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Zapping : Zweite Staffel von "Westworld"
Dolores (Evan Rachel Wood, l.) führt die Rebellion der Maschinen in Westworld an.

Zapping : Zweite Staffel von "Westworld"

FOTO: HBO
Dolores (Evan Rachel Wood, l.) führt die Rebellion der Maschinen in Westworld an.
Kultur 2 Min. 13.05.2018

Zapping : Zweite Staffel von "Westworld"

Kaum eine Serienfortsetzung wurde in letzter Zeit so spannungsreich erwartet wie die zweite Staffel von „Westworld“. Und auch sie erweist sich als erfrischend pessimistisch.

Von Kathrin Schug

Seit eineinhalb Jahren rätselten Fans, wie die vertrackte Geschichte weitergehen würde – ganze Internetforen widmeten sich Grundsatz- und Detaildiskussionen über die Serie mit dem verhältnismäßig komplizierten Plot.

Zur Auffrischung: Westworld ist ein abgeschlossener Freizeitpark im Westernstil, bevölkert von Robotern in Menschengestalt, deren Charakter und Handeln von den Autoren des Parks programmiert sind. Vom Seidenglanz des Mädchenhaares bis zum kehligen Lachen aus dem Saloon wirkt hier alles täuschend echt. Betuchte Gäste leisten sich einen Trip in diese Welt, um all jene Fantasien und Begierden auszuleben, die in der realen Welt tabu sind: Hier darf man prügeln, vergewaltigen, foltern und morden – bei Beschädigung werden die menschengleichen Maschinen einfach repariert, ihre Erinnerung gelöscht und der Spaß beginnt von vorne.

Der Mensch ist des Menschen Wolf, dem es großen Spaß bereitet, sein Gegenüber zu quälen, zu unterjochen und zu meucheln – das Menschenbild, das „Westworld“ zugrunde liegt, ist erfrischend pessimistisch. Bereits in der ersten Staffel bekam die perfekt inszenierte Scheinwelt erste Risse – jetzt wird das Verhältnis zwischen Schöpfern und Geschöpf zum alles beherrschenden Widerspruch. Der englische Titel „Journey into Night“ gibt die Richtung bereits vor: Westworld ist eine ungleich düsterere Welt geworden. Als Auftakt nimmt ein Spezialkommando, das die Ordnung im Park wiederherstellen soll, Massenerschießungen am Strand vor. Währenddessen verüben zu Bewusstsein gelangte Roboter an den verbliebenen Gästen, was ihnen ununterbrochen angetan wurde – im Erfindungsreichtum, Menschen grausam zu Tode kommen zu lassen, stehen sie ihren menschlichen Vorbildern jedenfalls in nichts nach.

Fragen nach Moral und dem Wesen der Existenz

Anführerin des Aufstands gegen die Menschen ist die Maschinenfrau Dolores, deren Rolle im Park die stets lächelnde, treu sorgende Farmerstochter war. Wie Marianne, die das Volk zur Freiheit führt, reitet sie bewaffnet und behangen mit Patronengurten durch ihre Welt und stellt dabei rechtschaffene Fragen nach Moral und dem Wesen der Existenz, auf die ihre menschlichen Gegenüber keine Antworten finden. „Ich flehe Sie an, es war doch nur ein Spiel“ bettelt einer der menschlichen Besucher um sein Leben – die Spielregeln schreiben jetzt freilich Andere. Machtverhältnisse und ihre Umkehrung sind das zentrale Thema in den ersten Folgen der zweiten Staffel, die einen vielversprechenden Auftakt bilden. „Westworld“ ist eine der erfolgreichsten HBO-Serien aller Zeiten – in Anbetracht der anspruchsvollen und komplexen Handlung kann man darüber nur staunen. Dass ausgerechnet eine Science-Fiction-Serie alle Rekorde bricht, kann durchaus zeitdiagnostisch verstanden werden: Der Erfolg von Westworld beruht auch und vor allem darauf, dass das hier entworfene Szenario nicht nur die Möglichkeiten technischer Innovationen feiert, sondern auch die Kehrseiten eines blinden Fortschrittsoptimismus aufzeigt – von ganz konkreten Fallbeispielen (amoklaufende Roboter, die sich in die Menschenwelt verirrt haben) bis zu den zahlreichen Dialogen, in denen philosophische Implikationen dieser Vorfälle in epischer Breite diskutiert werden. Der Fluchtpunkt all jener Referenzen an psychologische, moralische und politische Diskurse ist eine grundlegende, aber dieser Tage weniger denn je zufriedenstellend beantwortete Frage: Was ist der Mensch?

Die zweite Staffel von „Westworld“ läuft seit dem 22. April auf SKY.