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Afrikas sagenhafte Mondberge
Lifestyle 4 Min. 20.04.2018

Afrikas sagenhafte Mondberge

Blick vom Hunwick's Camp
auf knapp 4000 Metern in 
Richtung Bergmassiv – auf den Spitzen liegt feiner Schnee wie Puderzucker.

Afrikas sagenhafte Mondberge

Blick vom Hunwick's Camp
auf knapp 4000 Metern in 
Richtung Bergmassiv – auf den Spitzen liegt feiner Schnee wie Puderzucker.
Foto: dpa
Lifestyle 4 Min. 20.04.2018

Afrikas sagenhafte Mondberge

Im Herzen Ostafrikas liegen die Mondberge, das höchste nichtvulkanische Gebirge des Kontinents: Ruwenzori. Die legendäre, unwirkliche Landschaft entschädigt für alle Mühen.

von Philipp Laage (dpa)

Wenn sich der Nebel in den Mondbergen lichtet, zeigt sich eine scheinbar urzeitliche Version dieser Welt. Lobelien und Senezien ragen bis zu vier Meter in die Höhe. Flechten hängen an den Ästen der Bäume wie Bärte schweigsamer Naturgeister. Sümpfe, Feuchtigkeit, nasse Erde, schier undurchdringliches Grün: Die Landschaft wirkt im Sinne des Wortes sagenhaft. Ruwenzori heißt dieses Gebirge auf der Grenze von Uganda und dem Kongo in Ostafrika. Seine höchsten Gipfel messen mehr als 5 000 Meter und sind noch vergletschert. Schlammige Pfade führen durch enge Täler. Ohne Gummistiefel geht nichts. Übernachtet wird in Hütten ohne Strom und Wasser oder in Zelten.

"Die Herausforderungen sind das steile Terrain mit Matsch und rutschigen Stämme, die Höhe, die Wetterbedingungen und die körperliche Fitness", sagt Richard Dramaza, 33. Er ist einer der beiden Bergführer auf dieser einwöchigen Trekkingtour. Der andere ist Samuel Ociti, 31, mehr der Typ Draufgänger.

Die Riesenlobelien im Ruwenzori-Gebirge überragen den Menschen locker.
Die Riesenlobelien im Ruwenzori-Gebirge überragen den Menschen locker.
Foto: dpa

Aufbruch in Kilembe. Das kleine Dorf westlich der Stadt Kasese besteht aus Kirche, Schule und einfachen Hütten. Die heimischen Bakonjo sind vor allem Bauern. Auf den Feldern rund um das Dorf pflanzen sie Bohnen, Kaffee und Maniok an.

Die Agentur Rwenzori Trekking Services betreibt in Kilembe ein Gasthaus. Der von ihr unterhaltene Kilembe Trail wurde 2008 eröffnet. Vorher waren fast alle Touristen auf dem nördlicheren Central Circuit Trail unterwegs. Beide Routen treffen unterhalb des Mount Stanley aufeinander. Ziel ist der 5 109 Meter hohe Margherita Peak. Die Bakonjo glauben, dort wohne das Götterpaar Ketasamba und Nyabibuya. Wenn es sich bewegt, heißt es, lösen sich Steine. Diese Gefahr ist noch fern. Die Vegetation ist dicht und üppig. Lianen umschlingen die Tropenbäume des Bergwalds. Auf einem Ast im Gebüsch hockt ein dreihörniges Chamäleon.

Das dreihörnige Chamäleon sieht aus wie ein Miniatur-Dinosaurier.
Das dreihörnige Chamäleon sieht aus wie ein Miniatur-Dinosaurier.
Foto: dpa

Ein strapaziöser Aufstieg

Richard und Samuel laufen plaudernd voran. Wo der Nationalpark beginnt, betreibt die Uganda Wildlife Authority einen Rangerposten. Danach wird der Pfad steil. Unten im Tal rauscht ein Fluss. Auf 2 500 Metern beginnt die zweite Vegetationsstufe, der Bambuswald. Dicht und haushoch stehen die Stämme. Der erste Trekkingtag endet nach sechs Stunden Wanderung im Kalalama Camp auf 3 134 Metern mit einem heftigen Platzregen.

Am folgenden Morgen verlässt man endgültig die Spuren der Zivilisation und betritt eine kaum zugängliche Welt des Nebels, durchsetzt von Bächen und Tümpeln, überzogen mit Heidekraut und mythisch anmutenden Riesengewächsen. Immer wieder bleiben die Gummistiefel im Matsch stecken. Der Tourismus hatte es lange schwer. Während des Zweiten Kongokrieges schloss die Regierung Ugandas den Nationalpark. In dem Unesco-Weltnaturerbe operierten Rebellengruppen. 2001 wurde der Park wieder für ausländische Besucher geöffnet.

Bonus wenn der Gast oben ankommt

Auf dem Weg zum Bugata Camp lichtet sich die Vegetation mehr und mehr, je höher man aufsteigt. Die alpine Zone kommt näher. Abends fällt der Blick vom Lager auf 4 062 Metern über das Namusangi-Tal mit seinen Gletscherseen. Es wird schnell dunkel, und die Träger kochen Reis und Gemüse. Ohne sie wäre ein Trekking im Ruwenzori nicht möglich. Von der Agentur erhalten sie pro Tag vier bis fünf US-Dollar. Bergführer bekommen jeweils neun bis zwölf Dollar pro Tag. Erreicht der Gast den Gipfel, gibt es einen Bonus. Aber das ist hier noch längst nicht ausgemacht.

Wilder Bach entlang des Weges zum Bugata Camp – neblig und verwunschen sieht die Natur im Ruwenzori aus.
Wilder Bach entlang des Weges zum Bugata Camp – neblig und verwunschen sieht die Natur im Ruwenzori aus.
Foto: dpa

Schlüpfrig ist der Steig hinauf zum Bamwanjara-Pass (4 450 Meter) am Tag darauf. Der Regen hat den Weg in einen Bach verwandelt. Steiler noch ist der Abstieg durch einen nebelverhangenen Senezienwald. Hier zeigen sich für ein paar Minuten die höchsten Gipfel des Ruwenzori: zackige, schneebedeckte Felstürme. Wenig später fällt der Blick auf einsame Bergseen inmitten grüner Hänge. Der Wanderpfad biegt nun zum Stanley-Massiv nach Nordosten ab. Eine weitere Übernachtung im Hunwick's Camp wird fällig, bevor die letzte Tagesetappe vor der Gipfelnacht ansteht. Unverändert sumpfig und feucht führt der Weg vorbei an den Kitandara-Seen hinauf zum höchsten Lager.

Um drei Uhr nachts betritt Richard das mannshohe Zelt mit den Stockbetten. Zeit, den warmen Schlafsack zu verlassen. Schneeflocken flirren im Lichtkegel der Stirnlampe. Das Gestein ist glatt. Nach gut einer Stunde folgt der erste Gletscher. Danach seilt Samuel über eine steinschlaggefährdete Felsrinne bis zum Fuß des Margherita-Gletschers ab. Die Nacht verschwindet langsam, die Wolken bleiben. Die letzten Höhenmeter zum Gipfel führen in leichter Kletterei über verschneite Felsen. Hier wird auf einmal die Sicht frei. Schmales Blau markiert den Horizont im Osten. Was fühlt man hier oben, so entrückt von der Welt? Erschöpfung, Erleichterung, Erhabenheit. Und Hochachtung vor dem mühsamen Weg zurück in die Zivilisation.


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