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Zapping: Wortgefechte im Namen der Literatur
"Das Literarische Quartett": Maxim Biller, Christine Westermann, Volker Weidermann.

Zapping: Wortgefechte im Namen der Literatur

Foto: ZDF und Jule Roehr
"Das Literarische Quartett": Maxim Biller, Christine Westermann, Volker Weidermann.
Kultur 2 Min. 28.09.2015

Zapping: Wortgefechte im Namen der Literatur

Am kommenden Freitag ist es soweit. Das ZDF beweist Mut und legt die Kult-Sendung „Das Literarische Quartett“ neu auf.

Von Maria Falkner

Am kommenden Freitag, dem 2. Oktober 2015,  ist es soweit. Das ZDF beweist Mut und legt die Kult-Sendung „Das Literarische Quartett“ neu auf. Natürlich mit junger Besetzung, frischen Charakteren und zeitgenössischen Büchern, jedoch auf Basis des alten Konzepts.

Vorbild der neuen Literaturserie ist das im deutschsprachigen Raum berühmt-berüchtigte Literaturkritik-Format, das denselben Namen trägt. Das alte „Literarische Quartett“, das von 1988 bis 2001 insgesamt 77-mal ausgestrahlt wurde, ist und war die Ur-Mutter aller Literatur-Fernsehsendungen. Kein einfaches Erbe für die Neuauflage also. 

Volker Weidermann als Gastgeber

Volker Weidermann, Literaturchef des Spiegel.
Volker Weidermann, Literaturchef des Spiegel.
Foto: Jule Roehr

Vier Literaturexperten diskutieren 45 Minuten lang über vier Bücher, so lautet das Prinzip der Sendung. Drei Diskussionsteilnehmer sind Dauergäste, die vierte Person ist jeweils ein Überraschungsbesucher aus dem Literaturbetrieb. Sechsmal pro Jahr wird das ZDF Freitagnacht diese Sendung von Literaturbegeisterten für Literaturbegeisterte ausstrahlen. Es geht den Protagonisten vor allem darum Spaß zu haben, über Bücher zu sprechen aber auch zu streiten, so Gastgeber Volker Weidermann, seines Zeichens Literaturchef des „Spiegel“. Er wird die Gespräche leiten und übernimmt somit jene Aufgabe, die Marcel Reich-Ranicki im alten Format innehatte.

Reich-Ranicki war jedoch nie wirklich von der Sendung überzeugt. Als streitbarer Teilnehmer und gnadenloser Kritiker zerriss er den Großteil der besprochenen Bücher buchstäblich in der Luft. Den Part des Bösewichts übernimmt nun Maxim Biller, Schriftsteller und Journalist der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, der die Neuauflage als schlechte Idee empfindet. Revivals klappen nämlich seiner Meinung nach nie, das sehe man schon an den neuen Generationen der Serie Star Trek. Trotzdem, so Biller, werde er sein Bestes geben. Es ist anzunehmen, dass er manch hitzige Debatte anzettelt und dabei übers Ziel hinausschießt. Aber genau das macht dieses Serienformat auch aus, nicht umsonst verbindet das Gros der Deutschen vor allem Marcel Reich-Ranicki und seine Ausfälligkeiten mit dem alten „Literarischen Quartett“.

Juli Zeh als erster Gast

Den weiblichen Part hat Christine Westermann inne. Sie ist Autorin, Radiojournalistin sowie Moderatorin im Westdeutschen Rundfunk. Westermann könnte der Serie etwas Gelassenheit beisteuern, falls die Diskussion mal eskaliert. Mit ihrer besonnenen Art verkörpert sie nämlich die emphatische Märchenerzählerin. Gast der ersten Sendung ist übrigens Schriftstellerin Juli Zeh. Wer sie kennt, weiß, dass sie wohl kaum mit ihrer Meinung hinter dem Berg hält. Auch ihre politische Überzeugung dürfte für einigen Gesprächsstoff sorgen, wenn es denn die besprochenen Bücher zulassen.

Ob der ZDF die Diskussionsteilnehmer nicht etwas zu rollentypisch ausgewählt hat, wird sich zeigen. Die alte Titelmusik des „Literarischen Quartetts“ wird auch in der Neuauflage verwendet. DJ und Elektromusiker Henrik Schwarz restauriert Beethovens Rasumowsky-Quartett lediglich ein bisschen, um der Sendung einen modernen Glanz zu verleihen. Und darin liegt die Problematik des neuen Konzepts. Zu oft drängt sich nämlich das Gefühl auf, dass das neue „Literarische Quartett“ ein moderner Abklatsch des alten werden soll. Literatur im Fernsehen war und ist Minderheitenprogramm und prinzipiell äußerst unspektakulär. Die alte Besetzung polarisierte jedoch dermaßen, dass viele Zuschauer alleine wegen den Protagonisten den Fernseher einschalteten.

„Das Literarische Quartett“, Freitag, 2. Oktober um 23 Uhr im ZDF; nächste Sendungen am 6. November und 11. Dezember.


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