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24 Mal Schokolade oder Diamanten
Lifestyle 3 Min. 30.11.2019

24 Mal Schokolade oder Diamanten

Jeden Tag ein Päckchen - bis zum Fest.

24 Mal Schokolade oder Diamanten

Jeden Tag ein Päckchen - bis zum Fest.
Foto: Lex Kleren
Lifestyle 3 Min. 30.11.2019

24 Mal Schokolade oder Diamanten

Christian SATORIUS
Christian SATORIUS
Adventskalender versüßen das Warten auf Weihnachten - nicht nur für Kinder. Ihre Geschichte ist von Traditionen geprägt.

„Wann ist Weihnachten?“ Das ist wohl eine der am häufigsten gestellten Fragen vor dem Fest. Vor allem kleine Kinder können es oft kaum erwarten, bis es endlich soweit ist. Da ist ein Adventskalender überaus praktisch. Zum einen versüßt er das Warten auf das Weihnachtsfest. Zum anderen macht er die Zeit anschaulich, die bis dahin noch vergeht. 

 Jeden Tag ein Strohhalm 

Dabei ist er, so wie wir ihn heute kennen, eine relativ neue Erfindung. Noch bevor es die ersten Exemplare zu kaufen gab, wurde so einiges selbst gebastelt und auch simple Abreißkalender oder einfache Kreidestriche am Türrahmen waren verbreitet. In manchen Familien hat sich bis heute noch der alte Brauch des sogenannten „Strohsteckens“ erhalten. Dabei wird jeden Tag ein weiterer Strohhalm in die Krippe gelegt. Manchmal müssen sich die Kinder diese Strohhalme erst durch gute Taten verdienen. 

Eine andere alte Form der Vorfreude auf das Weihnachtsfest ist die ebenfalls heute noch gebräuchliche Adventskerze, die Tag für Tag ein zuvor genau definiertes und markiertes Stück heruntergebrannt wird. Bei diesen Kerzenuhren handelt es sich um einen der ältesten Zeitmesser überhaupt. Als sogenannte „Stundenkerzen“ fanden sie schon in mittelalterlichen Klöstern Verwendung. 

Kerzen sind auch der Hauptbestandteil eines weiteren Vorläufers des modernen Adventskalenders. Ende der 1830er-Jahre kam der Theologe Johann Hinrich Wichern in Hamburg auf die Idee, aus einem alten Wagenrad einen Holzkranz zu bauen, den er mit Tannengrün schmückte, und auf dem er vier große Kerzen für die Adventssonntage und 20 kleine Kerzen für die übrigen Adventstage befestigte. Damit hatte er nicht nur einen Vorläufer des Adventskalenders geschaffen, sondern auch gleich noch den Adventskranz erfunden.

Der Adventskranz ist eine "Erfindung" des Theologen Johann Hinrich Wichern.
Der Adventskranz ist eine "Erfindung" des Theologen Johann Hinrich Wichern.
Foto: Pierre Matgé

Erst im Spätherbst 1902 kam eine erste Frühform des heutigen Adventskalenders auf den Markt – und die hatte noch nicht einmal 24 Türchen. Vielmehr handelte es sich bei der von der „Evangelischen Buchhandlung Fr. Trümpler“ in Hamburg herausgebrachten Form um eine „Weihnachtsuhr für Kinder“. Ein kleiner Messingzeiger konnte wie bei einem Zeitmesser auf zwölf bedruckte Felder bewegt werden, die für die Zeit vom 13. bis zum 24. Dezember standen. Auf jedem dieser Felder befand sich ein Bibelspruch oder auch ein Liedanfang wie etwa „Alle Jahre wieder“. 

Bilder zum Aufkleben 

Ein Adventskalender, der die gesamte Adventszeit umfasst, kam erst 1908 auf den Markt. Mit „Im Lande des Christkinds“ war dieser „Weihnachts-Kalender“ des Pastorensohnes und Verlegers Gerhard Lang betitelt. Er bestand aus einem Bogen mit 24 bunten Bildchen zum Ausschneiden und einem weiteren mit 24 Feldern, auf die die Bilder Tag für Tag aufgeklebt werden konnten. Aber auch diese Version hatte noch nicht die heute üblichen 24 Türchen zum Öffnen. 

Derartige Adventskalender kamen erst in den 1920er-Jahren auf den Markt. Zuerst befanden sich hinter den Türen noch Bibeltexte oder Lieder. Erst die Dresdner Schokoladen und Zuckerwarenfabrik „C.C. Petzold & Aulhorn“ brachte 1938 einen Adventskalender heraus, der kleine Schokoladenstücke enthielt. Auch Gerhard Lang, der Zeit seines Lebens mit verschiedenen Formen experimentierte, entwarf ein „Christkindleinhaus zum Füllen mit Schokolade“. Parallel dazu waren aber auch viele Selbstbauanleitungen im Umlauf, denn längst nicht jeder kaufte damals seinen Kindern einen fertigen Adventskalender im Handel. 

Vielfalt hinter den Türchen 

Die Papierknappheit der Kriegstage führte in Deutschland dazu, dass die bedruckten Adventskalender bald gänzlich eingestellt wurden. Doch sofort nach dem Zweiten Weltkrieg begannen sie endgültig ihren Siegeszug, nun immer häufiger als „Adventskalender“ benannt. In den 1950er-Jahren setzte die Massenfertigung ein und mit ihr der Export in etwa die Vereinigten Staaten. In den 1960er-Jahren war die Schokolade kaum mehr aus den Kalendern wegzudenken. 


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Heute findet sich so ziemlich alles hinter den Türchen, was man sich nur denken kann: Schokolade und Spielzeug für die Kinder, Pralinen und Bierdosen für die Erwachsenen und sogar Leckereien für Hunde. Vielerorts werden ganze Häuser zum Adventskalender, Rathäuser, aber auch Kindergärten. Ein Adventskalender für Millionäre hat es sogar in das Guinessbuch der Rekorde geschafft. Das teuerste Exemplar der Welt kostet schlappe 2,5 Millionen Euro – zuzüglich Mehrwertsteuer versteht sich –, kann dafür aber nicht nur mit 24 Diamanten aufwarten, sondern auch mit 100 Viertelkarätern, die sich alle zusammen auf atemberaubende 81 Karat summieren. Aber auch das genaue Gegenteil erfreut sich heute wieder großer Beliebtheit: der selbstgebastelte Adventskalender. Und so schließt sich der Kreis wieder zu den frühen Formen und sogar Vorläufern der modernen Festtagstradition. 


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