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Abu Dhabi: Zwischen Sandsurfen und Wasserrutsche
Lifestyle 5 Min. 05.02.2020

Abu Dhabi: Zwischen Sandsurfen und Wasserrutsche

Die Scheich-Zayid-Moschee ist weit über die Grenzen Abu Dhabis hinaus bekannt. Sie gilt als größte Moschee in den Vereinigten Arabischen Emiraten und ist auch unter den größten der Welt vorne mit dabei.

Abu Dhabi: Zwischen Sandsurfen und Wasserrutsche

Die Scheich-Zayid-Moschee ist weit über die Grenzen Abu Dhabis hinaus bekannt. Sie gilt als größte Moschee in den Vereinigten Arabischen Emiraten und ist auch unter den größten der Welt vorne mit dabei.
Foto: Shutterstock
Lifestyle 5 Min. 05.02.2020

Abu Dhabi: Zwischen Sandsurfen und Wasserrutsche

Geraldine FRIEDRICH
Geraldine FRIEDRICH
Die Hauptstadt der Vereinigen Arabischen Emirate, Abu Dhabi, lockt Familien mit Wüstenmuseum, Safaris und Wasserparks. Spaß für große und kleine Reisende ist hier garantiert.

Von Geraldine Friedrich

„Ich lasse jetzt Luft aus den Reifen“, erklärt Fahed auf einem Parkplatz außerhalb Abu Dhabi Citys. Am Horizont erheben sich bereits die ocker-orange leuchtenden Dünen der Wüste. Tim erkundet derweil im Sand die Überreste eines zerfetzten Autoreifens. „Seid ihr angeschnallt?“, will Fahed wissen. Klar. Wüstensafari – was immer man sich unter diesem harmlos klingenden Wort vorstellt, die Realität verschlägt einem die Sprache. Dank Allrad fährt das Auto die Düne hoch. Erst oben auf dem Dünenkamm, genauer, in der Sekunde, in der die Vorderräder frei in der Luft schweben, wird klar, was nun kommt. Es geht bergab. Und zwar steil. Dann wieder bergauf. Und dann wieder bergab. Das Kind juchzt, von Mama ertönt hysterisches Gekicher. Papa Michael stützt sich stumm am Armaturenbrett ab. Der Magen entwickelt ein gewisses Eigenleben – jetzt tief ein- und ausatmen, wozu macht man Yoga. Der Spaß dauert 30 Minuten. 

Fahed vergisst derweil nicht zu erwähnen, dass er in der Wüste aufgewachsen ist und den dafür notwendigen Fahrstil quasi von Kindesbeinen aufgesogen hat. Kaum im Wüstencamp angekommen, stürzt sich der Nachwuchs auf die Kamele. Dreimal dreht Tim eine Runde, einmal mit Papa, zweimal ohne und strahlt. Hinterher merkt er an, dass es sich um keine Kamele (zwei Höcker!), sondern Dromedare (ein Höcker!) handelt. 50 Meter entfernt probiert Tim danach, eine Düne hinabzusurfen. Und wem die Geländefahrt noch nicht gereicht hat, der kann sich per Quad in die Dünen stürzen.

Im „Desert Learning Center“ können Groß und Klein die Flora und Fauna der Wüste erforschen.
Im „Desert Learning Center“ können Groß und Klein die Flora und Fauna der Wüste erforschen.
Foto: Shutterstock

Sonne, Meer und Berge

Neben Wüste verfügt Abu Dhabi über eine Gebirgskette im Osten und eine makellose Küste mit flachen Stränden am Persischen Golf. Noch vor hundert Jahren gehörte letztere ausschließlich den Perlenfischern, die mit vorbeiziehenden Karawanen handelten. Die Erfindung der Perlenzucht durch die Japaner brachte diesen Wirtschaftszweig allerdings 1930 zum Erliegen. Die historische Wiege des Emirats liegt im Landesinneren, in einer Oase namens Liwa. Von dort zogen einst die Stämme der Bani-Yas, von denen auch die heutige Herrscherfamilie Al Nahyan abstammt, zur Jagd in Richtung Küste. 

Im Jahr 1761 sollen sie dort eine Gazelle verfolgt haben. Die Gazelle (= arabisch „Dhabi“) entdeckte wiederum eine Wasserstelle. Ob das Tier überlebt hat ist unbekannt, aber es legte für die heutige Metropole Abu Dhabi nicht nur die Basis, sondern ist auch Namensgeber. Abu Dhabi heißt übersetzt „Vater der Gazelle“. Erst kam ein Wachturm, um das kostbare Nass zu schützen. Daraus entwickelte sich das heute älteste Gebäude der Stadt, das Al Hosn Fort. Um das Fort wiederum siedelten sich Menschen an. Noch bis in die 1960er-Jahre gab es an der Küste nur einfache Bauten. Emirati, die heute um die 30 sind, berichten, dass ihre Eltern dort in Palmhütten geboren wurden. Die Leute waren arm. Das Leben änderte sich 1958 mit Entdeckung des Öls – zunächst nur für die Scheich-Familie, später für alle. Damals und heute steht Scheich Zayid Bin Sultan al Nahyan im Zentrum. Letzterer trug 1971 maßgeblich zur Gründung der Vereinigten Arabischen Emirate bei und wurde auch deren erster Präsident.

Sitz der Herrscherfamilie

All dies lässt sich heute in einer Ausstellung im Al Hosn Fort erkunden, teils digital, teils mit Originalausstellungsstücken. Wie in fast jedem öffentlichen Gebäude ist auch hier ein überlebensgroßes Schwarz-Weiß-Foto des 2004 verstorbenen markanten Gründungsvaters zu sehen. Sechs oder sieben Ehefrauen soll der Scheich gehabt haben. Einzelkind Tim findet dagegen die Zahl der Kinderzimmer beeindruckend, denn das Fort war auch Sitz der Herrscherfamilie. Auch die Krummdolche, die traditionell zum Ausgehdress eines Emirati gehören, findet der Zehnjährige spannend.

Vergnügungsparks wie Ferrari-World sind klimatisiert – ein Besuch in der Mittagshitze bietet sich also an.
Vergnügungsparks wie Ferrari-World sind klimatisiert – ein Besuch in der Mittagshitze bietet sich also an.
Foto: Shutterstock

Den Kontrast zu Fort und der sehenswerten prunkvollen Scheich- Zayid-Moschee bilden vollklimatisierte Vergnügungsparks wie Warner Bros Abu Dhabi und Ferrari-World. Deren Besuch legt man idealerweise in die heißen Stunden des Tages. Oder man kühlt sich in der Yas Waterworld ab. Als Familienfavorit entpuppt sich die 238 Meter lange „Trichter-Tornado-Wasserbahn“ namens Dawwama: Bevor man den Reifen besteigt, wiegen stets präsente Sicherheitsleute die „Gesamtfracht“ und platzieren jeden der sechs Mitfahrer. Dann lautet die Devise: Festhalten. Erst saust man durch eine Röhre, bevor man abschließend in besagtem Trichter landet. Kurz darauf endet die Fahrt. Fazit: Sieht von außen schlimmer aus als es ist.


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Grüne Oase in der Wüste

Ein anderer Adrenalinkick folgt am Fuß des Bergs Jebel Hafeet außerhalb Al Ains. Die zweitgrößte Stadt Abu Dhabis entwickelte sich aus Oasen, ist vergleichsweise grün und wird deswegen auch Gartenstadt genannt. So absurd das klingt, aber in der Nähe Al Ains inmitten der Wüste befindet sich mit 1,1 Kilometer Länge die weltweit längste künstliche Anlage für Wildwasser-Rafting. Nach Sicherheitsvideo und praktischer Einweisung, in denen der Guide englische Kommandos wie „get down“ (runter), „forward“ (vorwärts paddeln) und „back“ (rückwärts paddeln) verklickert, zieht ein Förderband Schlauchboot samt Insassen hoch. Und dann beginnt das wilde Vergnügen: Immer wieder treibt die heftige Strömung das Boot an runde Holzhindernisse. 

Die Kommandos des Guides wechseln im Sekundentakt. Während die Mutter nach einer Fahrt aussteigt, bringen es Mann und Sohn auf drei Fahrten, zusammen mit einer italienisch-russischen Expat-Familie. „Bei der letzten Fahrt wären wir fast gekentert“, berichtet Michael. Doch Kentern gehört durchaus dazu. In diesem Fall soll man sich mit den Füßen voran wasserabwärts treiben lassen bis man vom Sicherheitspersonal „gerettet“ wird.

Einen Adrenalinkick bietet die Wildwasserfahrt im Wasserpark Wadi Adventure bei Al Ain.
Einen Adrenalinkick bietet die Wildwasserfahrt im Wasserpark Wadi Adventure bei Al Ain.
Foto: Geraldine Friedrich

Wer sich davon erholen möchte, besucht in Al Ain den Zoo. Klar, Tiere und Kinder passen immer. Aber der Eintritt enthält auch das Wüstenmuseum („Desert Learning Center“). Dort lernt der Nachwuchs dank aller Schikanen digitaler Ausstellungskunst Geologie, Flora und Fauna der Wüste näher kennen. An zahlreichen Stationen kann Tim drücken, drehen oder am Bildschirm einen virtuellen Brunnen in der Oase buddeln. Ein kleines Modell veranschaulicht die drei Varianten der Kontinentaldrift, per Kurbel driften die Erdplatten aufeinander zu oder voneinander weg. Das ist auch spannend – ganz ohne Adrenalinkick. 


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