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Zehnter Todestag: Thierry, der Troublemaker
Kultur 12 2 4 Min. 11.01.2019

Zehnter Todestag: Thierry, der Troublemaker

Bei den Dreharbeiten von  „Troublemaker“ Ende der 1980er-Jahre: Thierry van Werveke schlüpft in die Rolle des "Johnny Chicago".

Zehnter Todestag: Thierry, der Troublemaker

Bei den Dreharbeiten von „Troublemaker“ Ende der 1980er-Jahre: Thierry van Werveke schlüpft in die Rolle des "Johnny Chicago".
Foto: CNA
Kultur 12 2 4 Min. 11.01.2019

Zehnter Todestag: Thierry, der Troublemaker

Vor zehn Jahren verstarb das "Enfant terrible" des Luxemburger Kinos, Thierry van Werveke.

(dco/vac/thi/jw) - Er gilt als einer der Heroen des Luxemburger Schauspielszene, als über seine Rolle im gleichnamigen Film geliebter "Troublemaker" -  und in einer Umfrage 2016 fiel selbst nach seinem Tod sein Name, Thierry van Werveke, noch immer häufiger als "bekanntester Künstler Luxemburgs"  als manch anderer. Vielleicht, weil er so kantig war, letztlich aus seinem Alkohol- und Drogenproblemen über die Jahre keinen Hehl machte, sich nicht verbiegen ließ -  aber Eindruck hinterließ. 

Oder wie einer seiner engsten Weggefährten, der Regisseur Andy Bausch, 2008 betonte: "Thierry ist einer der wenigen Schauspieler, die allein durch ihre Präsenz einen ganzen Saal füllen können. Er betritt die Bühne, zündet sich eine Zigarette an und jeder schaut gebannt zu. Diese Fähigkeit hat in Luxemburg sonst niemand."   

Der Regisseur fügte hinzu: "Was Thierry fehlt, ist eine gewisse Gleichmäßigkeit. Es kommt vor, dass sich keine seiner Theateraufführungen gleichen. Wie im Film erlaubt er sich auch hier einige Freiheiten mit dem Text, sogar bei klassischem Drama-Stoff. Zuschauer, die ,ihren Shakespeare kennen‘ ­reagieren auf solche Zwanglosigkeit oft irritiert."  

Und doch kamen sie, so sein Entdecker Bausch im Interview zu seinem Dokumentarfilm "Intierryview" über den Künstler 2008. "Thierry ist ein Publikumsmagnet. Er zieht die Luxemburger Zuschauer in die Kinos. Er ist auch der einzige einheimische Schauspieler, der Fans hat. Keine anderen Schauspieler können von sich behaupten, ,Groupies‘ zu haben. Sowohl durch seine Musik als auch durch seine Arbeit in Film und Fernsehen kann Thierry sich auf eine treue Fangemeinde verlassen. Er ist ganz einfach der beste Schauspieler, den Luxemburg je hatte. Und wir Luxemburger sollten verdammt stolz auf ihn sein."

Er betritt die Bühne, zündet sich eine Zigarette an und jeder schaut gebannt zu. Diese Fähigkeit hat in Luxemburg sonst niemand. 

Ausstellung “Thierry“ van Werveke im Pomhouse des CNA in Düdelingen (Foto: Alain Piron)
Der Lebensweg eines Rebellen
Das Düdelinger Centre National de l'Audiovisuel widmet dem facettenreichen „Thierry national“ eine umfassende Schau. Ohne Tabus.

Bis zur letzten Vorstellung hielten sie ihm die Treue. "Ich bekam kurzfristig einen Anruf, dass wir die Folgevorstellung von ,Fënsterdall‘ absagen müssten. Thierry gehe es nicht gut, er müsse ins Krankenhaus", erinnert sich Frank Hoffmann, damals wie heute Direktor des Théâtre National du Luxembourg (TNL). Im Januar 2009 starb Thierry van Werveke, damals Darsteller des "Jean" in der Neuinszenierung des TNL von Pol Greischs Stück. 

Die Nachlese

Fast zehn Jahr danach schildert der Filmhistoriker Yves Steichen Thierrys  in der bei Editions Saint-Paul erschienenen Biografie um den Schauspieler dessen letztes Lebensjahr so: „Im Winter 2007-2008 erkrankt Thierry schwer. Die Ärzte diagnostizieren Leberkrebs und geben ihm ohne Transplantation nur noch wenige Monate zu leben. [...] Thierrys lebensrettende Operation findet am 23. Januar 2008 statt. [...] Im Herbst 2008, etwa zeitgleich mit der Fertigstellung von ,Inthierryview‘, erleidet Thierry einen schweren Rückfall. Er wirkt zwar noch am Bühnenstück ,Fënsterdall‘ von Pol Greisch mit, kann dieses aber nur ein einziges Mal, anlässlich der Premiere, spielen, bevor er zurück ins Krankenhaus muss. Thierry zeigt hier ein allerletztes Mal sein schauspielerisches Können und liefert eine überragende Vorstellung ab. Es ist aus heutiger Sicht sein endgültiger Abschied von der öffentlichen Bühne; auch das Stück selbst wird anschließend nie wieder aufgeführt.“ (Auszug aus: Yves Steichen: „Thierry van Werveke, aus der Reihe „Lëtzebuerger Biografien, Editions Saint-Paul, ISBN: 978-99959-2-026-5, S. 133 ff.) 


Auf intensiver Spurenlese
Sein Leben passt auf 168 Seiten: Mit der Biografie um Thierry van Werveke kommt nicht nur eine Hommage an den 2009 verstorbenen Schauspieler auf den Markt.

Es war  ein Abschied, der für viele Freunde und Fans bis heute nachhallt. In der Ausstellung "Thierry! D'Expo", die im vergangenen halben Jahr das Leben und das Schaffen von Thierry van Werveke, diesem  "Enfant terrible" des Luxemburger Films, im Pomhouse des Düdelinger Centre National de l'Audiovisuel (CNA) dokumentierte, war unter anderem einen besonderen Ausdruck  der Würdigung - ebenso wie das Engagement vieler in der nach seinem Tod eingerichteten Fondation Thierry van Werveke.  Hier ein Einblick in die inzwischen geschlossene CNA-Schau:


Die posthume Bewertung nimmt der Klappentext der aktuellen Biografie schon vor dem Lesen vorweg: Der über die Rolle als „Johnny Chicago“ breit bekannt gewordene Schauspieler sei eine „nationale Ikone“. Ein Zeichen von Vereinnahmung dieses Mannes, der von sich eher sagte, er sei einfach „den Thierry“?  Im Jahr 1988 erhielt er jedenfalls beim Filmfestival in La Clusaz (Frankreich) für seine Rolle in "Troublemaker" einen Preis als bester männlicher Schauspieler.  

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Eine besondere Ehrung wurde ihm im letzten Lebensjahr zuteil. Im April 2008 erhielt Van Werveke für den Film “Eine andere Liga” den deutschen Grimme-Preis. Er spielte darin neben Karoline Herfurth und Ken Duken eine Hauptrolle. Im Jahr 2003 wurde er für seine Rolle in "Le Club des Chômeurs" mit dem Luxemburger Filmpreis ausgezeichnet. 


Ausstellung “Thierry“ van Werveke im Pomhouse des CNA in Düdelingen (Foto: Alain Piron)
„Thierry war ein authentischer Mensch“
Für Danielle Meneghetti gehört das Schaffen ihres 2009 verstorbenen Ehemanns Thierry van Werveke zum Luxemburger Kulturerbe.

Erste Filmerfahrungen machte Thierry van Werveke im Jahr 1982 in dem Kurzfilm “Stefan” von Andy Bausch. Daraus entwickelte sich eine langjährige Zusammenarbeit mit dem  Filmemacher. Aber auch andere Regisseure wurden auf das große Talent van Werveke aufmerksam. So spielte er in dem Film “Schacko Klak” von Paul Kieffer, “De falschen Hond” von Marc Oliger und “Hochzäitsnuecht” von Pol Cruchten mit.

Durch seine Rolle als “Henk” im Film “Knockin' on Heaven's Door” (1997) schafft Thierry van Werveke den Durchbruch beim deutschen Publikum. Es folgten viele weitere Engagements bei namhaften Kino- und Fernsehfilmproduktionen. Trotz reger Tätigkeit im Ausland nahm van Werveke sich Zeit, um bei Luxemburger Theaterproduktionen mitzuwirken, oftmals unter der Regie von Frank Hoffmann.

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Trotz reger Tätigkeit im Ausland nahm van Werveke sich Zeit, um bei Luxemburger Theaterproduktionen mitzuwirken, oftmals unter der Regie von Frank Hoffmann.  


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