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Zwanzig Jahre „Centre national de littérature“ : Eine erfolgreiche Bilanz
Das „Centre national de littérature“ (CNL) / „Lëtzebuerger Literaturarchiv“ in Mersch.

Zwanzig Jahre „Centre national de littérature“ : Eine erfolgreiche Bilanz

Foto: Anouk Antony
Das „Centre national de littérature“ (CNL) / „Lëtzebuerger Literaturarchiv“ in Mersch.
Kultur 3 Min. 13.10.2015

Zwanzig Jahre „Centre national de littérature“ : Eine erfolgreiche Bilanz

Als das CNL am 14. Oktober 1995 im Laufe des Luxemburger Kulturjahres seine Türen offiziell eröffnete, gab es durchaus auch skeptische Stimmen. 20 Jahre später sind diese verstummt.

 von Jeff Baden

Das „Centre national de littérature“ (CNL) / „Lëtzebuerger Literaturarchiv“, das morgen den 14. Oktober sein 20. Jubiläum feiert, wurde als staatliches Kulturinstitut durch das Gesetz vom 25. Juni 2004 gegründet und hat seinen Sitz in den historischen Gebäuden der Maisons Servais und Becker-Eiffes in Mersch.

Als das CNL am 14. Oktober 1995 im Laufe des Luxemburger Kulturjahres seine Türen offiziell eröffnete, gab es durchaus auch skeptische Stimmen: Nachdem die anfangs strittige Frage des Standorts geklärt werden konnte, wurden etwa Befürchtungen laut, dass die Literaturwissenschaft möglicherweise gegenüber der Literatur überwiegen würde oder dass sich eventuell normative Tendenzen einstellen könnten.

Das Team um die damalige CNL-Direktorin Germaine Goetzinger stand in Anbetracht des enormen Erwartungsdrucks demnach vor einer beachtlichen Herausforderung. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum zehnjährigen Bestehen im Jahr 2005 wurde schon die bis dahin geleistete Arbeit im Übrigen als überaus positiv gewürdigt.

Archivierung

Das Centre National de Littérature hat als zentrale Aufgabe, alles zu sammeln, was in irgendeiner Weise Bezug hat zur Luxemburger Literatur ab 1815 (auch im weitesten, vor allem auch historischen Sinn).

Aufwertung des literarischen Erbes

Über das reine Konservieren hinaus, widmet sich das CNL der Forschung, aber auch der Aufwertung des mehrsprachigen literarischen Erbes. In diesem Sinn ediert das Literaturarchiv seit Jahren Monographien, Ausstellungskataloge und Neuauflagen von literarischen/literarhistorischen Texten in der Reihe „Lëtzebuerger Bibliothéik“. Das seit November 2011 im Netz gratis zur Verfügung stehende, kontinuierlich aktualisierte „Autorenlexikon/ Dictionnaire des auteurs luxembourgeois“ ist dabei sicherlich ein Kernstück dieser wertvollen Arbeit.

Das Merscher Literaturarchiv verfügt über bedeutendes Dokumentationsmaterial, mit einer öffentlich zugänglichen Bibliothek und Archiven und bietet Forschern und Literaturinteressierten fachliche Hilfestellung bei der Recherche an.

Promotion

Das CNL unterhält daneben internationale Kontakte zu Bibliotheken und Archiven, fördert literarische Begegnungen zwischen Autoren und einem breiten Publikum über mannigfaltige öffentliche Veranstaltungen wie Lesungen, Konferenzen, Ausstellungen, literaturpädagogische Projekte sowie Literaturpreise.


Drei Fragen an Claude D. Conter, Direktor des CNL


Seit 2012 ist Claude Conter Direktor des CNL.
Seit 2012 ist Claude Conter Direktor des CNL.
Foto: Gerry Huberty

Herr Conter, welche persönliche Bilanz ziehen Sie im Rückblick?

Die positive Dynamik, wie sie etwa bei den Feierlichkeiten zum zehnjährigen Bestehen des Hauses im Jahre 2005 allseits hervorgehoben wurde, konnte seither konsequent mit Erfolg fortgesetzt werden, was mich für die Zukunft persönlich insgesamt sehr zuversichtlich stimmt.

Wie lässt sich diese Dynamik des CNL genauer definieren?

Die Dynamik erwächst aus dem vielfältigen, aber sehr präzisen Aufgabenbereich des Literaturarchivs. Im Rahmen unseres Kerngeschäfts, dem Erhalt und der Pflege des Luxemburger Literaturerbes, gelingt es uns, das Vertrauen der Autoren und der Rechteinhaber, zumeist den Familienangehörigen, zu gewinnen: Eine ganze Reihe vertrauen uns etwa ihr Werk bereits zu Lebzeiten als Vorlass an.

Weiterhin steht die Förderung der Luxemburger Literatur auf unserer Prioritätenliste, wobei es uns mittels Ausstellungen und Literaturveranstaltungen durchaus gelungen ist, das entsprechende Interesse bei einem breiteren Publikum, auch im Ausland, über die Botschaften etwa, zu beleben.

Was die literarische Kreation angeht, ist uns viel daran gelegen, nicht nur durch Autorenlesungen, sondern auch durch das direkte Einbeziehen der Autoren in unsere Publikationen, den schöpferischen Schreibprozess begleitend mitzufördern. Dann hat sich in den letzten Jahren eine für alle Beteiligten positive Konkurrenzsituation zwischen den verschiedenen Kulturzentren entwickelt, die sich für die Diversität der literarischen Landschaft in Luxemburg insgesamt als sehr förderlich erwiesen hat und überdies wurden die Kooperationen, etwa zwischen dem CNL und der Uni Luxemburg oder mit anderen Kulturinstitutionen, Theaterhäusern und Partnern wie den Nationalarchiven und der Nationalbibliothek vertieft, was neue hoffnungsvolle Perspektiven eröffnet.

Demnach eine insgesamt positive Bilanz, was das CNL und die Entwicklung der Luxemburger Literatur angeht oder gibt es vielleicht doch ein ganz persönliches Desiderat?

Die von mir skizzierte Evolution des CNL stimmt mich, wie schon gesagt, durchaus optimistisch, wenn das Merscher Literaturarchiv auch weiterhin personell und infrastrukturell unterstützt und angesichts der Nachfrage und der Bedürfnisse ausgebaut wird. Indes vermisse ich, trotz vereinzelter Anstrengungen in den letzten Jahren, einen dezidierten Willen, die Luxemburger Literatur und Kultur in unseren Schulen zu vermitteln.


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