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Abkehr vom Fleischkonsum : Weniger Fleisch = mehr Genuss?
Es muss nicht immer Fleisch sein: Leckere Burger lassen sich auch mit vegetarischen Pattys aus roter Bete oder Quinoa kreieren.

Abkehr vom Fleischkonsum : Weniger Fleisch = mehr Genuss?

Foto: Shutterstock
Es muss nicht immer Fleisch sein: Leckere Burger lassen sich auch mit vegetarischen Pattys aus roter Bete oder Quinoa kreieren.
Lifestyle 3 Min. 25.01.2016

Abkehr vom Fleischkonsum : Weniger Fleisch = mehr Genuss?

Cheryl CADAMURO
Cheryl CADAMURO
Flexitarier, Vegetarier, Veganer – wer seinen Fleischkonsum reduziert oder ganz auf tierische Produkte verzichtet, schont die Umwelt und seine Gesundheit. Wer seine Ernährung umstellt, sollte Schritt für Schritt vorgehen.

Von Stefanie Hildebrand

Zeige mir, was du isst und ich sage dir, wer du bist. Vegetarier sind eher weiblich als männlich und in der Tendenz jünger als eingefleischte Allesesser. Der Prozentsatz an Vegetariern in der Bevölkerung liegt laut der „Saarbrücker Zeitung“ – zumindest bei unseren deutschen Nachbarn – zwischen zwei und zehn Prozent, je nachdem, wie genau man nachfragt. Der Anteil an Veganern liegt bei unter einem Prozent.

Zwar liegt es im Trend zu sagen, man sei Vegetarier, in Wirklichkeit sind viele Menschen aber eher pragmatische Vegetarier oder Flexitarier, die dem Genuss von Fisch und Fleisch nicht vollkommen abgeneigt sind. Die Grenzen sind fließender geworden. In ihrem Buch „Kann denn Essen Sünde sein“ propagieren die österreichische Trendfoodexpertin Hanni Rützler und der Kulturwissenschaftler Wolfgang Reiter einen entspannteren und genussvolleren Umgang mit Essen, denn die traditionellen Ernährungsgewohnheiten ändern sich nicht so schnell.

Genussvoll vegetarisch kochen

In diesem Sinne kocht auch Yotam Ottolenghi. Der bekennende Fleischkonsument machte sich einen Namen mit seiner wöchentlichen vegetarischen Kolumne für die britische Zeitung „The Guardian“. Der gebürtige Israeli kocht mediterran, orientalisch, raffiniert aber ohne viel Aufwand und mit einfachen Zutaten. Fleisch tritt bei ihm nur als Beilage in Erscheinung.

In seinem Buch „Vegetarische Köstlichkeiten“ findet man viele bewährte Rezepte aus seiner Kolumne wie den Tomaten-Granatapfel-Salat oder Aubergine mit Buttermilchsauce. Vor jedem Rezept beschreibt Ottolenghi den Geschmack des Gerichts und wie und wo er darauf gestoßen ist. Seine Küche bedient sich aus den unterschiedlichsten Regionen und Gärten. Wurzeln, Zwiebeln, Pilze, Zucchini, Kürbis, Paprika, Kohl, die vielseitige Aubergine und Tomaten kombiniert er auf ungewöhnliche Weise mit Gewürzen, Früchten, Kräutern, Hülsenfrüchten und Getreide sowie Pasta, Polenta und Couscous – oft gegrillt, geschmort oder überbacken.

Die konsequente Liebe zum Tier oder zur eigenen Gesundheit führt unweigerlich zur veganen Küche. Der völlige Verzicht auf tierische Produkte bringt auch den Verzicht auf Cholesterin mit sich. Veganer bekommen von Nicht-Veganern oft zu hören: „Kochen ganz ohne tierische Produkte, das geht doch gar nicht!“

Dass es geht, hat Attila Hildmann im Selbstversuch bewiesen. Er lebt seit 15 Jahren vegan, hat 35 Kilo abgenommen und sein Gewicht gehalten. Wie das funktioniert, beschreibt er in seinem Buch „Vegan for Starters“. Auf seinem Speiseplan stehen etwa Döner mit Saitan oder Chili mit Tofu. Abnehmen ohne Hungern, eine bessere Verdauung, höhere Konzentrationsfähigkeit und eine bessere Haut sind nur einige Anreize für die vegane Ernährung.

Alternative in Luxemburg

In den eigenen vier Wänden kann jeder entscheiden, was er essen möchte. Schwierig wird es im Restaurant, wenn Fleischkonsumenten, Vegetarier und Veganer zusammenkommen. Lene Pedersen (www.lenelife.com), selbst Vegetarierin, hat sich für Luxemburg ein neues Konzept einfallen lassen: Die ehemalige Marketingexpertin bekocht Vegetarier, Veganer und Menschen mit Nahrungsmittelallergien (Gluten, Laktose, Zucker), die nicht auf Fleisch verzichten möchten. Dabei lässt sie sich von der internationalen Cuisine zu so fantasievollen Gerichten wie Rote-Bete-Burger mit Möhrenpommes und Blueberry-Ketchup inspirieren.

Zudem berät sie Menschen, die langfristig ihre Ernährung umstellen wollen. Am Anfang eines Ernährungscoachings steht die Frage: Was passt zu mir? Welche Ernährung? Welcher Sport? Was will ich erreichen? Es werden klare Ziele festgelegt. Bei Erreichen eines Zwischenziels wird eine Belohnung vereinbart, bei Nichterreichen eine kleine Sanktion wie etwa mehr Bewegung.

„Manchen Menschen fällt es enorm schwer Zucker wegzulassen. Die können sich kaum vorstellen, nicht mehr jeden Tag Schokolade zu essen. Dann vereinbaren wir etwas, das erreichbar scheint. Erst einmal pro Woche weglassen, dann zweimal. Gleichzeitig versuchen wir mehr Bewegung in den Tagesablauf zu integrieren. Es gibt auch ganz einfache Dinge, die man befolgen kann, wie Wasser trinken statt gesüßte Säfte“, erklärt Pedersen.


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