlangte er auch für seine Platanen, die ihn beidseitig auf weiten Teilen der Strecke säumen. Auf den alten Treidelpfaden kann man ausgiebige Wanderungen unternehmen oder mit dem Fahrrad die Gegend erkunden.

Hinaus in die Haute Garonne

In Toulouse beginnt der Verlauf des Kanals an den sogenannten Zwillingsbrücken, den Ponts jumeaux, um dann quer durch die Stadt zu verlaufen. Eine erste Besonderheit ergibt sich auf Höhe des Bahnhofs Matabiau, wo der Kanal derzeit überdeckt wird, um den Bahnhofsvorplatz zu vergrößern. Links und rechts stehen Wohnpeniche, in denen es sich ihre Bewohner gemütlich gemacht haben. Man könnte sich fast in den Niederlanden wähnen.

Durch eine lange Galerie geht es bis unter den See zur "salle des robinets".
Durch eine lange Galerie geht es bis unter den See zur "salle des robinets".
Foto: Frank WEYRICH

Anschließend lässt der Wasserlauf die Stadt hinter sich, vorbei an der Universität, dem Weltraumforschungszentrum und geht ins Land der Haute Garonne hinaus. Am Horizont taucht eine Hügelkette auf, und man fragt sich, wie man dieses Hindernis überwinden wird. Die Erbauer des Kanals, allen voran Pierre Paul Riquet, haben die Bedeutung der „Montagne noire“, wie die Hügelkette heißt, erkannt. Denn die 240 Kilometer Kanal müssen irgendwie mit Wasser gefüllt werden. Aus verschiedenen Wasserläufen wurde mit einem ausgeklügelten Netz an Staumauern und Zubringerkanälen, den „rigoles“, das Wasser für die Speisung des Kanals bereitgestellt.


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Das größte Reservoir ist der See von Saint Ferréol beim Städtchen Revel. Von hier aus wird das Wasser zum Scheitelpunkt des Kanals am sogenannten „Seuil de Naurouze“ geleitet und von dort je nach Bedarf auf die Seite des Mittelmeers umgelenkt – oder in Richtung Toulouse. Am See können die unterirdischen Einrichtungen besichtigt werden. In der „salle des robinets“ steht man, nur getrennt durch eine zwei Meter breite Mauer, unter Wasser. Mit der hier zu findenden Reglervorrichtung wurde die Wassertiefe im Kanal auf konstante 1,80 Meter gebracht. Heute erledigt diese Arbeit eine moderne, computergestützte Anlage in einem tieferen Schacht.

Der Kanal wird heute auch benutzt, um in der Landwirtschaft Felder zu bewässern. Dazu gibt es Pumpstationen entlang des Kanals. Wenn ein Landwirt eine dieser Anlagen benutzen will, muss er sich vorher mit dem Kanalbetreiber in Verbindung setzen, damit die Schüttung des Sees vergrößert wird. Die Gegend hat aber noch eine andere Besonderheit. Der Autanwind bläst besonders häufig und besonders stark. Dadurch kann der See einen erstaunlichen Wellengang entwickeln, der im Sommer das Badevergnügen beeinflusst.

Kleinod Revel

Der nahe gelegene Ort Revel besticht durch seine charakteristische Stadtanlage, eine Bastide. Um einen zentralen Platz, auf dem sich die überdeckte Markthalle befindet, sind Wohnhäuser über Arkaden angeordnet. Diese dienen nicht etwa dazu, den Menschen Schutz vor Wind und Wetter zu gewähren. Als die Häuser gebaut wurden, mussten die Eigentümer nur Steuern auf der bebauten Grundfläche zahlen. Um Steuern zu sparen, wurde deshalb kurzerhand kein Erdgeschoss gebaut.

Die Markthalle mit markantem Belfried im Stadtkern von Revel.
Die Markthalle mit markantem Belfried im Stadtkern von Revel.
Foto: Frank Weyrich

Heute bieten sie sich an als Kaufpassage und als Terrasse für die Ess- und Trinklokale. Dabei lässt sich vornehmlich ein Getränk genießen, auf das die Einheimischen besonders stolz sind, weil es seinen Ursprung hier im Ort hat: der Pfefferminzlikör der Gebrüder Get. 


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