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Zapping: "You Me Her": Ein Liebesdreieck steht Kopf
Bei dem Versuch, ihre Beziehung aufzupeppen, machen Emma und Jack Bekanntschaft mit dem Escort-Mädchen Izzy.

Zapping: "You Me Her": Ein Liebesdreieck steht Kopf

Foto: Netflix
Bei dem Versuch, ihre Beziehung aufzupeppen, machen Emma und Jack Bekanntschaft mit dem Escort-Mädchen Izzy.
Kultur 1 2 Min. 19.02.2017

Zapping: "You Me Her": Ein Liebesdreieck steht Kopf

„You Me Her“ ist ein Geheimtipp, der in den USA derzeit auf einem kleinen Premium-Sender läuft. Überzeugende Charaktere, skurrile Dialoge und große Gefühle verdienen die Aufmerksamkeit.

Von Pit Thommes

Portland, hoch oben in Oregon. Es ist die liberalste Stadt der Vereinigten Staaten. Indessen andere um den Evolutionsunterricht ringen, gibt es hier sogar ein Nacktbadefest. Was soll da noch die Nachbarn aufregen? Beispielsweise ein Assistenzdekan und eine Architektin, die mit einer Studentin eine polyamoröse Beziehung eingehen.  

Im besten Stile der klassischen Liebeskomödie stürzt „You Me Her“ den Zuschauer von einem Gefühlsbad ins nächste. Die erste Folge öffnet mit einer Nahaufnahme der beiden beim Paartherapeut. Zwischen Jack (Greg Poehler) und Emma (Rachel Blanchard) läuft es nicht mehr so rund. Beide haben enormen Stress im Beruf, sie wollen aber unbedingt ein Kind. Nur finden sie kaum die Zeit, um es miteinander zu probieren.

Die vermutlich schlechteste Begleitdame der Welt

Glücklicherweise hat Jacks Bruder da den richtigen Ratschlag: Sein Bruder solle doch seine Verführungskünste an einem Escort-Mädchen ausprobieren. Gesagt, getan – doch Jack bekommt kalte Füße. Er will nach einem zuckersüßen Telefonat mit seiner Frau nun lieber nicht, da steht aber schon Izzy (Priscilla Faia) in der Tür.   

Izzy, Psychologiestudentin, ist die vermutlich schlechteste Begleitdame der Welt. Sie verguckt sich in Jack und aus einer Aussprache wird ein langer Kuss. Jack beichtet daheim alles und als seine Frau aus Rache Izzy selbst bucht, knistert es auch zwischen den beiden.

„You Me Her“ spinnt danach eine überraschend berührende Komödie um dieses Liebesdreieck. Es wäre einfach gewesen, Polyamorie einfach mit Klischees zu überziehen. Problemlos hätte der Schöpfer John Scott Shepherd die Serie auch zu einem falschen Tabubruch stilisieren können, wie etwa „Satisfaction“. Doch stattdessen unterstreicht die Regisseurin Nisha Ganatra, dass nicht jede abgedroschene Prämisse gleich enden muss.

Ganatra knüpft somit an ihren Erfolg „Transparent“ an, eine mit dem Golden Globe ausgezeichnete Transgender-Komödie. In „You Me Her“ zitiert sie die Größen der Liebeskomödie. Das erste Treffen zwischen Izzy und Emma ist eine Hommage an „When Harry Met Sally“ und Rachel Blanchard als Emma erinnert mehr als einmal an Meg Ryan in „Sleepless in Seattle“ – bis hin zur Bildkomposition.

Liebeskomödie ohne lauten Gefühlskitsch

Auch der Mann im Bunde, Greg Poehler als Jack, kann schauspielerisch überzeugen. Wie die beiden Damen nimmt er die Rolle gerade ernst genug und findet stets den angemessenen Blick für die Situation. Wohltuend ist auch, dass er eben nicht durch seinen Testosteronüberschuss auffällt, sondern dadurch, dass ihm die Frauen das Liebesdreieck schon bald auf den Kopf stellen.

„You Me Her“ ist nicht zuletzt deswegen so überzeugend, weil es die großen Vorbilder honoriert und sie gleichzeitig erweitert. Für eine Liebeskomödie nimmt der Gefühlskitsch vergleichsweise wenig Platz ein, stattdessen sind es Schattierungen, differenzierte Gefühlslagen, die zum Ausdruck kommen. Die Serie ist ein deutlicher Qualitätssprung zu den lauten Liebeskomödien auf den Leinwänden des vergangenen Jahres.

Geheimtipp fernab der politischen Großwetterlage

„You Me Her“ ist ein Geheimtipp, der in den USA derzeit auf einem kleinen Premium-Sender läuft. Abseits des Mainstreams startet die Serie in die zweite Staffel, eine dritte ist bereits geplant. Überzeugende Charaktere, skurrile Dialoge und große Gefühle verdienen die Aufmerksamkeit. „You Me Her“ dürfte wohl nicht funktionieren, doch solange sie es tut, sollte der geneigte Zuschauer ihr eine Chance geben. Gerade angesichts der politischen Großwetterlage, ist die halbstündige Flucht in anderer Leute Leben durchaus wohltuend.

„You Me Her“, romantische Comedy-Serie. Die zehn Episoden der ersten Staffel sind im Streaming-Angebot von Netflix verfügbar. 

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