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Alte Schönheitsformeln: Mit Blei im Gesicht
Lifestyle 4 Min. 09.03.2020

Alte Schönheitsformeln: Mit Blei im Gesicht

Schon die alten Ägypter verschönerten ihre Lippen mit Karmin, einem Farbstoff aus roten Kermesläusen. Heute wird es unter anderem noch zum Färben von Textilien, Kosmetik und Getränken verwendet. In der Auflistung von Inhaltsstoffen versteckt sich Karmin hinter dem Kürzel E120.

Alte Schönheitsformeln: Mit Blei im Gesicht

Schon die alten Ägypter verschönerten ihre Lippen mit Karmin, einem Farbstoff aus roten Kermesläusen. Heute wird es unter anderem noch zum Färben von Textilien, Kosmetik und Getränken verwendet. In der Auflistung von Inhaltsstoffen versteckt sich Karmin hinter dem Kürzel E120.
Foto: Shutterstock
Lifestyle 4 Min. 09.03.2020

Alte Schönheitsformeln: Mit Blei im Gesicht

In vergangenen Zeiten war Make-up nicht nur verschönernd, sondern auch lebensgefährlich. Die Läuse im Lippenstift waren dabei das geringste Problem.

von Christian Satorius

Wer heute beim Anblick von durch Schönheitsoperationen verpfuschte Gesichter das große Stirnrunzeln bekommt – oder dank Botox auch gerade nicht –, dem sei einmal ein Blick in die Geschichte der Schönheitspflege empfohlen. Auch wenn der eine oder andere Hersteller aktuell sicherlich noch Nachholbedarf in Sachen Inhaltsstoffe hat, so ist das nichts im Vergleich zu dem, was die Dame von Welt in früheren Zeiten auf Gesicht und Haare auftrug.

Schon der altägyptische Papyrus Ebers enthielt neben allerlei Zaubersprüchen zur Vertreibung krankmachender Dämonen auch das eine oder andere Rezept für die Schönheitspflege. Gegen graues Haar, so war dort zu lesen, helfe ein Gemisch aus gerösteten Eselshufen, das, neben einer guten Portion Hemet-Körnern, noch zwei Sorten von Würmern beinhalte, die allerdings zuvor erst noch in siedendem Öl zu kochen seien.

Wer nun meint, derlei Schönheitsrezepturen könnten wohl nur einem Mann einfallen, der kann sich diese Vermutung getrost abschminken. Auch Kleopatra, in Sachen Schönheit und Aufhübscherei geradezu legendär, empfahl in ihrem Handbuch für Kosmetik ganz frei heraus Gesichtspuder, der unter anderem aus dem Kot von Krokodilen bestand. Hollywood verfilmte dann aber doch lieber ihre berühmten Pflegebäder in Eselsmilch.

Make-up und Brechmittel zugleich

Ansonsten ging es im alten Ägypten relativ bunt zu. Die Damenwelt grundierte ihr Gesicht durchaus schon einmal in kräftigem Ockergelb, das bis ins Dunkelorange changieren durfte. Das Grün für die Augenlider enthielt vor allem Malachit, das auf Dauer nicht nur Nasen-, Mund- und Augenschleimhäute reizte, sondern auch als Brechmittel gern und viel genutzt wurde. Die typische schwarze Augenumrandung beinhaltete neben Ruß und Eisenoxid auch Manganoxid, das parkinsonähnliche Symptome verursachen kann, wie etwa Sprach- oder auch Bewegungsstörungen.

Im antiken Griechenland waren bunte Farben out und Weiß galt als todschick – im wahrsten Sinne des Wortes, denn „weißer als Elfenbein“, wie Homer so schön schwärmte, wurde das antike Antlitz eben nur dank hochtoxischem Bleiweiß. Die noble Blässe war dennoch derart beliebt, dass sie ganze Jahrhunderte überdauerte, bis weit ins 19. Jahrhundert hinein.

Bekanntestes Fashion-Victim dürfte wohl Königin Elisabeth I. gewesen sein, die ihre Kosmetik äußerst großzügig auftrug. Das hatte durchaus seinen Grund, denn das giftige Bleiweiß verursachte unschöne Abszesse auf der Haut, die aber nicht abheilen wollten, solange immer wieder neues Bleiweiß nachgeschminkt wurde. Irgendwann wollte die modebewusste Königin ihr eigenes Gesicht dann aber selbst nicht mehr sehen: Sie ließ im Palast alle Spiegel abhängen, was anscheinend naheliegender war, als auf das von ihr heiß geliebte Bleiweiß zu verzichten.

Eine Zeitgenossin von Elisabeth I. machte ebenfalls durch ihre Schönheitspflege von sich reden: Katharina von Medici. Ihre Lippen und Wangen färbte sie als eine der ersten Europäerinnen überhaupt mit dem damals funkelnagelneuen Spanischen Rot, das so hieß, weil es aus Cochenilleschildläusen gemacht war, die spanische Kaufleute in Folge der Konquistadoren aus dem damals gerade entdeckten Amerika mitbrachten. Das schöne Scharlachrot oder auch Karminrot der Schildläuse findet selbst heute noch Verwendung in der Kosmetik- und Lebensmittelindustrie – unter anderem in Lippenstiften, aber auch als Lebensmittelzusatz E120 –, wird dort aber immer häufiger durch synthetische Farbstoffe ersetzt, was nicht nur die Läuse freuen dürfte.


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Aber auch das wunderschöne Cochenillerot konnte nicht verhindern, dass Spanien wie auch Italien von einer neuen aufgehenden Sonne am Modehimmel überschattet wurden: Frankreich stieg während der Herrschaft des Sonnenkönigs Ludwig XIV. zum absoluten Modetrendsetter Nummer Eins auf. Dort galt: Baden verboten! Schließlich konnte man ja nie wissen, welche Krankheitserreger sich im Wasser befanden. Dafür wurde sich großzügig an Parfüms, Puder, Schminke und Co. bedient. Kleine Schönheitsflecken aus Leder, Samt und Seide wurden äußerst beliebt, und die Frisuren türmten sich in immer atemberaubendere Höhen auf. Gepudert wurden sie unter anderem mit derartigen Mehlmengen, dass zeitgenössische Kritiker des Hofes vorrechneten, wie viele Menschen man damit hätten ernähren können, schließlich litten etliche Untertanen Hunger.

Quecksilber als Heilmittel

Die Französische Revolution und überhaupt die Aufklärung sorgten dann für frischen Wind in der Schönheitspflege. Mit den aufkommenden Wissenschaften wuchsen auch die Erkenntnisse über die Gefährlichkeit mancher Inhaltsstoffe, was allerdings deren Beliebtheit zunächst keinen Abbruch tat. Die Damenwelt zupfte sich den Haaransatz, um mit vermeintlich hoher Stirn ein wenig gelehrter zu wirken. Im 19. Jahrhundert hielt dann die Industrialisierung Einzug in die Kosmetikbranche, was allerdings keinesfalls automatisch zu gesundheitsfreundlicheren Produkten führte.

Sommersprossen konnte man nun mit Hilfe von hochgiftigem Quecksilber entfernen. Das funktionierte sogar, zumindest für kurze Zeit. Mundwasser wurde bald mit Radium versetzt, was allerdings nicht nur den üblen Mundgeruch, sondern auch gleich noch das Zahnfleisch vertrieb.

Im 20. Jahrhundert erfreute sich das Haarefärben wachsender Beliebtheit, wobei allerdings manchmal die Haare ein wenig zu kurz kamen – oder besser gesagt: einfach ausfielen. So war es beispielsweise keine wirklich gute Idee, einen Bleikamm kurz in Essig zu tunken und sich damit dann die Haare zu kämmen. Zwar wurden die Haare in der Tat bei jedem Durchgang etwas dunkler, was für einen natürlichen Effekt sorgte, nur leider war das giftige Blei dem Haarwuchs nicht gerade förderlich.

Die damaligen Bleivergiftungen konnte man sehr schön an dem dunklen Saum des Zahnfleischs erkennen, den Experten auch gerne als Bleisaum bezeichneten. Augenentzündungen und nervöse Kopfschmerzen gab es gratis dazu. Aber das war einmal: Die meisten Kosmetikprodukte sind heute ungefährlich – zumindest in den handelsüblichen Mengen. 


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