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Afrolook im Kinderzimmer
Lifestyle 3 Min. 22.05.2019 Aus unserem online-Archiv

Afrolook im Kinderzimmer

Drei Puppen aus der Sibahle Collection: eine Puppe mit Afrohaaren, eine Puppe mit Albinismus und eine Puppe mit Vitiligo.

Afrolook im Kinderzimmer

Drei Puppen aus der Sibahle Collection: eine Puppe mit Afrohaaren, eine Puppe mit Albinismus und eine Puppe mit Vitiligo.
Foto: dpa
Lifestyle 3 Min. 22.05.2019 Aus unserem online-Archiv

Afrolook im Kinderzimmer

Die Frage, wie Puppen aussehen sollen, bietet viel Stoff für Diskussionen – auch Eltern in Afrika kennen das Problem.

(dpa) - Als ihre dreijährige Tochter aus dem Kindergarten kam und verkündete, sie wünsche sich glattes, seidiges Haar, hatte die Südafrikanerin Khulile Vilakazi-Ofosu die Nase voll von westlichen Schönheitsidealen. Ihre Tochter mit den Afrolocken wollte so aussehen wie die Barbies und Puppen, mit denen sie spielte. „Als wir Kinder waren, hat man uns eingeflößt, dass es nur ein Schönheitsideal gibt: blonde, lange, glatte Haare“, sagt die Mutter. Lange habe sie das Spielzeug ihrer Tochter gar nicht richtig wahrgenommen. Aber als die Dreijährige sich glatte Haare wünschte, habe sie gewusst: „Es muss sich etwas ändern.“

Puppen nach echten Vorbildern

Kurz entschlossen gründete Vilakazi-Ofosu mit der Sibahle Collection ihre eigene Spielzeugfirma. Sie wollte Puppen herstellen, die so aussehen wie die Kinder, die mit ihnen spielen. „Wir beschlossen, dass unsere Marke von denen repräsentiert werden sollte, die von der Schönheitsindustrie marginalisiert werden.“

Neben Puppen mit Afrohaaren stellt ihre Firma auch Puppen mit Albinismus her – einem Pigmentmangel, der sich mit heller Haut bemerkbar macht. Kinder mit Albinismus würden oft von Gleichaltrigen gemobbt, die sie für „hässlich“ oder „verhext“ hielten, erklärt Vilakazi-Ofosu. Deshalb werden Albino-Kinder in Afrika auch zum Angriffsziel für abergläubige Menschen. Manche werden entführt und ausgeschlachtet, weil sie über magische Kräfte verfügen sollen.

Gegen solche Vorurteile kämpft aber nicht nur die Sibahle Collection mit ihrem Laden in Johannesburg. Auch Malaville Toys in Kapstadt produziert Albino-Puppen sowie Puppen mit besonders dunkler Haut. „Oft werden sehr dunkle Menschen in ihren eigenen Gemeinden wegen ihrer Hautfarbe gehänselt“, sagt Firmengründerin Mala Bryan.

Khulile Vilakazi-Ofosu (l.) und Caroline Hlahla, Gründerinnen der Sibahle Collection.
Khulile Vilakazi-Ofosu (l.) und Caroline Hlahla, Gründerinnen der Sibahle Collection.
Foto: dpa

Albinopuppen für Erwachsene

Auf der Instagram-Seite der Sibahle Collection teilen Eltern Bilder ihrer Kinder mit deren neuen Puppen. Auf einem Video sei etwa ein kleines Mädchen zu sehen, das beim Auspacken einer Puppe völlig außer sich sei vor Freude, „weil sie zum ersten Mal sich selbst sieht“, sagt Vilakazi-Ofosu. Die Albino-Puppe kaufen auch viele Erwachsene für sich selbst“, fügt sie hinzu. Viele Kunden wünschten, sie hätten als Kinder so eine Puppe gehabt.

Inzwischen gibt es auch eine Puppe mit Vitiligo, auch als Weißfleckenkrankheit oder Scheckhaut bekannt. Vilakazi-Ofosu hat sie zusammen mit ihrer Geschäftspartnerin Caroline Hlahla aus Simbabwe entworfen. Von schwarzen Puppen, die sie zuvor auf dem Markt gefunden habe, sei Vilakazi-Ofosu nur wenig beeindruckt gewesen. Viele hätten nicht wie afrikanische Kinder ausgesehen. Das Problem, kindgerechte Puppen zu finden, ist auch Eltern in anderen Ländern bekannt, wo die spindeldürre, großbusige Barbie seit langem diskutiert wird. Studien hätten gezeigt, dass Puppen mit verzerrten Körpermaßen ein gestörtes Körperbild oder Magersucht bei Mädchen begünstigen könnten, erklärt Genderforscherin Stevie Schmiedel von der Protestorganisation Pinkstinks.


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Barbie wird 60
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Weiße Barbie bleibt

Zwar machen inzwischen auch herkömmliche Spielzeughersteller die Vielfalt zum Programm. So bietet etwa der US-Spielzeugriese Mattel in seiner „Fashionistas“-Serie Barbie-Puppen mit vier verschiedenen Körperproportionen, neun Hautfarben, vier Augenfarben, elf Haarfarben und elf verschiedenen Frisuren an. Aber die Kunden kauften sie kaum, sagt die Geschäftsführerin von Pinkstinks. „Nach wie vor ist auch durch Instagram und durch ,Germany's Next Top Model‘ die Nachfrage nach der sehr schlanken und klassischen Barbie weiter da.“

In Afrika kommt noch das Erbe der Kolonialgeschichte dazu. Weil weiße Haut und glatte Haare noch immer als erstrebenswert gälten, gäben junge Frauen viel Geld für schädliches Hautbleaching und das Glätten ihrer Haare aus, erklärt Schmiedel. „Da geht es ganz dringend darum, gerade bei afrikanischen Mädchen, aber auch bei Jungen, mehr Selbstbewusstsein zu schaffen und ihnen das Gefühl mitzugeben: Wir sind schwarz, und wir können stolz darauf sein.“

Weniger sexualisiert

Auf der Webseite von Mattel finden sich auch schwarze Barbies mit Afrohaaren. Die sehen aber ganz anders aus als die Puppen der Sibahle Collection. „Wir wollten eine Puppe mit einer flachen Nase und runden Wangen, die wie ein Kind aussehen und nicht zu sehr sexualisiert wird“, sagt Vilakazi-Ofosu. Zudem sind die Kleider der Puppen aus knallbunt bedruckten heimischen Stoffen gemacht.

Leisten können sich die außergewöhnlichen Puppen aber nur wenige in Südafrika, weil die beiden heimischen Spielzeugmacher im Ausland produzieren. Das treibt die Kosten in die Höhe. Bei Malaville Toys kostet eine Albino-Puppe 350 Rand (22 Euro), eine Puppe der Sibahle Collection gar 440 Rand (28 Euro). „Wir hoffen auf eine Zusammenarbeit mit Nicht-Regierungsorganisationen“, sagt Vilakazi-Ofosu. Mit der Unterstützung der Öffentlichkeit wolle sie einige ihrer Puppen an Menschen spenden, die sie wirklich brauchen.


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