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Zeit für einen Rollentausch
Elisabeth Johannesdottir als Regisseurin mit ihren Schauspielern Larisa Faber (l.) und Leila Schaus (r.)

Zeit für einen Rollentausch

Chris Karaba
Elisabeth Johannesdottir als Regisseurin mit ihren Schauspielern Larisa Faber (l.) und Leila Schaus (r.)
Kultur 3 Min. 29.05.2018

Zeit für einen Rollentausch

Sarah ROCK
Sarah ROCK
Elisabet Johannesdottir nutzt die dritte Ausgabe des TalentLAB und zeigt ihre schwarze Komödie „Emerald & Olive" im Kapuzinertheater.

„Ich liebe diesen Impuls! Schöner Versuch!“, ermutigt Elisabet Johannesdottir, zuletzt in der Rolle der Müllerstochter in „Rumpelstilzchen“ von Myriam Muller oder in „Strangers“ von Anne Simon, ihre Schauspieler Leila Schaus, Larisa Faber und Sam LaFrance.

Bestimmt, aber einfühlsam führt sie mit taktvollen, doch präzisen Eingriffen durch die erste Probe. Konzentriert bewegt sie sich an der Schwelle der Probebühne des Kapuzinertheaters hin und her – Mimik und Gestik der jungen Regisseurin verraten, dass viel Herzblut in diesem Text steckt. Johannesdottir kümmert sich nicht nur um die Inszenierung – auch der Text stammt aus ihrer Feder. Ein rundum eigenes Projekt hat die luxemburgisch-isländische Schauspielerin auf die Beine gestellt. Gezeigt wird die Arbeit am Donnerstag, den 31. Mai.

Sprung ins kalte Wasser

Die diesjährige Ausgabe des TalentLAB (organisiert von den Théâtres de la Ville de Luxembourg, Théâtre du Centaure und dem Centre de Création Chorégraphique Luxembourgeois) befasst sich mit dem Thema „Schreiben“.

Junge Künstler aus dem Bereich Tanz, Oper und Theater haben die Möglichkeit sich auszuprobieren, neue Talente an sich zu entdecken und der Kreativität ihren Lauf zu lassen. Ihnen stehen zum Beispiel Proberäume zur Verfügung, Requisiten und Kostüme müssen sie aber selbst organisieren. Das TalentLAB bietet einen professionellen Rahmen und ein erfahrener Betreuer begleitet den Arbeitsprozess und steht den Künstlern bei der Projektentwicklung zur Seite.

Elisabet Johannesdottir auf der Probebühne im Kapuzinertheater.
Elisabet Johannesdottir auf der Probebühne im Kapuzinertheater.
Chris Karaba

„Ich habe immer geschrieben, aber eigentlich nur Einakter. Jetzt habe ich zum ersten Mal ein gesamtes Stück verfasst, vor allem, weil mich meine Betreuerin, Anne-Cécile Vandalem, dazu ermutigt hat. Es ist eine große Chance und gleichzeitig eine wahnsinnige Herausforderung“ erklärt Johannesdottir, „Es ist neu für mich, als Autorin und Regisseurin zu arbeiten. Ich lerne viel und erfahre jetzt, welche Aufgaben zum Beispiel in den Bereich der Regie oder Dramaturgie fallen. Andererseits behalte ich die Sicht eines Schauspielers auf die Inszenierung und erkenne dadurch genau, was meine Schauspieler sich auf der Bühne wünschen, ohne dass sie es unbedingt äußern müssen.“

Der TalentLAB als Chance

Natürlich empfinde sie auch Angst, ihre Arbeit einem Publikum zu zeigen, gibt Elisabeth Johannesdottir zu, aber die einzigartige Gelegenheit des TalentLAB ermögliche den jungen Künstlern ins kalte Wasser zu springen, ohne zu ertrinken. Eine Probewoche steht den Teilnehmern zur Verfügung, um ihr Projekt so weit wie möglich zu entwickeln – bei der Vorstellung der sogenannten „Maquette“, also dem Modell bzw. dem Resultat der Projektentwicklung gibt es aber weder Jury noch Wettbewerb.

Neue Talente

Das Auswahlverfahren findet beim TalentLAB in der Anfangsphase statt: Die Künstler reichen Projektvorschläge ein und werden dann ausgewählt, um diese Arbeiten im Rahmen eines eigenen Projektes verwirklichen zu können.

„Meine Betreuerin lässt mir viel Freiheit“, sagt Johannesdottir, „Die Arbeit mit ihr ist eine richtige Ermutigung und mittlerweile ist sie meine Mentorin geworden. Sie war es auch, die mich dazu gebracht hat, aus einem Akt ein ganzes Stück zu schreiben! Das hätte ich mir nicht zugetraut. Ich sehe geradezu, wie ich aus mir hinauswachse.“

Larisa Faber (l.) und Leila Schaus (r.) als streitende Lola und Maria in der schwarzen Komödie "Emerald & Olive".
Larisa Faber (l.) und Leila Schaus (r.) als streitende Lola und Maria in der schwarzen Komödie "Emerald & Olive".
Chris Karaba

Eine Plattform für Begegnungen und Austausch

Das TalentLAB ist außerdem ein Magnet für junge Künstler, die sich die Arbeit ihrer Kollegen anschauen wollen – eine Plattform für Begegnungen und Austausch in unterschiedlichen Kunstsparten.

Bereits in einigen Tagen steht die Premiere vor der Tür und eine große Herausforderung wartet noch auf die Regisseurin: „Ich habe meine Betreuerin darum gebeten, mir bei den technischen Fragen wie der Beleuchtung unbedingt zur Seite zu stehen. Hinter der Bühne nimmt man den technischen Aufwand noch einmal anders wahr als auf der Bühne!“ Ein mutiger und gleichzeitig spannender Rollentausch und Perspektivenwechsel, den Elisabet Johannisdottir wagt.