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Zapping: Zu wahr, um schön zu sein
Kultur 1 2 Min. 20.10.2019 Aus unserem online-Archiv

Zapping: Zu wahr, um schön zu sein

Die Serie lebt von ihren exzellenten Hauptdarstellerinnen: Merritt Wever (l.) und Toni Collette brillieren als ungleiches Ermittlerinnenduo.

Zapping: Zu wahr, um schön zu sein

Die Serie lebt von ihren exzellenten Hauptdarstellerinnen: Merritt Wever (l.) und Toni Collette brillieren als ungleiches Ermittlerinnenduo.
Foto: Beth Dubber/Netflix
Kultur 1 2 Min. 20.10.2019 Aus unserem online-Archiv

Zapping: Zu wahr, um schön zu sein

Kathrin KOUTRAKOS
Kathrin KOUTRAKOS
Starke Ermittlerinnen und ein Vergewaltigungsopfer, das der Lüge bezichtigt wird: Neue Serie „Unbelievable“ mit Merritt Wever und Toni Collette offenbart Ermittlungspannen eines realen Falles aus den USA.

Die Wahrheit, der man in dieser Serie bis zum Ende auf der Spur ist, sie versteckt sich im allerersten Satz: „Ich wurde vergewaltigt.“ Gesprochen wird er von der 18-jährigen Marie Adler (Kaitlyn Dever), auf dem Boden ihres Wohnheim-Apartments sitzend, kreidebleich und sichtlich erschüttert. 

Drei Worte, von denen sie nicht ahnt, dass sie nicht das Ende, sondern der Anfang eines unvorstellbaren Leidensweges sind. Denn, was die junge Frau aus schwierigen Verhältnissen erzählt, erscheint dem Umfeld zunehmend als das, was der Serie den Namen gibt: unglaublich. 

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In einer minutiösen Schilderung berichtet Marie von einem Mann, der nachts in ihr Zimmer eingedrungen sei, sie gefesselt, vergewaltigt und fotografiert habe. Stets sind es männliche Polizeibeamte zwischen Desinteresse und Ratlosigkeit, in deren Gegenwart die junge Frau die Vorkommnisse schildern und sich erklären muss – wieder und wieder. 

Schlussendlich ist es jedoch eine Frau, die den ausschlaggebenden Zweifel sät: Sei es nicht eigenartig, wie stoisch sie sich seit der „angeblichen“ Vergewaltigung verhalte? Dass sie sich nicht lückenlos an alle Einzelheiten erinnere? Und überhaupt sei sie ja schon immer ein schwieriger Teenager gewesen sei, der keine Gelegenheit ausgelassen habe, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen. 


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In immer neuen Verhören konfrontieren die Ermittlungsbeamten das Opfer mit vermeintlichen Ungereimtheiten. Bis sie schließlich jeden Widerstand aufgibt und fälschlich erklärt, die Vergewaltigung erfunden zu haben. In der Folge muss sie sich wegen Falschaussage vor Gericht verantworten, verliert ihren Job und ihren Platz im Wohnheim und wird von ihren Mitmenschen als Aussätzige behandelt. Dabei zuzusehen, wie eine strukturell benachteiligte Frau unschuldig zwischen die Mühlsteine des Rechtsstaats gerät, ist auch dann schwer erträglich, wenn man nicht darüber nachdenkt, dass die Handlung auf einer wahren Begebenheit beruht. 

Versagen löste Skandal aus    

Zugrunde liegt der Serie ein Fall aus dem Jahr 2008, der wegen der skandalösen Behandlung des Opfers hohe mediale Wellen schlug: Eine Reportage über das Versagen der Ermittlungsbeamten, ihre Voreingenommenheit und Täter-Opfer-Umkehr wurde mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet und löste eine Debatte darüber aus, wie die Polizei mit Vergewaltigungsopfern umgeht. Dass dieser Fall schließlich aufgeklärt wurde, war zwei Ermittlungsbeamtinnen zu verdanken, die sich verbissen an die Fersen des Täters hefteten und dabei en passant zeigten, wie man es besser macht. 

Die Serie lebt von ihren exzellenten Hauptdarstellerinnen: Da ist einmal ungleiche Ermittlerinnenduo Karen Duvall (Merritt Wever) und Grace Rasmussen (Toni Collette), die als charakterstarke Frauen einen wohltuenden Gegensatz zu dem mit Machos bevölkerten Genre des Detektivfilms liefern, aber vor allem Hauptdarstellerin Kaitlyn Dever, die in ihr Spiel all die fundamentale Verunsicherung ihrer Figur legt, bis man glaubt, sie langsam verschwinden zu sehen. 


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Diese Kunstgriffe machen „Unbelievable“ zu einer packenden und mitunter auch unterhaltsamen Produktion. Von Fernsehgenuss ist man jedoch immer weit entfernt: Die Serie ist zu wahr, um schön zu sein.
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„Unbelievable“, alle acht Folgen auf Netflix abrufbar.


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