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Zum Aussterben verdammt
Kultur 1 3 Min. 09.06.2018 Aus unserem online-Archiv

Zum Aussterben verdammt

Auch menschen-fressende Monster verdienen Mitgefühl – vor allem, wenn Hollywood sie so schamlos wie hier ausbeutet.

Zum Aussterben verdammt

Auch menschen-fressende Monster verdienen Mitgefühl – vor allem, wenn Hollywood sie so schamlos wie hier ausbeutet.
Foto: Universal Pictures International
Kultur 1 3 Min. 09.06.2018 Aus unserem online-Archiv

Zum Aussterben verdammt

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
In der Geschichte des Planeten Erde sind Tausend Jahre nur ein Tag. 25 Jahre stellen da nicht mehr als einen kurzen Wimperschlag dar. Zeit genug für die „Jurassic Park“-Dinos, sich in die Herzen der Kinogänger zu brüllen: Doch wieder einmal droht ihnen ein dramatisches Ende.

Das erste Mal, vor Jahrmillionen, fegte ein Meteoriteneinschlag und seine Folgen sie von der Erdoberfläche. Diesmal ist es ein Vulkanausbruch, der droht die durch den genetischen Übermut des modernen Menschen wiederauferstandenen Dinosaurier auszulöschen. Auf der malerischen Isla Nebula wurden sie nach dem Scheitern des „Jurassic World“-Freizeitparkprojektes sich selbst überlassen und lebten fernab zivilisatorischer Einmischung.

Doch was nun? Die menschenfressenden Monster retten oder sie ihrem Schicksal überlassen? Daran scheiden sich die Geister. Zum glück wecken die Dinos die Empathie mehrerer Tierschutzaktivisten, die sich aufmachen, ein paar von ihnen in Sicherheit zu bringen. Doch dann kommt es – natürlich – ganz anders als geplant.

Moralische Debatte um Genmanipulation

Nun hätte dies alles – durchsetzt mit einer topaktuellen moralischen Debatte um Genmanipulation – ja eigentlich eine solide Basis für einen Blockbuster sein können. Leider bleibt es hier nur beim „hätte“. Schmunzeln kann man dennoch, dass ein Film mit besagter Thematik gerade an dem Tag in Luxemburg anläuft, an dem das neue Tierschutzgesetz in der Abgeordnetenkammer verabschiedet wird.

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Leider ist es dann aber auch schon vorbei mit der Freude, denn was folgt, sind leider 128 enttäuschende Minuten, in denen man sich als Zuschauer schwer tut – abgesehen von zwei, drei wenngleich vorhersehbaren so doch wirksamen Schreckmomenten – überhaupt eine emotionale Regung zu verspüren.

An finanziellen und technischen Mitteln fehlt es auch dem fünften Film der Dinosaurier-Franchise, die Altmeister Steven Spielberg 1993 mit „Jurassic Park“ eröffnete und die inzwischen zu einer „World“-Trilogie expandiert ist, nicht. Dem offenen Ende nach zu urteilen wird „Jurassic World: Fallen Kingdom“ auch nicht das letzte Opus der Reihe sein – und genau das ist das Problem. Denn selbst wenn die Sympathiebasis für die Monster mit den langen Zähnen seit der ersten, mit drei Oscars ausgezeichneten Adaptierung von Michael Crichtons Roman durchaus solide ist, bröckelt das Fundament nun 25 Jahre später gehörig, frei nach dem Motto: Wer sich auf seinen Lorbeeren ausruht, trägt sie an der falschen Stelle.

Es fehlt an Herzblut

Und, als ob es nicht genug richtige Dinosaurier gegeben habe, muss Hollywood sich für diesen Film wieder einen eigenen erfinden: die Kriegsmaschine Indoraptor. Der ist natürlich viel fieser und gefährlicher, als die Natur ihn je hätte erschaffen können und bietet so auch das gewünschte Gänsehaut-Potenzial. Leider nutzt das Drehbuch von Colin Trevorrow und Derek Connolly dies nicht aus, sondern kommt geradezu uninspiriert daher.

Auch menschen-fressende Monster verdienen Mitgefühl – vor allem, wenn Hollywood sie so schamlos wie hier ausbeutet.

„Guardians of the Galaxy“-Darsteller Chris Pratt zeigt erneut als Velociraptor-Flüsterer Owen Grady erfrischend humorvolle Lockerheit, nur funktioniert diesmal die Chemie mit seiner Partnerin Claire Dearing (Bryce Dallas Howard) nicht wirklich. Dass bei Letzterer trotz verschwitztem T-Shirt, das Make-up noch immer perfekt aussieht, trägt auch nicht zur Glaubwürdigkeit des Ganzen bei. Vom „Jurassic Park“-Urgestein Jeff Goldblum, der schon 1993 Ian Malcom verkörperte, sowie Geraldine Chaplin sieht man im Film leider allzu wenig.

Bei der Filmografie des spanischen Regisseurs J.A. Bayona, die Filme wie „A Monster Calls“, „The Impossible“ oder „The Orphanage“ umfasst, hätte man sich etwas mehr erwartet.

Statt allein aus den unendlichen Weiten der Rechner, kommen einige der Dinosaurier diesmal aus dem Animatronik-Bereich: Allein um dem „guten“ Velociraptor Blue Leben einzuhauchen, brauchte es am Set 15 Puppenspieler. Dennoch kann auch dies nicht verhindern, dass der Film eher schal daherkommt. Wie, beziehungsweise ob es weitergeht, darüber wird das Boxoffice entscheiden.

Sicher ist zumindest eines: Wenn hier nicht wieder etwas mehr Herzblut einfließt, sehen die beliebten Dinos einem kläglichen Ende entgegen.


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