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Zauberhaft, doch des Guten zu viel
Kultur 1 2 Min. 17.11.2018 Aus unserem online-Archiv

Zauberhaft, doch des Guten zu viel

Newt Scamander (Eddie Redmayne) ist erneut Dumbledores verlängerter Arm im Kampf gegen Grindelwald.

Zauberhaft, doch des Guten zu viel

Newt Scamander (Eddie Redmayne) ist erneut Dumbledores verlängerter Arm im Kampf gegen Grindelwald.
Foto: Warner Bros.
Kultur 1 2 Min. 17.11.2018 Aus unserem online-Archiv

Zauberhaft, doch des Guten zu viel

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
Der Kampf gegen das Böse ist nie vorbei – und schon gar nicht dann, wenn man meint, es sei endlich geschafft. Das muss auch Newt Scamander erfahren, als Gellert Grindelwald, den er hinter Gitter gebracht hat, flieht und in Paris seinen Plan der Herrschaft reinrassiger Magier verfolgt.

Ein Schelm, der Böses dabei denkt, dass die britische Schriftstellerin J. K. Rowling den ersten Teil ihrer neuen Post-Potter-Reihe „Fantastic Beasts“ in die Neue Welt verlegt hat. Erklären ließe sich dies durch die Tatsache, dass die Vereinigten Staaten Magie wohl noch viel dringender brauchen, als das alte Europa – und so ist der Brückenschlag zu den regelmäßigen Twitter-Duellen, in denen Rowling den politischen Neuzeit-Voldemort, US-Präsidenten Trump, liefert, schnell getan.

Zwei Jahre nachdem es ihn in „Fantastic Beasts and Where to Find Them“ nach New York verschlug, muss der Magizoologe (Fachmann für magische Tiere) Newt Scamander (Eddie Redmayne) diesmal nach Paris aufbrechen, um dort seinem alten Gegner Gellert Grindelwald (der bekennende Rowling-Fan Johnny Depp), den er eigentlich schon mal hinter Gitter gebracht hat, wieder den Plan nach der Weltherrschaft reinrassiger Magier zu vereiteln.

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So ganz selbstlos ist die Aktion nicht, zu der ihn Albus Dumbledore (Jude Law) überredet: Denn in Paris verfolgt Tina Goldstein (Katherine Waterston), in die Newt sich verliebt hat, dasselbe Ziel. Dass plötzlich seine Jugendliebe, Leta Lestrange (Zoë Kravitz), inzwischen mit seinem Bruder Theseus (Callum Turner) verlobt, wieder auftaucht, macht die Sache nicht einfacher. Schnell wird allen Beteiligten klar, dass es an der Zeit ist, eine Seite im bevorstehenden Konflikt zu wählen, denn dramatische Entwicklungen kündigen sich an.

Die Magie ist noch da, aber sie geht in Effekten unter

Auch der zweite der insgesamt fünf geplanten Filme der neuen Reihe, die im Zweijahrestakt erscheinen sollen, wird vom alten Potter-Regie-Hasen David Yates inszeniert. Dementsprechend handwerklich solide und routiniert präsentiert sich das 135-Minuten-Werk auch.

Schnell wird der Zuschauer jedoch von der Masse der aufgefahrenen Mittel zuerst regelrecht erschlagen, dann geradezu gelangweilt: allzu lange, schwindelerregende Actionszenen und ein gänzlich unnötiges 3D, das simples Gimmick ist, lenken dabei von dem ab, was die Magie des Zaubereruniversums ausmacht: seine liebenswert schrägen Figuren, in dem ein jeder Zuschauer eigene, und auch nicht immer vorteilhafte Charakterzüge erkennen kann.

Rowlings Zauberformel

Die Teile des Films, die dann die Geschichte von Newt Scamander erzählerisch vorantreiben, verdeutlichen die Zauberformel, der Rowlings Kunst zugrunde liegt: Sie vermag ganz alltägliche, ja geradezu banale Fragen (Wie gewinnt man das Herz der Liebsten?), Wehwehchen (Wie kommt man über ein gebrochenes Herz hinweg?), Unsicherheiten (Wer bin ich und wo gehöre ich hin?) und Konflikte (Hat der Stärkere immer Recht?) spielerisch und zugleich tiefsinnig in eine märchenhaft-unterhaltsame und dabei gleichzeitig lehrreiche Form zu packen.

Wie schon in der Potter-Reihe, ist die Stärke der „Fantastic Beasts“ die Kombination aus solidem menschlichem Unterbau und beflügelnd leichtfüßiger Fantasieverpackung, die dem Publikum Identifikations- und Katharsis-Potenzial zugleich bietet.

Trotz Klotzen, statt Kleckern ein weiterer Film des exponentiell expandierenden Magieruniversums, der inhaltlich hält, was er verspricht, bei dem weniger aber deutlich mehr gewesen wäre. Zum Glück geht der Kampf ja weiter, dann kann das alles in der nächsten Runde wiedergutgemacht werden.


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