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Zu frei für Facebook
Kultur 19.03.2018

Zu frei für Facebook

Das Original von Delacroix' Gemälde "La liberté guidant le peuple" hängt im Louvre - für Facebook zunächst kein Argument.

Zu frei für Facebook

Das Original von Delacroix' Gemälde "La liberté guidant le peuple" hängt im Louvre - für Facebook zunächst kein Argument.
Foto: Gemeinfrei
Kultur 19.03.2018

Zu frei für Facebook

Tom RUEDELL
Tom RUEDELL
Ausgerechnet Marianne: Das soziale Netzwerk Facebook hat das berühmte Gemälde "Die Freiheit führt das Volk" von Eugène Delacroix aus dem Jahr 1830 zensiert - Nacktheit sei auf Facebook nicht zulässig. Zwischenzeitlich gab das US-Unternehmen "einen Fehler" zu.

Der Algorithmus macht vor Klassikern nicht Halt: Das soziale Netzwerk Facebook hat das berühmte Gemälde "Die Freiheit führt das Volk" ("La liberté guidant le peuple") von Eugène Delacroix, auf dem die französische Nationalheldin Marianne barbusig und mit Tricolore zu sehen ist, vorübergehend blockiert. Der Regisseur Jocelyn Fiorina hatte das Gemälde als Werbung für sein in Paris aufgeführtes Theaterstück "Coups de feu rue Saint-Roch" gepostet. Fiorina sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass Facebook die Abbildung bereits nach einer Viertelstunde blockiert habe. Als Begründung gab das Netzwerk an, Nacktbilder seien auf Facebook unzulässig. 


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Der Regisseur ließ das nicht auf sich beruhen. Er postete das Bild noch einmal - die Brüste der "Freiheit" waren dieses Mal verdeckt durch die Aufschrift "Von Facebook zensiert". Am Sonntag veröffentlichte Facebook eine Entschuldigung.  Das ikonische Werk aus dem Jahr 1830 habe auf Facebook durchaus seinen Platz und sei regelkonform. Aber:"Zum Schutz der Integrität unseres Dienstes überprüfen wir jede Woche Millionen von Werbebildern und machen manchmal Fehler". 

Auch der "Ursprung der Welt" war zu freizügig

Erst vor ein paar Tagen hatte es in Frankreich in einem ähnlichen Fall ein Urteil gegeben: Der Lehrer Frédéric Durand hatte das Gemälde "Der Ursprung der Welt" ("L'Origine du monde") von Gustave Courbet auf seiner Facebook-Pinnwand hochgeladen. Daraufhin war sein Profil als pornographisch gelöscht worden. Durand klagte auf Schadenersatz - und verlor. Seine Reputation habe gelitten, er sei als jemand dargestellt worden, der nicht anständig genug für die sozialen Medien sei - dabei habe er nur ein Stück französisches Kulturerbe präsentieren wollen. 


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Durand verlangte 20.000 Euro Schadenersatz, dem folgte das Gericht nicht. Er habe schließlich problemlos ein neues Profil anlegen können, zudem sei nicht bewiesen, dass die Löschung wegen des Bildes erfolgt sei. Es sei allerdings dennoch "ein Fehler" von Facebook gewesen, das Konto zu löschen. Delphine Reyre, Facebooks PR-Chefin in Frankreich und Europa, sagte am Dienstag in einem Statement: "Wir nehmen die Entscheidung zur Kenntnis und wollen alle daran erinnern, dass 'Der Ursprung der Welt' ein Gemälde ist, das einen absolut zulässigen Platz auf Facebook hat."


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