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Zapping: Wenn der Schrauber mit der Richterin...
Kultur 4 2 Min. 14.06.2020 Aus unserem online-Archiv

Zapping: Wenn der Schrauber mit der Richterin...

Markus Stoll (Harry G), Lisa Bitter, Daniel Christensen und Helmfried von Lüttichau bilden das Team der neuen Serie (v.l.n.r.).

Zapping: Wenn der Schrauber mit der Richterin...

Markus Stoll (Harry G), Lisa Bitter, Daniel Christensen und Helmfried von Lüttichau bilden das Team der neuen Serie (v.l.n.r.).
Foto: API
Kultur 4 2 Min. 14.06.2020 Aus unserem online-Archiv

Zapping: Wenn der Schrauber mit der Richterin...

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Die neue Amazon-Serie „Der Beischläfer“ versucht sich an humorigen München-Klischees

„Wannst mim Deife danzt, wannst mim Deife danzt / Wannst du mim Deife danzt dann brachst guate Schua / Wannst du mim Deife danzt, na brachst du gate Schua / Sonst lasst er di ned in Ruah“ – verstanden? „Wenn du mit dem Teufel tanzt, brauchst du gute Schuhe; sonst lässt er dich nicht in Ruhe!“

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Die Verszeilen, eindringlich gesungen von „Dreiviertelblut“-Frontmann Sebastian Horn im bayerischen Balkan-Ska-Feeling, hinterlassen bei den sechs Folgen von rund 30 Minuten – das ist dann also eigentlich ein auseinandergeschnipselter Abend-Zweiteiler – den stärksten Eindruck. Sie führen in das Thema „Wer ist hier wessen Teufel?“, ein bisschen Schuld und Sühne, den Drive und das Lebensgefühl von Lederhosenmoderne ein.

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Und genau so könnte man eigentlich diese Amazon-Prime-Serie auch als ARD-Zweiteiler im Fernsehprogramm durchgehen lassen: Eine launige Wochenendnummer für zwei Eineinhalb-Stunden-Abende ohne zu viel Anspruch, mit ein paar munteren Gags und vielen Klischees von Münchner Amigos, Eine-Hand-wäscht-die-andere-Mentalität, die Abrechnungen mit den Zugezogenen – besonders dann, wenn sie aus Berlin kommen – und Kabbeleien zwischen Mann und Frau; das Paar, das scheinbar unterschiedlicher nicht sein könnte und doch perfekt zusammenpasst.


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So scheint das alles nicht neu – sondern ist lediglich eine Spielart schon bekannter Formate, mit denen andere sehr erfolgreich gewesen sind – und sich Amazon nicht zu Unrecht versprochen hat, in dem Genre noch etwas rausholen zu können. Das Schlimmste aber ist, dass die Serienmacher nicht mehr getan haben, um dann im Vergleich gegenüber den legendären Helmut-Dietl-Glanzstücken um die Münchner Gesellschaft und Schickeria wie „Kir Royal“ und „Monaco Franze“ Überraschendes und Neues in das Drehbuch zu packen. Die einzigen Nuancen neben den Gags sind das mögliche Scheitern und die Trauer, manch kleiner Abgrund und die Suche nach Gerechtigkeit, die das Gesetz oder auch die Umstände nicht hergeben.

Kein Hit, aber familientauglich

Das ist zwar schon was wert, aber wird zu oberflächlich für die Serie genutzt. Diese tut sich schwer, mehr auszuloten über diesen Schrauber, der seine Frau und Schwiegermutter bei einem Autounfall verloren hat. Apropos: Der vom Schicksal getroffene Oldtimerfreak wird plötzlich von der Polizei abgeholt – aber nicht um auf der Anklagebank, sondern auf der Richterbank zu enden; als Gerichtsschöffe, sprich Laienrichter, die bei deutschen Gerichten den Richtern zur Seite gestellt sind.


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Er sei für den Posten empfohlen, teilt ihm die von Berlin nach München gewechselte Richterin Julia Kellermann mit. Und er habe eben keine Absage geschickt – also müsse er ran. Markus Stoll, der unter seinem Alter Ego „Harry G“ in den sozialen Medien und auf YouTube eine breite Fanbasis hat, müht sich, diesen Typen zu spielen, der einerseits die Flurabsprachen zwischen Staatsanwalt und Richter kritisiert und andererseits seine Vorteile aus seinem neuen, ungewollten Ehrenamt zieht.

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Als Sidekicks funktionieren dann noch Helmfried von Lüttichau, der im Duo „Hubert und Staller“ im ARD-Vorabendprogramm schon einen prominenten Bayernpossen-Stammplatz hat, und Daniel Christensen – in den Eberhofer-Krimi-Verfilmungen wie „Dampfnudelblues“ ebenfalls als schrulliger Nerd unterwegs.


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Insgesamt neigt das Team und auch die Story zu manchem Extrem und zur Groteske – es wundert nicht, ist doch einer der Drehbuchautoren auch bei der „Bullyparade“ unterwegs gewesen. Zwischen allen mehr oder minder zutreffenden, aber eben stark überzeichneten Motiven zum Münchner Immobilienmarkt und „Saupreißen“-Granteln ist das familientaugliche Unterhaltung, die Fans im Genre sicher gefällt – bissig und neu gedacht aber geht komplett anders.

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