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Zum Tod von Jacques Loussier: Bach swingt nicht mehr
Die "Play Bach"-Reihe verkaufte sich sechs Millionen Mal.

Zum Tod von Jacques Loussier: Bach swingt nicht mehr

Die "Play Bach"-Reihe verkaufte sich sechs Millionen Mal.
Kultur 1 2 Min. 07.03.2019

Zum Tod von Jacques Loussier: Bach swingt nicht mehr

Tom RUEDELL
Tom RUEDELL
Im Alter von 84 Jahren ist der französische Pianist Jacques Loussier am Dienstag gestorben. Seine Interpretation der Werke von Johann Sebastian Bach im Jazz-Trio-Stil machte ihn mit dem Album "Play Bach" 1959 zum Weltstar - und baute eine stabile Brücke zwischen musikalischen Welten, die vor ihm unvereinbar schienen.

1959 wurde Jacques Loussier über Nacht berühmt - mit seiner Idee, die Klavierkompositionen Johann Sebastian Bachs mit einem Jazz Trio neu zu interpretieren. "Play Bach" nannte sich das Konzept, das er zunächst mit dem Bassisten Pierre Michelot und dem Drummer Christian Garros umsetzte. Loussier ließ die im Original sehr starr wirkenden, maschinenhaften Bachstücke lebhaft swingen und atmen, er fügte den Kompositionsmustern frei improvisierte Jazzparts hinzu. Das Jacques Loussier Trio entwickelte auf "Play Bach" einen unverwechselbaren Groove, der eine Brücke zwischen Jazz und Klassik schlug, ohne das eine oder das andere dabei in den Schatten zu stellen.

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Die Mischung kam an, das lag nicht zuletzt am guten Timing - die späten 1950er- und frühen 1960er-Jahre waren ein gutes Zeitfenster für ein solches Experiment. Zwischen 1959 und 1965 entstanden insgesamt fünf Ausgaben von "Play Bach" auf dem Label Decca Records, allesamt mit sehr zeittypischer Covergestaltung. Bis 1999 verkaufte sich alleine die "Play Bach"-Reihe sechs Millionen Mal. 

Zeitkolorit: Die Covergestaltung der "Play Bach" - Reihe atmet den Geist der späten 1950er.
Zeitkolorit: Die Covergestaltung der "Play Bach" - Reihe atmet den Geist der späten 1950er.
Foto: Decca

Darüber, wie Loussier auf die Erfolgsformel "Bach meets Swing" gekommen war, gibt es unterschiedliche Anekdoten: Schon als Zehnjähriger habe er beim Klavierunterricht in den 1940er-Jahren stundenlang ein Präludium aus dem "Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach" gespielt - und irgendwann von selbst angefangen, um das Thema herum zu improvisieren. Jahre später, bei einer Prüfung am Konservatorium in Paris, soll er mitten in einem Bach-Stück einen Blackout gehabt haben - und das fehlende Tonmaterial einfach dazu improvisiert haben. (Die Reaktion der Prüfer ist nicht überliefert.) 

So oder so: Der Pianist mit dem charakteristischen Kinnbart verstand genug von beiden Welten, Jazz und Klassik, um eine tragfähige Mixtur herzustellen, "ein bemerkenswertes Stück des kammermusikalischen Jazz, das den Geist des genialsten Komponisten aller Zeiten nicht verleugnet", so beschreibt es der Klappentext auf einer deutschen Ausgabe von "Play Bach". 

Arbeit mit prominenten Gästen im eigenen Studio

1978 legt Loussier das Trio zunächst auf Eis, er sei "reisemüde" - am Ende seiner Karriere stehen über 3000 Konzerte zu Buche. Er wolle sich mehr aufs Komponieren und den Weinbau verlegen. An seinem Rückzugsort, dem Chateau Miraval in der Provence, richtete er sich ein Aufnahmestudio ein, in dem er seine Eigenkompositionen produzierte - in dem aber auch Rock-Szenegrößen wie Pink Floyd oder The Cure für Aufnahmen zu Gast waren. Auch für und mit Sting, Sade oder Yes arbeitete Loussier, der klassisch ausgebildete Komponist ohne Berührungsängste. Für über 60 Filme und Fernsehserien schrieb er außerdem den Soundtrack.


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1985 rief er das Jacques Loussier Trio erneut ins Leben und tourte wieder ausgiebig, doch Bach war nicht sein einziges Sujet: Loussier interpretierte auch andere Komponisten wie Satie, Debussy, Ravel und Vivaldi. Aus Anlass seines 80. Geburtstags erschien 2014 sein letztes Album, "My personal favourites".

Am 5. März 2019 starb Loussier 84-jährig, wie seine Frau Elizabeth der französischen Nachrichtenagentur AFP mitteilte. 


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