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Zweite Staffel von "Bloodline": Verfall einer Familie
Kultur 1 2 Min. 03.07.2016 Aus unserem online-Archiv

Zweite Staffel von "Bloodline": Verfall einer Familie

„We're not bad people, but we did a bad thing“, die Schatten der Vergangenheit verfolgen John Rayburn.(Kyle Chandler)

Zweite Staffel von "Bloodline": Verfall einer Familie

„We're not bad people, but we did a bad thing“, die Schatten der Vergangenheit verfolgen John Rayburn.(Kyle Chandler)
Foto: Netflix
Kultur 1 2 Min. 03.07.2016 Aus unserem online-Archiv

Zweite Staffel von "Bloodline": Verfall einer Familie

Die Serie "Bloodline" konnte in der ersten Staffel als düsteres Familiendrama mit dramatischem Finale überzeugen. Nun lässt sich der zweite Teil im Netz streamen. Dabei ist doch eigentlich alles erzählt - oder?

Von Pol Schock

Es gibt Serien, die fesseln ab der ersten Folge. Die Zuschauer werden durch ein schnelles Erzähltempo und Stilmittel wie Cliffhanger in einen Bann gezogen und konsumieren Folge für Folge – man spricht von „Binge-Watching“. Das funktioniert recht zuverlässig, birgt aber auch ein schnelles Abnutzungspotenzial – wie bei „24“ mit Kiefer Sutherland.

Und es gibt Serien, die brauchen etwas länger. Die Handlungen verlaufen schleppender, die Charaktere entwickeln sich zaghafter und die Plots sind weniger linear. Doch zahlt sich Geduld vor dem Bildschirm oftmals aus. Denn wie in einem postmodernen Roman entfalten sich die komplexen Erzählstränge um die vielschichtigen Figuren nur langsam – jedoch mit nachhaltigem Erfolg. „Breaking Bad“, „The Wire“ oder „Game of Thrones“ gehören zu dieser neuen Gattung – und die von Todd A. Kessler, Glenn Kessler und Daniel Zelman entwickelte Serie „Bloodline“ zweifellos auch.

Schatten der Vergangenheit

Seit Ende Mai ist die zweite Staffel von „Bloodline“ auf Netflix verfügbar. Die Handlung dreht sich um die Familie Rayburn: Robert und Sally Rayburn betreiben seit fast 50 Jahren ein Hotel auf den idyllischen Florida Keys umgeben von Mangrovenwäldern und Korallenriffen. Sie haben vier erwachsene Kinder, die kaum unterschiedlicher sein könnten: John (Kyle Chandler) ist Polizist, Meg (Linda Cardellini) arbeitet als Anwältin, Kevin (Norbert Leo Butz) versucht sich als Bootsverleiher durchzuschlagen. Und dann wäre da noch der älteste Sohn Danny (Ben Mendelsohn), derjenige, den alle in der Familie für ihr eigenes Unglück verantwortlich machen. Mit seiner Rückkehr beginnt die Familienfassade langsam zu bröckeln und die heile Welt der Rayburns gerät immer mehr ins Wanken.

Dabei erfährt der Zuschauer entgegen jeglicher klassischer Drehbuchgesetze bereits in der ersten Folge, dass John mithilfe seiner beiden Geschwister den ungeliebten Bruder Danny ermorden wird. Doch das düstere Familiendrama schafft es, trotz dieses schlimmen Spoilers, große Dynamik und Tiefe zu entwickeln. Die Macher stehen in der zweiten Staffel dennoch vor einem Problem: Mit dem Tod von Danny ist ihnen die interessanteste und auch handlungsantreibende Figur abhanden gekommen. Wie also die Geschichte weiterspinnen?

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Kessler, Kessler und Zelman verhelfen sich mit einem doppelten Trick: Zum einen führen sie in Rückblenden – so genannte Flashbacks – die Erzählung um Danny weiter. „It's still about Danny“, muss auch Anwältin Meg nahezu fassungslos in der zweiten Folge feststellen. Zum anderen tauchte bereits am Ende der ersten Staffel mit Nolan Rayburn (Owen Teague) Dannys Sohn auf, von dem die restlichen Familienangehörigen bislang nichts wussten. Durch seine Mimik, seinen Stil, sowie seinen zwiespältigen Charakter kommt Nolan unverkennbar seinem verstorbenen Vater nach. Eine Figur, die keine gesellschaftliche Anerkennung findet und finden möchte – eine klassische Außenseiterfigur.

Trotz dieses eleganten dramaturgischen Kniffs gelingt es der zweiten Staffel nicht, an den hervorragend erzählten Verfall einer Familie in Staffel eins heranzukommen. Dennoch bleibt „Bloodline“ dank eines starken Casts und der hervorragenden Kameraarbeit eine gute Krimiserie – perfekt für regnerische Sommermonate.



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