Alles im Gleichgewicht

Fragen an die Feng-Shui-Expertin

Raum-Gestalterin Ulrike Moutty im Gespräch

Referenzobjekt: Feng-Shui-Gestaltung von Ulrike Moutty
Referenzobjekt: Feng-Shui-Gestaltung von Ulrike Moutty
Foto: Privat

Interview: Nicole Werkmeister

Frau Moutty, wie nennt sich Ihr Beruf? Ist Feng-Shui-Beraterin die richtige Bezeichnung?

Nach einer Berufsbezeichnung habe ich lange gesucht, denn es ist tatsächlich ein neuer Beruf. Ich plane und gestalte Räume, Gärten und Architektur nach den besonderen harmonischen Prinzipien des Feng Shui. Wir haben im Westen viele Jahre der Feng-Shui-Entwicklung gebraucht, um eine für uns gute anwendbare Form zu finden. Ich würde mich heute einfach als Raum-Gestalterin bzw. Planerin und Feng-Shui-Expertin bezeichnen.

Feng-Shui-Expertin Ulrike Moutty
Feng-Shui-Expertin Ulrike Moutty
Foto: Privat

Wenn Sie Skeptikern begegnen: Wie entkräften Sie deren Meinung, Feng Shui sei „Hokuspokus“?

Tja, Skepsis hatte ich selbst viele Jahre und es brauchte Zeit, bis ich mich auf diese Art zu denken einlassen konnte. Wir im Westen wollen alles mit der Logik und dem Verstand erklären, und so war es auch für mich zunächst reine Theorie. Ich bin von Natur aus neugierig und stelle Fragen und habe im Feng Shui stimmige Antworten gefunden. Also: Skeptiker sind mir willkommen. Durch meinen eigenen Weg kann ich das Prinzip heute sehr gut erklären, auch den Männern!

Stimmt es, dass man anhand des Geburtsjahres die ideale Schlafrichtung bestimmen kann? Wie erklärt sich das?

Ja, das ist tatsächlich ein interessanter Aspekt für Bett- und auch Arbeitsplätze. Durch das Magnetfeld unserer Erde, in dem wir so selbstverständlich leben, gibt es günstige Richtungen, die einen Menschen fördern und eben auch Positionen, die ihn eher schwächen. Um einen guten Bettplatz bzw. Arbeitsplatz zu planen, schauen wir nach diesen Erd- und Magnetkräften in einem Raum sowie nach der individuellen Persönlichkeit und stimmen dies aufeinander ab. In der westlichen Geomantie empfiehlt man, mit dem Kopf in Richtung Norden zu liegen, in der indischen Tradition liegt man nach Süden und in der Feng- Shui-Tradition schaut man noch differenzierter auf das Individuum.

Werden Sie in erster Linie von Privatpersonen oder öffentlichen Einrichtungen angefragt?

Das ist verschieden. Es sind vor allem Privatpersonen, die gerne diese natürliche und harmonische Weise in ihren Häusern erleben möchten, neu planen bzw. bauen. Es scheint eine neue Generation von jungen Menschen interessiert zu sein. Das war vor zehn Jahren noch anders. Da sollte alles schnell und modern sein. Die 30-Jährigen von heute sind hier schon bewusster. Es sind auch diejenigen, die das zweite oder dritte Mal bauen und Wert auf Gesundheit und innere Harmonie legen. Besondere Erfahrung habe ich mit Schulen im Ganztag gesammelt oder mit Behörden bzw. Firmen und ihren Großraumbüros. Raumgestaltung kann ganz gezielt Stress und Spannung reduzieren und so ein harmonischeres Arbeiten unterstützen.

Referenzobjekt: Wohnraumgestaltung nach Feng Shui von Ulrike Moutty
Referenzobjekt: Wohnraumgestaltung nach Feng Shui von Ulrike Moutty
Foto: Privat

Was sind die häufigsten räumlichen Probleme, die Sie lösen sollen?

Stress, Anspannung, Überforderung, „nicht ankommen können“. Das alles führt zu Entfremdung und man verliert den Kontakt. Gerade im Büro und an Schulen, öffentlichen Einrichtungen geht es schnell und hektisch zu. Hier für eine räumliche Entschleunigung zu sorgen, stärkt das soziale Miteinander, die Kommunikation und vermeidet Fehler. Das Feng Shui hat mich gelehrt zu verstehen, wie Raumgestaltung auf den Menschen, sein Verhalten und seine Psyche wirkt. Feng Shui ist also auch Raum-Psychologie und so weiß ich, wie man Räume für die lebenswichtigen Gefühle von Geborgenheit und Wohlbefinden plant. Übrigens: Im Althochdeutschen bedeutet „wohnen“ (ahd. „wonên“) noch: „zufrieden sein“, „wohnen“, „sein“, „bleiben“.

Worauf sollte man besonders achten, wenn man ein Haus oder ein Apartment einrichtet?

Wenn Sie einen guten Ort für Ihr Sofa suchen, dann schauen Sie nach einer durchgehenden Wand und nutzen Sie die „Geometrie der Geborgenheit“ Ihres Raumes, auch bekannt als „Lehnstuhl-Prinzip. Stellen Sie Ihr Sofa also bitte nicht mitten in den Raum, so fehlt der Schutz. Nutzen Sie die Wand und stellen Sie z.B. ein kleines Tischchen mit Lampe auf die linke Seite und eine starke gesunde Pflanze an die rechte Seite. So haben Sie einen guten Blick auf den Raum, links und rechts und im Rücken geschützt. Das unterstützt unseren tiefen Wunsch nach Geborgenheit. Es ist ein Urprinzip, das wir bereits im Mutterleib erfahren haben und es ist gerade deshalb ein Urbedürfnis, das wir suchen und brauchen!

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