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Zwangspause für Festivals
Kultur 8 Min. 29.05.2020

Zwangspause für Festivals

In Echternach (Foto) und in Wiltz  wurde für beide Festivals die Notbremse gezogen. 2021 soll es mit neuem Aufwind wieder an den Start gehen.

Zwangspause für Festivals

In Echternach (Foto) und in Wiltz wurde für beide Festivals die Notbremse gezogen. 2021 soll es mit neuem Aufwind wieder an den Start gehen.
Foto: Viktor Wittal
Kultur 8 Min. 29.05.2020

Zwangspause für Festivals

Thierry HICK
Thierry HICK
Die Sommerfestspiele in Wiltz und Echternach finden 2020 nicht statt. Trotzdem soll es am 17. Juni schon einen Vorgeschmack auf das nächste Jahr geben.

In Wiltz und Echternach gehören die Sommerfestivals seit Jahrzehnten zur Tradition. Und doch, noch vor ein paar Jahren kämpften sie ums Überleben. Nach dem Motto „Not macht erfinderisch“ wurden sowohl in der Ardennen- als auch in der Abteistadt nach Lösungen gesucht und neue Wege eingeschlagen. Die Wende im Norden fand bereits 2017, im Osten 2019 statt.

Elvira Mittheis in Wiltz und Maxime Bender in Echternach stellten seitdem breit gefächerte, publikumsnahe Programme zusammen und distanzierten sich von den rein klassischen Angeboten ihrer Vorgänger. Noch war es zu früh, um richtig feststellen zu können, ob die Neuausrichtung der beiden historischen Sommerfestspiele beim Publikum den richtigen Zuspruch gefunden hatten. 2020 sollte der neu eingeschlagene Weg bestätigt werden.

Dann aber zog das Covid-19-Virus die Notbremse und stellte die beiden Festivalorganisatoren vor neue, unerwartete Herausforderungen. Nach dem von der Regierung aufgezwungenen Stopp aller künstlerischen (Massen-)Veranstaltungen bis zum 31. Juli sahen sich Mittheis und Bender gezwungen, ihre diesjährigen Festivals ausfallen zu lassen.

Notbremse gezogen

Der am Montag von Xavier Bettel angekündigte Neustart der Kulturaktivitäten – mit relevanten Sicherheitsmaßnahmen – wird die angesagte Absage beider Festivals nicht verhindern, da das Aus bereits vor Wochen beschlossen war. In einer Zeit der Ungewissheit wurde zu Beginn der Pandemie schnell die Notbremse gezogen.

Eine Premiere in Wiltz: Dieses Jahr findet kein Festival statt.
Eine Premiere in Wiltz: Dieses Jahr findet kein Festival statt.
Foto: Lex Kleren

„Wir haben unsere Entscheidung bereits im April getroffen“, so Maxime Bender, künstlerischer Leiter des Festivals Echterlive und ab dem kommenden 1. Juli auch Leiter des Echternacher Kulturzentrums Trifolion. „Unser Programm war fertig geplant und am Anfang hatten wir die Hoffnung, unser Festival im Juli noch durchziehen zu können. Aus dem wird dieses Jahr wohl nichts.“

Das gab es noch nie in der Geschichte des Wiltzer Festivals, die Absage ist doch eine traurige Premiere.

Elvira Mittheis, künstlerische Leiterin des Wiltzer Festivals

Kultur , Theatre Esch/Alzette , PK Nouvelle Saison , Carole Lorang , Directrice Foto: Guy Jallay/Luxemburger Wort
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Die gleiche Enttäuschung macht sich in Wiltz bemerkbar. „Auch wir waren bereit, an den Start zu gehen“, so die künstlerische Leiterin des Festival de Wiltz, Elvira Mittheis. „Wir waren froh und stolz, dass wir ein abwechslungsreiches Programm für alle Altersklassen aufstellen konnten. Nun ist mit allem Schluss. Im Ausland ist die Krise auch spürbar, viele Festivals müssen abgesagt werden. Und trotzdem bleiben wir in Wiltz optimistisch.“

Ein gemeinsames Schicksal

Wiltz und Echternach teilen sich 2020 nicht nur ein gemeinsames Schicksal, beide müssen sich auch um ihr Image bemühen. In beiden Städten gab es einen starken politischen Willen, die historischen Sommerfestspiele zu unterstützen und vor einem frühzeitigen Sterben zu bewahren.

In Echternach erlebte das Festival unter der Leitung von Maxime Bender 2019 einen Neustart. „Der Relaunch entsprach einem politischen Willen der Gemeinde, das Festival weiterhin zu unterstützen. Für das erste Jahr erhofften wir uns 15.000 Zuschauer. Am Ende waren es rund 8.000. Ein Resultat, das uns trotzdem zufriedenstellte“, unterstreicht Maxime Bender, der fest daran glaubt, dass sich trotz der diesjährigen Zwangspause der Elan von 2019 im nächsten Jahr fortsetzen lässt.

Maxime Bender.
Maxime Bender.
Foto: Chris Karaba

„Die Vorfreude war riesig, das Feedback des Publikums auf das bereits angekündigte Programm äußerst positiv. Noch nie gab es in der Geschichte des Wiltzer Festivals eine Unterbrechung. Die Absage dieses Jahr ist eine traurige Premiere“, bedauert Elvira Mittheis, die vor vier Jahren mit der asbl „Coopérations“ die Leitung der Festspiele übernommen hat.

In Krisenzeiten nicht über Geld reden

Auch wenn 2020 nicht auf den Bühnen gespielt wird – also keine Einnahmen vom Ticketverkauf einzurechnen sind –, brauchen sich die Organisatoren keine größeren finanziellen Sorgen zu machen. „Ich glaube nicht, dass unser Festival finanziell in Gefahr ist. Außer wenn sich vielleicht die sanitäre Lage noch verschlechtern sollte“, betont Elvira Mittheis. Das für 2020 geplante Geld soll auf kommende Saison umgebucht werden können. In Wiltz stehen jährlich 150.000 Euro für die künstlerische Planung zur Verfügung.

Das Echternacher Festival kann sich auf eine Konvention in Höhe von 100.000 Euro pro Jahr verlassen. Maxime Bender will nicht viel über Geld reden. „Für mich ist es unpassend über unsere Finanzen zu diskutieren. In dieser Krise gibt es Menschen, die viel wichtigeren Problemen ausgesetzt sind.“

Konzerte im Streaming sind eine Notlösung, sie werden jedoch nie eine Live-Aufführung ersetzen können.

Maxime Bender, künstlerischer Leiter des Festivals Echterlive

Auch wenn Geldfragen, trotz der Pause, nicht direkt zu Problemen führen sollten – die Gemeinden sind Garant für die finanzielle Lage –, bleiben Fragen um einen weiteren und wichtigen wirtschaftlichen Faktor offen.

Elvira Mittheis.
Elvira Mittheis.
Foto: Lex Kleren

Die wirtschaftliche Rolle
der Sponsoren

Werden die Sponsoren weiterhin die Kulturevents mit ihren Geldern unterstützen? „Wir können kein Geld von ihnen verlangen oder Hilfe erhoffen, wenn unsere Konzerte nicht stattfinden“, betont der Echternacher Organisator. In der Abteistadt steuern Sponsoren etwa die Hälfte des Budgets des Festivals bei. Elvira Mittheis sagt zu dieser Frage: „Unsere Sponsoren warten auf das nächste Jahr. Ich bin da zuversichtlich.“

Nach der aufgezwungenen Pause werden sich in Wiltz und in Echternach Gedanken gemacht, wie die Festivals im nächsten Jahr aussehen könnten. Maxime Bender und Elvira Mittheis, die sich in regelmäßigen Abständen über die ungewöhnliche Lage austauschen, haben eine ähnliche Lösung gefunden. Es wird versucht, in Wiltz und Echternach das für 2020 geplante Line-up so weit wie möglich auf das Jahr 2021 umzubuchen.


Conf de presee . Min de la culture - Sam Tanson -  Foto: Pierre Matgé/Luxemburger Wort
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Und trotzdem wird das Echternacher Publikum mit einer Vorschau verwöhnt: Am 17. Juli wird eine Serie aufgenommener Konzerte im Fernsehen übertragen.„Diese Fernsehübertragung soll erlauben, in Erinnerung zu bleiben, auch bei den Sponsoren. Diese technischen Möglichkeiten erlauben es dem Musiker aufzutreten. Es sind aber nur Notlösungen, denn der direkte Kontakt zum Publikum bleibt auf der Strecke, es kommt nie zu einer Live-Erfahrung“, betont Bender, der neben seiner organisatorischen Arbeit auch vollblutiger Musiker ist.

Dass das Ambiente eine entscheidende Rolle für das Gelingen eines Festivals spielt, hat sich die letzten Jahre vor allem in Wiltz mit den Events im Hexenturm in der Nähe der Freilichtbühne gezeigt.

Hoffen auf eine Normalisierung der Lage

Nach der Reprise der kulturellen Aktivitäten stehen viele Veranstalter vor einer großen Ungewissheit. Welche Konzerte können organisiert werden? Unter welchen Bedingungen? Wie kann das Publikum mit dem nötigen Abstand platziert werden? Großveranstaltungen mit Hunderten von Zuschauern sind noch Zukunftsmusik. In Echternach und Wiltz stellen sich diese Fragen nicht. Man erhofft sich, dass sich in den nächsten zwölf Monaten die Lage normalisieren wird.

Weitere Herausforderungen

Die beiden Festspiele stehen jedoch vor weiteren Herausforderungen. Das Programm von 2020 im nächsten Jahr einfach zu übernehmen könnte nicht so einfach sein. „Die Bands, die bei uns auftreten, kommen meistens im Rahmen einer Tournee zu uns. Musiker geben nicht ein einziges Konzert in Echternach. Wir sind uns dessen bewusst. Die Künstler, mit denen wir in Kontakt sind, haben großes Interesse gezeigt, ihren Termin 2021 in Echternach nachzuholen. Die Frage der möglichen Tourneen muss zuerst geklärt werden“, so Maxime Bender, der bereits mit seiner ersten Ausgabe 2019 mit der Show von Joss Stone für Aufmerksamkeit sowohl beim Publikum als auch bei den Sponsoren sorgte. „Solche wichtigen Musiker oder Bands haben eine starke Anziehungskraft.“ Diese Rolle sollen Rufus Wainwright oder Richard Bona 2021 übernehmen. 

In Wiltz sind die Auftritte von Gipsy Kings, Mando Diao sowie das Kindermusical „Der kleine Drache Kokosnuss“ in der Agenda von 2021 notiert. Andere Termine sind noch im Gespräch. Zum Beispiel die Aufführung der Oper „Le Nozze di Figaro“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Hierfür konnte das Theater Trier verpflichtet werden. Das Ensemble stellte 2019 in Wiltz das von Choreograf Roberto Scafati inszenierte Ballett „Zorbas“ vor. „Ob die Mozart-Oper nächstes Jahr bei uns aufgeführt wird oder ob wir eine andere Produktion des Theaters Trier einplanen müssen, kann ich heute noch nicht sagen, da die Programme des Theater Trier viele Jahre im Voraus geplant werden“.

Mando Diao (hier 2014 in der Rockhal) kommt am 2. Juli 2021 nach Wiltz.
Mando Diao (hier 2014 in der Rockhal) kommt am 2. Juli 2021 nach Wiltz.
Foto: Julie Gatto

Viel Spielraum bleibt beiden Organisatoren in ihrer Programmierung jedoch nicht. Zwischen Bestätigungen, Absagen, Terminverschiebungen und Abwarten müssen Maxime Bender und Elvira Mittheis die richtige Gewichtung finden. Und hoffen weiterhin, dass das Publikum den Weg zu den Sommerfestspielen wiederfindet. Der Wille der Veranstalter ist auf jeden Fall intakt: Die Festivals sollen 2021 stattfinden.

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